• Zitat

    und keiner sagt was dazu


    das Forum scheint ja momentan eh etwas ruhig zu sein.

    Zitat

    Einfach nur zu schreiben „Toll“, „Weiter so“ oder „Wann kommt die Fortsetzung?“, wird dieser Geschichte jedoch auch nicht gerecht.


    Das könnte natürlich auch eine Ursache sein. Im besten Fall grübeln die potentiellen Kritiker über ihre eigene Einstellung zum Thema. Ich würde mich aber auch über solche Wortmeldungen freuen. Ansonsten kann ich mich an der Bewertung erfreuen, auch wenn das Bewertungssystem bekanntermaßen einige Schwächen hat.

    Zitat

    Dass ein Behinderter Mensch so freizügig mit dem Thema Sexualität umgeht, deckt sich leider nicht mit meinen Beobachtungen,


    was nicht ist, kann ja noch werden..

    Zitat

    wäre den Betroffenen aber zu wünschen.


    ... und wir dürfen uns das ruhig auch wünschen. Wenn es die Doro gibt, wäre ich gerne der Felix und ich weiß wovon ich spreche, denn ich weiß wie es demnächst weitergeht. ;)

    Leben kann man nur vorwärts.
    Verstehen kann man es nur rückwärts.
     
    [SIZE=1]Soren Kierkegaard[/SIZE]

  • Deine Vermutung, dass mancher darüber grübelt, wie er sich am besten dazu äußert, teile ich. Man möchte ja schließlich "politisch korrekt" bleiben, und dass auch eine Frau, die praktisch mit einem Bein im Grab steht, sexuelle Gelüste hat und solche Spielchen mit ihren Zivis inszeniert, verwirrt doch sehr.


    Sex mit Behinderung (oder z.B. im Alter) ist eben eines jener Themen, zu denen viele nichts sagen, weil ihnen sozusagen die Orientierungspflöcke fehlen: Man weiß zwar, dass es so etwas gibt, aber man denkt nicht darüber nach, es kommt in den Medien nicht vor, und es fehlt der gesellschaftliche Diskurs zu dem Thema, dem man Hilfen und Ansätze für das eigene Denken entnehmen könnte.


    Ich finde die Story nach wie vor absolute Spitze, und vor allem beobachte ich bei mir beim Lesen der neueren Folgen einen interessanten Effekt: Die Frau im Rollstuhl erscheint wie eine etwas ungewöhnliche, aber nicht mehr sensationell fremdartige Figur.


    Großes Lob und Hochachtung von mir! :D


    Nico S.

  • Nach einiger Zeit ist Teil 4 jetzt da. Eigentlich sollten noch zwei Szenen zusätzlich dazu kommen, doch diese Folge ist schon ziemlich lang geworden und ich konnte mich nicht entschließen, Teile zu streichen. Sicherlich sind einige nicht erotische Passagen enthalten, doch ich denke, die gehören trotzdem dazu.


    Somit werden es am Schluß nicht die angekündigten fünf Teile werden, sondern sechs. Ich hoffe, dass ich für den nächsten Teil nicht wieder so lange brauche. Dass neben dem Hobby auch die Arbeit da ist, ist manchmal störend (obwohl ich eigentlich bekennender Workaholic bin).


    Na denn erst einmal viel Spaß beim Lesen :)


    Der Joda

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  • Nur wenigen Autoren gelingt es das Niveau einer guten Geschichte über mehrere Folgen konstant hoch zu halten. Joda ist zweifellos einer davon. Auch Teil 4 ist wieder Lesegenuss pur. Im 4. Teil erfahren wir nun auch, wessen Gene das ausgekochte Schlitzohr im Rollstuhl geerbt hat, denn Mama hat’s auch faustdick hinter den Ohren! ;) 
    Ich habe jedenfalls kein Problem damit, wenn es hier noch mehr Teile gibt, als ursprünglich vorgesehen. Ganz im Gegenteil! :))

  • Ich kann mich Romanowsky nur anschließen: Eine passende Fortsetzung zu einer bisher schon insgesamt überragenden Story!


    Einzigartig finde ich es, wie darin das Alltägliche sich mit dem Erotischen verbindet. Ich kenne persönlich keine Rolli-Fahrer, doch auf mich wirkt die Schilderung der diversen Probleme höchst authentisch, was wiederum auch für den "angenehmen Teil" des Geschehens eine positive Wirkung hat.


    Natürlich wirkt Felix' Ziererei langsam etwas künstlich in die Länge gezogen ... wobei ich gar nicht bezweifle, dass es tatsächlich (junge) Männer gibt, die sich in einer ähnlichen Situation auch ähnlich verhalten würden ... doch bei genauem Hinschauen zeigt sich im Ablauf der Ereignisse eine sorgsam orchestrierte Steigerung. So wird Doro ja in diesem Teil bereits handgreiflich. Damit bleibt es ein großes Lesevergnügen, wobei man bei aller Ernsthaftigkeit des Themas und Authentizität der geschilderten Ereignisse nicht vergessen darf, dass es sich eben um eine erfundene Geschichte handelt.


