Zu deiner Frage:
Nein, das hat damit nichts zu tun. Ich finde nur, wenn man sich vertraut, kann man sich auch nackt sehen... Jeder von uns Erwachsenen weiß doch, wie das Gegenüber im Prinzip nackt aussieht... Also finde ich da nichts Schlimmes dabei...
Zum zweiten Teil:
Genau so ist es...
Vertrauen ist meiner Erfahrung kein einheitliches, fest definiertes Gefühl gegenüber einem anderen Menschen, es ist vielmehr ein breites und komplexes Spektrum - man kann Menschen auf vielerlei Weisen und in vielerlei Hinsichten in ganz unterschiedlichen Tiefen vertrauen, oder eben nicht.
Letztlich beschreibst du das meines Verständnisses ja selbst auch so, indem du sagst, es gibt Dinge, über die du lieber mit deiner Tante als mit deinen Eltern sprichst.
Das bedeutet ja nun sicherlich nicht, dass du deinen Eltern nicht vertraust, oder dass du deiner Tante kategorisch mehr vertraust als deinen Eltern.
Es besagt nur, dass in bestimmten Hinsichten deiner Tante mehr vertraust, oder dich besser bei ihr aufgehoben fühlst, als bei deinen Eltern.
Sich einem anderen Menschen nackt zu zeigen ist zweifellos ein Ausdruck des Vertrauens, und ich setze meine Nacktheit auch durchaus bewusst als Vertrauensbeweis ein bzw. verstehe es entsprechend, wenn jemand anderes seine Nacktheit mit mir teilt.
Aber nur, dass ich einem Menschen überhaupt - in irgendeiner Hinsicht, Form, Tiefe usw. vertraue - bedeutet nicht, dass ich ihm gleich in jeder nur denkbaren Weise vertraue, und mich ihm deshalb automatisch auch nackt zeigen möchte.
Im Gegenteil, gerade weil ich Nacktheit bewusst als etwas Sinnliches und Sexuelles verstehe, lebe und genieße, gehört es für mich gerade auch zum gegenseitigen Vertrauen, sie aus meiner Beziehung zu manchen Personen- insbesondere männlichen Familienmitgliedern - herauszuhalten.
Jeder von uns Erwachsenen weiß doch, wie das Gegenüber im Prinzip nackt aussieht... Also finde ich da nichts Schlimmes dabei...
Ja und nein:
Natürlich weiß jeder Mensch - übrigens nicht erst Erwachsene, auch aufgeklärt aufwachsende Kinder, wie es bei mir etwa der Fall war - wie eine nackte Frau und wie ein nackter Mann jeweils archetypisch aussehen.
Und trotzdem liegt doch ein ungeheurer Reiz darin, einen individuellen anderen Menschen, den man körperlich anziehend findet, nackt zu sehen, und/oder sich ihm nackt zu zeigen - als Ausdruck und Beweis des Vertrauens, wie oben erörtert, oder der Zuneigung, des Begehrens, eben besonderer Gefühle gezielt diesem Menschen gegenüber.
Natürlich ist es nicht "schlimm", sich nackt zu zeigen, im Gegenteil, ich finde es gerade so schön und wertvoll, dass ich es eben nicht wahl- und unterschiedslos jedem gegenüber tue, sondern bewusst als Aspekt eines besonderen Zuneigungs- und Vertrauensverhältnisses.
Wäre es hingegen so, dass es doch eigentlich egal ist, wie ein bestimmter anderer Mensch nun individuell nackt aussieht, weil nackt doch sowieso alle Menschen gleich aussehen, hätte etwa auch diese Plattform hier letztlich keinen Sinn - denn worin läge dann der spezifische Reiz einer Situation, in der eine nackte Frau einer bekleideten Person gegenübersteht?
Für das Gegenüber wäre das nichts Besonderes, denn schließlich wären ja sowieso alle nackten Frauen gleich, und für die nackte Frau auch nicht, denn sie wüsste ja irgendwie auch, wie ihr Gegenüber eben nackt aussieht.