Ich sitze nackt auf dem Balkon, rauche eine Zigarette, und trinke den ersten Kaffee des Tages.
Ich habe gerade meinen morgendlichen Weckdienst absolviert, der zu meinen täglichen Pflichten gehört, und dich pünktlich aus dem Schlaf gelutscht. Heute war keine Zeit für einen anschließenden, lang anhaltenden Fick und nun stehst du unter der Dusche und ich habe immer noch den Geschmack von deinem Sperma im Mund, der sich nun mit dem Zigarettenrauch und dem Kaffeearoma vermischt. Ich mag alle drei Geschmäcker, jeden für sich und auch alle drei gemeinsam in einer sinnlichen Melange der Gegebenheiten. Mehr noch:
Inzwischen gehören diese drei Geschmäcker für mich genauso zusammen, wie früher Kaffee ohne Zigarette nicht denkbar gewesen wäre, gehören zu diesem Moment am Morgen, an dem der Tag noch still und voller Möglichkeiten ist.
Ich atme die frische Morgenluft ein und nehme einen weiteren Schluck des schwarzen Gebräus, schmecke die Süße der vier Stückchen Zucker darin, die für mich unabdingbar sind, auch wenn ich weiß, dass gesund anders geht.
Mich fröstelt ein wenig, denn noch braucht die Sonne ein bisschen, um sich über das Dach des Vorderhauses zu kämpfen, und doch ist auch das Teil meines Morgenrituals, das ich ganz für mich allein genieße.
Ich höre, wie das rauschende Geräusch aus dem Badezimmer verebbt, drücke meine Kippe im Aschenbecher aus und trinke den letzten großen Schluck aus meiner Tasse. Dann gehe ich hinein und in die Küche, schalte den Eierkocher ein und stecke Weißbrot in den Toaster. Die DeLonghi hat sich ja schon für mich warm gelaufen und ich mahle die Bohnen zu Pulver, fülle es in den Siebträger, drücke auf den Knopf und hole die Teller aus dem Schrank und das Besteck aus der Schublade. Ich decke den Tisch auf dem Balkon, weil ich weiß, dass auch du es liebst, am Morgen noch einmal so einen Moment des Innehaltens an der frischen Luft zu genießen. Ich laufe ein paar Mal hin und her, doch dann steht alles auf dem Tisch, was du für ein gutes Frühstück brauchst. Butter, Honig, frisches Obst, selbst eingekochte Marmelade und knusprig geröstetes Weißbrot, dazu ein doppelter Espresso und ein Medium gekochtes Frühstücksei, in dem das Gelbe nicht ganz flüssig und nicht ganz fest ist.
Du kommst aus dem Schlafzimmer und bist, so wie jeden Morgen, vollständig angezogen, als du an den Frühstückstisch kommst, trägst einen von deinen hellen Leinenanzügen, die ich an dir so liebe, weil sie einerseits lässig, aber andererseits auch elegant wirken.
Dieser Kontrast zwischen deinem Bekleidet sein und meiner vollständigen Nacktheit ist für mich jedes Mal immer wieder auf’s Neue ungemein erregend und ich schmiege mich an dich, als du mich in den Arm nimmst. Du gibst mir einen langen und leidenschaftlichen Kuss und lässt deine Hände über meinen nackten, und inzwischen leicht in der kühlen Morgenluft fröstelnden, mit Gänsehaut überzogenen Körper wandern. Das Revers deines Jackets scheuert an meinen Knospen und lässt sie sich noch mehr aufrichten, als es ohnehin schon der Fall ist, und du spürst die schon wieder vorhandene Nässe zwischen meinen Schenkeln, als du deine Finger in mich hinein schiebst.
Du lachst darüber, wie du es beinahe jeden Morgen tust, fröhlich, aber auch ein bisschen schadenfroh, denn du weißt, dass es mir nicht erlaubt ist, mir selbst ganz alleine für mich Befriedigung zu verschaffen. Dann setzt du dich hin und ich nehme dir gegenüber Platz, spreize meine Schenkel bis zum Anschlag, wie es sich gehört.