    Im "waren Leben" wäre schon zu fragen, wie eine solche Anmache einzustufen sei, bei der eine offenbar sehr zielbewusste junge Frau einen schüchternen Zivi "bearbeitet" ... wohl wissend, dass ihre Krankheit tödlich verlaufen wird, und also im Erfolgsfall einen jungen Mann mit gebrochenem Herzen hinterlassen wird. Denn eins ist sicher ... und das zeigt sich ja nun auch in Teil 4 recht deutlich: Felix ist nicht der Typ, der sich leichthin auf ein sexuelles Abenteuer einlässt, ohne dass für ihn eindeutige Gefühle im Spiel wären.


    Nico S.

  • romanowsky :
    jaja, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. :D Mit dem sechsten Teil wird es dann aber vorbei sein. Ursprünglich hatte ich ja gar keine Fortsetzungen geplant (auch wenn viele der Szenen aus den Folgeteilen in meinem Kopfkino schon seit Jahren gespielt werden). Doch ganz ausschließen kann ich weitere Folgen nicht. Es soll ja Autoren geben, die nach einiger Zeit einfach mal eine Geschichte nehmen und unvermittelt einen Folgeteil dazu schreiben.


    Nico :
    Hätte ich im vierten Teil die noch fehlenden zwei Szenen an dem Wochenende bereits eingearbeitet, dann wäre es vorbei mit der Ziererei gewesen, zumindest teilweise. So musst du dich noch gedulden, bis ich den fünften Teil fertig geschrieben und hier eingestellt habe. Ich will jedoch nicht zu viel verraten.


    Ich denke, dass Du den Umstand, dass die Krankheit tödlich verläuft, überbewertest. Mit der Umschreibung, dass der Verlauf der Krankheit langsam voranschreitend ist, soll Doro noch viele Monate sogar Jahre haben, die sie mit Leben ausfüllen kann und soll.


    Deine Beobachtung, dass Felix keiner von der flüchtigen Sorte ist, ist korrekt. Bei Doro wollte ich im vierten Teil auch eine kleine Trendwende einläuten. Sie lässt sich zunehmend auf Felix ein, hat jedoch selber noch Hemmungen. Im dritten Absatz des vierten Teils denkt sie darüber nach, welchen Eindruck es auf ihre Eltern macht, wenn Felix mitkommt. Sie hadert mit der Möglichkeit einer echten Beziehung, wiel sie nicht die Verantwortung übernehmen möchte und Angst davor hat, was mit der Beziehung und eben einem gebrochenen Herzen passieren könnte, wenn die Krankheit weiter fortschreitet. Hinter ihrer vordergründigen offenen aber auch oberflächlichen Sexualität verbirgt sich eine verletzliche und empfindsame Person, die einen Schutzwall aufgebaut hat, der in Teilen löchrig wird.


    Doch bevor ich jetzt zu viel ausplaudere, mache ich mich mal daran, die Geschichte weiterzuschreiben.

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    Verstehen kann man es nur rückwärts.
     
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  • Zitat

    Original von joda36
    Es soll ja Autoren geben, die nach einiger Zeit einfach mal eine Geschichte nehmen und unvermittelt einen Folgeteil dazu schreiben.


    Nee, echt? ;)


    Zitat

    Original von joda36
    Ich denke, dass Du den Umstand, dass die Krankheit tödlich verläuft, überbewertest. Mit der Umschreibung, dass der Verlauf der Krankheit langsam voranschreitend ist, soll Doro noch viele Monate sogar Jahre haben, die sie mit Leben ausfüllen kann und soll.


    Das habe ich schon verstanden. Nur - wenn wir die Story mal als Ausgangspunkt für eine reale Situation nehmen, wirft das schon schwerwiegende Fragen auf. Zum Beispiel, welches Recht wir einem Behinderten oder gar letal erkrankten Menschen einräumen, ein nach seinen Möglichkeiten erfülltes Sexual- und Gefühlsleben zu führen. Für "nur" Behinderte hat es da ja meines Wissens in den letzten Jahren sogar da und dort Lösungsversuche gegeben.


    Doch wie wäre eine Frau einzuschätzen, die weiß, dass sie in ein paar Jahren tot sein wird, und die sich einen netten, jungen und emotional völlig unerfahrenen Mann sucht und ihn systematisch in eine heftige Gefühlsbindung zieht? Es wird ja aus deiner Erzählung eindeutig klar, dass sie Felix zumindest anfangs eher als eine Art Spiel- und Übungsobjekt betrachtet, ihn keineswegs mit der möglichen Rechtfertigung einer heftigen Verliebtheit umcirct. Ich versetze mich da eben ein Stück weit in Felix hinein, oder besser ... in die Rolle eines hypothetischen guten Freundes, der mitbekommt, wie der naive Junge (Zivis sind ja meist erst so um die 20) in eine Sache hineingezogen wird, die mit fürchterlichen Schmerzen auch für ihn enden muss!


