Beitrag von Milan82 ()
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Schon seit Wochen freue ich mich auf meinen Geburtstag, und heute ist es so weit. Heute wird mein momentan größter Wunsch Wirklichkeit. Ich bekomme von meinen besten Freunden eine Taucherbrille mit Schnorchel samt Schwimmflossen und sie passen wie angegossen. Ich laufe einen ganzen Tag lang damit durch die Wohnung und es gelingt den anderen in der WG nur mit Mühe, mich davon zu überzeugen, sie am Abend zum Schlafen auszuziehen. Am liebsten würde ich gleich morgen zum See rausfahren, aber Yannis, dem das Auto gehört, braucht es für andere Zwecke. Bleibt nur das Freibad, auch wenn das nicht so ganz das Gleiche ist. Aber ich will mein neues Lieblingsspielzeug so unbedingt ausprobieren, dass es mir egaL ist, ob ich durch meine Taucherbrille nur türkisfarbene Kacheln sehe, oder zumindest Kaulquappen und Stichlinge.
Am nächsten Morgen bin ich schon ganz früh unterwegs, bin einer der ersten, die um neun Uhr morgens schon in der Schlange stehen, und nach einigem Warten überglücklich hinein ins Freibad strömen. Ich peile meinen Lieblingsplatz gleich hinter dem Sprungturm an, der für mich bislang immer die Hauptattraktion war, doch heute habe ich anderes im Sinn. Ich pelle mich, so schnell es geht, aus den Klamotten und schlüpfe in meine Flossen. Dann schnappe ich mir meine Taucherbrille stammt Schnorchel und watschle hinunter an den Beckenrand. Ich schwinge meine Füße darüber hinweg und lasse mich langsam, die Füße voraus, ins Becken gleiten. Meine Hände halten die Brille fest, aber das wäre gar nicht nötig gewesen, denn sie sitzt wie angegossen. Ich atme durch den Schnorchel ein und rieche zugleich sofort diesen unverwechselbaren Chlorgeruch, der in allen Freibädern der Welt zuhause ist, und mich schon als Kind durch unendlich viele Sommer begleitet hat. Um mich herum ist da zunächst einmal ein regelrechtes Gewimmel von paddelnden Beinen und auch Armen, die versuchen, die zu ihnen gehörenden Körper über Wasser zu halten, und dabei das Wasser ziemlich aufwühlen. Doch je weiter ich in Richtung der flacheren Gefilde komme, umso mehr ist das Wasser auch eher ruhig und klar, und auch die Körper sind deutlicher zu erkennen. Ich schaue nach links, dann nach rechts, und mit einem Mal halte ich inne, weil ich kaum glauben kann, was ich sehe. Direkt vor mir stehen ein Mann und eine Frau im halbtiefen Wasser. Das wäre ja noch nichts wirklich Ungewöhnliches, doch die Tatsache, dass die Frau ganz offensichtlich unten ohne hier in diesem Becken steht, erregt dann doch meine Aufmerksamkeit.
Ich kann, dank meiner Taucherbrille, alles ganz genau erkennen, die sanft geschwungenen Hüften, die Krallen Halbkugeln der Pobacken, ja sogar die scheinbar völlig haarlosen Lippen ihrer Scham sind für mich in aller Deutlichkeit erkennbar.
Wie kann das sein? frage ich mich und finde darauf keine Antwort. Gleichzeitig muss ich feststellen, dass ich in meiner Überraschung bereits viel zu dicht an die beiden heran geschwommen bin. Gerade noch rechtzeitig kriege ich die Kurve nach links weg, bevor ich mit der Brille an den nackten Po der Frau stoße. Ich weiß nicht, ob sie mich bemerkt haben, doch es wäre eher ein Wunder, wenn das nicht der Fall gewesen ist. In mir ist alles in Aufruhr. Diese Frau tut etwas, das ich immer schon tun wollte, was ich mich aber nie getraut habe. Ihr Mut zieht mich regelrecht magisch zu ihr hin und ich schwimme unter Wasser eine Biege, überlege, ob ich es noch einmal wagen kann, mich den beiden zu nähern. Soll ich? Soll ich nicht?