Gemeinsam mit dir zu frühstücken ist für mich immer einer der schönsten Momente des Tages und ich genieße es jedes Mal, ihn mit dir erleben zu dürfen. Leider dauert er meistens nicht allzu lange, weil du eigentlich immer viel zu tun hast, auch am Wochenende. Irgendwann piept dann dein Handy und zeigt dir an, dass es Zeit ist, von mir und dem Frühstückstisch Abschied zu nehmen, und mir die Frage zu stellen, die du mir jeden Morgen stellst, wenn es für einen Fick nicht gereicht hat:
“Ich weiß noch nicht, wann ich wieder zu Hause bin. Wenn du es dir selbst machen willst, dann jetzt und hier. Willst du?”
Ich schüttle den Kopf. Masturbation samt dem dazugehörigen Stöhnen und Seufzen hier auf dem Balkon ist selbst für mich eine Nummer zu heftig, und das weißt du ganz genau. Wenn du es anordnen würdest, wäre ich natürlich gehorsam, aber wenn ich die Wahl habe…
Du verabschiedest dich von mir an der Wohnungstür, die du jedes Mal bis zum Anschlag öffnest, um mich maximal der Gefahr der Entdeckung auszusetzen, obwohl es inzwischen hier im Haus, und selbst im Vorderhaus, niemanden mehr gibt, der mich nicht schon nackt gesehen hätte.
Weißt du noch, wie es mir das erste Mal passierte, dass ich nackt unten an den Mülltonnen vor Frau Giesicke aus dem Vorderhaus stand, einer älteren Dame in den Siebzigern, und sie mir lächelnd sagte, ich hätte wirklich schöne Brüste?
Das war drei Wochen nach meinem Einzug bei dir und die Gewöhnung an das ständige Nacktsein in deiner Wohnung ließ es mich manchmal regelrecht vergessen. Schon ein paar Tage vorher hatte ich mich nackt unten am Briefkasten wiedergefunden, doch da hatte mich niemand gesehen.
Nackt im Hinterhof im freundlichen Dialog mit Frau Giesicke war dann die folgerichtige Steigerung.
Ich erschrak mich zu Tode, aber die freundliche alte Dame hatte ganz offensichtlich weniger ein Problem mit der Situation als ich.
“Ach, Kindchen, mach dir ma’ keen Kopp. Ich hab sowat allet schon ma’ jeseh’n.
Ick wohne im Zweeten und hab dir schon öfter ma’ nackig uff’n Balkong jeseh’n.
Janz schön mutig, hab ick jedacht, aba du bist ja och ‘ne janz besonders Hübsche. Musst ja nix verstecken.”
Ich stellte wieder einmal fest, dass ich eigentlich keinerlei Scham empfand, nur das unbestimmte Gefühl, mich schämen zu müssen. Doch Frau Giesicke ließ mit ihrer unverbrüchlichen Freundlichkeit keinen Zweifel daran, dass dies vollkommen unnötig war. Weder sie, noch ich, hatten mit der Situation ein Problem und als sie mich irgendwannmal zum Kaffee einlud, wurde mein Gefühl für dieses Haus und die Nachbarschaft beinahe schon ein bisschen so wie familiär.
Als ich dir davon erzählte, hast du dich beinahe kaputt gelacht darüber, und dann sogleich scherzhaft angeordnet, dass ich von nun an immer nackt den Müll runterbringen muss. Das war natürlich nicht ernst gemeint, doch seitdem arbeitet dieses Thema in mir.
Aber ich schweife ab.
Das Thema heute ist mein Tagesablauf und der geht zunächst einmal damit weiter, dass nun auch ich unter die Dusche springe. Heute kann ich mir Zeit damit lassen, weil ich erst am frühen Nachmittag in die Uni muss. Ich lasse mich von der Wärme des Wassers verwöhnen, nachdem ich zuvor auf dem Balkon ein klein wenig kalt geworden bin. Wieder einmal bin ich froh und dankbar dafür, dass die lästige Prozedur der täglichen Rasur seit meiner Laserenthaarung kein Thema mehr ist.
