Ich kenne relativ viele junge Frauen, die zu Schulzeiten oder später Aktfotos oder ein Aktbild von sich in ihrem Zimmer hängen haben. Eine Freundin hatte sogar ein Bild mit ihrer Mutter in der Sauna an der Wand hängen. Das fand ich immer etwas verstörend.
Ich weiß aber nicht, wie ich reagieren würde, wenn ich schon was älter wäre. Meine Tendenz geht eher zu: Lieber sein lassen.
Ja, wer kennt sie nicht, die typische Wanddekoration im Zimmer adoleszenter Mädchen:
Zwischen dem Boygroup-Poster und der Urkunde der Bundesjugendspiele hängt das eigene Nacktfoto.
Daran hat schließlich die ganze Familie Spaß:
Vati kriegt 'nen Ständer, wenn er sieht, wie prächtig sich die Frucht seiner Lenden entwickelt. Mutti denkt sich hämisch, Töchterchen soll nur mal 20 Jahre abwarten und zwei Kinder rausschieben, dann geht sie auch aus dem Leim. Der kleine Bruder hat im Fußballverein richtig was zu erzählen. Und Oma und Opa, die kurzsichtig sind und nicht wirklich was erkennen, finden es schön und fragen, ob das ein Schulprojekt ist?
Ich war als Teenager wirklich dermaßen notgeil, dass die männlichen Hauptfiguren in den berüchtigten "Eis am Stiel"-Filmen dagegen wie Klosterschüler aussehen.
Aber da ich gleichzeitig als Lesbe in einem Dorf irgendwo im katholischen Teil der Norddeutschen Tiefebene aufgewachsen bin, und außer ein paar tausend Computernerds noch niemand etwas mit dem Begriff "Internet" anzufangen wusste, war ich sexuell gleichzeitig so einsam wie der Papst.
Viel Zeit und Notwendigkeit also, mich mit meinem eigenen Körper und meiner Fantasie zu beschäftigen:
Einen 36er-Fotofilm mit per Selbstauslöser aufgenommenen Nacktfotos hatte ich vernichtet, nachdem mir aufgefallen war, dass ich den ja zur Entwicklung im Fotogeschäft geben müsste ...
Also Sofortbildkamera gewünscht und bekommen (Digitalkameras kosteten noch viele tausend D-Mark, und hatten dementsprechend nur Profifotografen), und abermals sowohl Pamela Andersons Playboy-Posen nachgestellt, als auch FSK 18-Großaufnahmen gemacht.
Und diese Fotos habe ich weiß Gott besser versteckt aufbewahrt als mein Tagebuch oder die mit "mangelhaft" bewertete Mathearbeit, und nur herausgeholt, wenn ich absolut sicher wissen konnte, dass die nächsten Stunden niemand an meine Zimmertür klopfen würde ...