Es spart nicht nur Zeit, sondern verschont mich auch mit dem bei mir so häufig aufgetretenen Rasurbrand und den oft winzig kleinen Schnittwunden, die immer mal wieder beim Rasieren entstanden sind.
Der tägliche Einlauf zur Reinigung meines Darms bleibt mir allerdings nicht erspart, und er ist für mich immer noch gewöhnungsbedürftig.
Nach dem Duschen öle ich mich ausgiebig am ganzen Körper mit Babyöl von Penaten ein, und verwende besonders viel davon auf meinen Anus, um es dem Plug, den ich auf dein Geheiß tagsüber tragen muss, leichter zu machen, meinen Schließmuskel zu penetrieren. Inzwischen habe ich Übung darin, ihn mir schnell und problemlos einzuführen, und auch diesmal flutscht er mit nur ganz wenig Druck einfach so in mich hinein.
Als nächstes räume ich den Frühstückstisch ab und wasche das Geschirr und das Besteck schnell von Hand ab. Den Geschirrspüler nutze ich nur, wenn wir Gäste hatten und das Geschirr sich stapelt.
Ansonsten gibt es heute für mich im Haushalt nicht mehr allzu viel zu tun, weil ich erst am Wochenende alle Böden geschrubbt, die Wäsche gewaschen und auch das Bad gründlich geputzt habe. All dies gehört ebenfalls zu meinen Pflichten, doch heute kann ich mich ganz entspannt wieder auf den Balkon setzen.
Dann fällt mir wieder ein, dass das Päckchen Tabak ziemlich leer ausgesehen hat und dass ich Zoé versprochen habe, ein Neues zu kaufen. Ich schlüpfe schnell in eins meiner kurzen Sommerkleidchen und tapse barfuß hinunter zum Späti an der Ecke. Der Plug arbeitet dabei deutlich spürbar in meinem Darm und ich weiß,dass das auch heute den ganzen Tag lang so sein wird. Er erinnert mich ständig an meinen Status als Geschlecht auf zwei Beinen, wie du mich einmal scherzhaft genannt hast, das jederzeit von dir aus dieser momentan so normal erscheinenden Alltäglichkeit herausgerissen werden kann, um nach Belieben benutzt zu werden.
Einmal bist du einfach so in der Uni aufgekreuzt, hast mich in die Herrentoilette und in eine der Kabinen bugsiert, und dort ohne Umschweife mein Kleid hochgeschlagen.
Ein anderes Mal hast du mir eine Nachricht geschickt und mich hinaus auf den Parkplatz bestellt, wo du mich kurz und heftig auf der Rückbank durchficktest, während draußen etliche Kommiliton.innen vorbeiliefen und mich ganz sicher stöhnen hörten, mich aber zum Glück durch die dunkel getönten Scheiben nicht sehen konnten. Tricky wurde es, als ich danach aussteigen musste, aber du bist vorausgegangen und hast alle Glotzer verjagt.
Doch zu meinem Glück sind solche Einbrüche in meine persönliche Sphäre eher selten. Sie dienen wohl lediglich dazu, mich daran zu erinnern, dass es ein Privileg ist, sie trotz meines Status’ haben zu dürfen.
Aber ich schweife schon wieder ab.
Wo war ich?
Ach ja, beim Späti und dem Tabak.
Ich kaufe zweimal das ganze Paket mit Papers und Tips, weil ich mich ein bisschen schuldig fühle, so viel geschnorrt zu haben und tapse wieder zurück in die Wohnung, schlüpfe im Flur aus meinem Kleidchen und hänge es an die Garderobe.
Zoé ist inzwischen auch unter den Lebenden angekommen.
Ich finde sie nackt auf dem Balkon, wo sie gerade dabei ist, sich aus den Krümeln im Tabakspäckchen eine ziemlich schief aussehende Kippe herzustellen und mache sie mit meinen Einkäufen an diesem Morgen ein ganzes Stück glücklicher. Ich mache mir auch noch einen Kaffee und leiste ihr auf dem Balkon Gesellschaft.
Kurz darauf schlurft dann Jean aus dem Zimmer, doch er geht nur kurz auf’s Klo und verschwindet dann wieder im Bett. Sein Rhythmus ist definitiv ein anderer und manchmal frage ich mich, wie die beiden das auf die Reihe kriegen.
Zoé erzählt von gestern, von der Nacht in dem Club, in dem Jean auflegt, von den Mädels, die ihn ständig belagern, und von ihrer Eifersucht, von der sie eigentlich weiß, dass sie völlig unbegründet ist. Wieder einmal denke ich, dass ich eigentlich ganz froh bin, mit dieser Art von Drama nichts mehr zu tun zu haben. Bei mir ist die Situation eindeutig geklärt und ich weiß zu 100%, woran ich bin.
Ich gehöre dir mit Haut und Haaren, aber ich gehöre eben auch zu dir, und muss nicht darüber nachdenken, ob du eine Andere hast, weil derartige Besitzansprüche mir ohnehin gar nicht zustehen. Es geht mich nichts an, wen du außer mir sonst noch so fickst, weil das Einzige, was für mich von Belang ist, meine Hingabe an dich ist.
Zoé raucht mit mir zusammen zwei Zigaretten und trinkt dabei ihren Kaffee, als plötzlich Jean wieder vor uns steht. Er hat wohl den Zigarettenrauch gerochen, denn er greift sofort nach dem Tabak und beginnt, sich eine zu drehen. Er hat sich eine Jogginghose und ein T-Shirt übergezogen, denn vor mir zeigt er sich selten nackt. Zoé gibt ihm Feuer und gibt ihm einen inniglichen Kuss, der mich fast ein bisschen neidisch macht. Sie rauchen beide zuende, dann zieht es sie wieder zurück ins Bett. Sie sind echt mega verknallt, und ich freue mich für sie. Zoé murmelt noch was von einer Zwischenprüfung, für die sie noch lernen muss, aber kurz darauf höre ich sie überdeutlich bei einer ganz anderen Tätigkeit.
Ich nehme die Tassen mit in die Küche und spüle sie schnell aus, als es an der Tür klingelt. Ich öffne, so wie immer, ohne durch den Spion zu schauen. Ein Paketbote von Hermes steht vor der Tür und starrt mich an wie eine Erscheinung. Er vergisst beinahe den Zweck seines Hierseins und erst als ich die Hand ausstrecke, besinnt er sich darauf und reicht mir ein ziemlich großes Paket, das an dich adressiert ist. Ich bin sofort neugierig,was da wohl drin sein könnte, doch es ist nirgends ein Absender erkennbar. Auch der Schütteltest führt zu keinem Ergebnis. Enttäuscht stelle ich es im Flur auf den Boden und unterschreibe auf dem Display, während mich der Paketbote immer noch anstarrt. Diese unverhohlene Erstaunen versetzt die Exhibitionistin in mir geradezu in Hochstimmung und ich lasse mich dazu hinreißen, übermütig eine kleine Pirouette vor ihm zu drehen, bevor ich die Tür wieder schließe. Das Paket stelle ich auf deinen Schreibtisch und ich kann mich nur mit Mühe davon abhalten, es zu öffnen. Was mag wohl darin verborgen sein?
JETZT sitze ich tatsächlich vor meinem tablet und klimpere diesen Morgen in die Tastatur. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen, doch es war auch ganz schön, das alles einmal so niederzuschreiben, ohne mich in irgendwelchen Phantasien zu verlaufen. Ich bin sehr gespannt, was du dazu sagen wirst, ob dir mein Geschreibsel, wie du es nennst, gefällt. In jedem Fall ist es diesmal eben nichts Ausgedachtes, sondern die Wahrheit darüber, wie ich den heutigen Morgen erlebt habe, ist genau das, was du dir von mir gewünscht hast. Ich schicke dir den Text auf’s Handy und freue mich ein bisschen bei der Vorstellung, wie du ihn vielleicht ja gerade während einer wichtigen Sitzung liest. Dann wäre es mir ja vielleicht auch zumindest einmal gelungen, auch dich mal in Verlegenheit zu bringen.