    Doch wie gesagt, dies ist viel weiter gedacht, als die Story geht und gehen soll, und keine Kritik an der Story selbst.


    Zitat

    Original von joda36
    Doch bevor ich jetzt zu viel ausplaudere, mache ich mich mal daran, die Geschichte weiterzuschreiben.


    Das ist eine SEHR gute Idee! :]


    Nico S.

  • Zitat

    Doch wie gesagt, dies ist viel weiter gedacht, als die Story geht und gehen soll, und keine Kritik an der Story selbst.


    Bei mir macht sich wohl die Betriebsblindheit breit. Meine Gedanken sind nicht über den Tellerrand gekommen und geradewegs wieder in meine Geschichte zurückgerutscht.

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  • Mich lassen die Worte von Nico noch nicht ganz los und ich habe einige Zeit darüber nachgedacht. Was folgt daraus? Die Namen der Figuren meiner Geschichte nehme ich jetzt mal rein exemplarisch.


    Wenn es eine rein sexuelle Beziehung zum Ausleben der Lust von Doro ist und die Gefühle von Felix nicht erwidert würden, wie lange hätte diese Beziehung Bestand? Würde Felix noch bis zum Ende von Doros Krankheit mit ihr zusammen sein? Ich denke nicht. Das Herz würde viel früher "brechen" und Felix würde sich über einen gewissen Zeitraum emotional von ihr lösen. Beide haben ihre Erfahrungen gemacht und im Idealfall wachsen beide mit ihren Erfahrungen.


    Sollte die Beziehung Bestand haben, muss sie für beide erfüllend sein. Doro's Lust und das Bedürfnis begehrt zu werden werden befriedigt und Felix zieht auch seinen Nutzen daraus. Sei es nun Lust, Liebe oder einfach nur das Bedürfnis für jemand anderen da zu sein. Eine Win-Win-Situation. Und am Ende von Doro's Krankheit werden die schönen Erinnerungen überdauern und die traurigen Momente werden von unserem Gehirn erfolgreich verdrängt. Der Prozentsatz der Menschen, die an einem solchen Erlebnis zerbrechen ist verschwindend gering. Rückblickend auf diese Zeit erinnert man sich an die schönen Momente, schwelgt in den schönen Erinnerungen.


    Und letztendlich weiß niemand, der eine Beziehung eingeht, wie lange sie halten wird und ob sie schmerzhaft oder im Guten endet. Wie ist es, wenn wir alt sind und auf unser Leben zurückblicken? Was zermürbt uns eher? Die verpassten Chancen und Momente oder die negativen Erfahrungen?


    Also ich persönlich hadere eher mit mir, wenn ich Chancen verpasst habe. Wenn etwas nicht so war, wie ich es mir gewünscht habe, hake ich es aber unter der Rubrik "hat nicht sollen sein" und die Lehren daraus kommen in die Schachtel "Was ich beim nächsten Mal besser mache(n möchte)"


    Und ein ganz anderer Punkt ist noch: Wie weit darf man einem Menschen vorwerfen seine Sexualität auszuleben, wenn das Leben demnächst zu Ende geht oder gehen kann? Bei einer Krankheit ist es eine Sache, wie steht es mit gefährlichen Berufen? Ein Polizist könnte von dem nächsten Einsatz nicht mehr zurückkommen. Was ist mit Ärzten, die auf Isolationsstationen arbeiten? Und was ist mit mir? Ich könnte morgen unachtsam über die Straße gehen und vom Auto erfasst werden. Ab welchem Wahrscheinlichkeitsgrad eines Todes darf ich nicht mehr weiterleben?


    Okay ich gebe zu, viele Punkte sind jetzt arg zugespitzt und sorgen im ersten Moment für heftiges Kopfschütteln, doch wo ist die Grenze?

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  • Wie sagte Achilles in "Troja" noch so passend:
    "Die Götter beneiden uns, weil wir sterblich sind, weil jeder Atemzug der letzte sein könnte! Jeder Moment ist einzigartig, nie wieder wird es so sein wie in diesem Augenblick......"


    Ich denke, es ist wohl eine Frage der Geisteshaltung dem Leben selbst gegenüber, wie man dem gegenübersteht.
    Wer seine Endlichkeit verdrängt muss sich zwangsläufig an solchen Gedanken stoßen.


    Leben und Tod spielen in den meisten "Meisterwerken" der Literatur und Filmgeschichte seit je her eine tragende und nicht wegzudenkende Rolle.... weil (Zitat, Yoda) "Der Tod ein natürlicher Bestandteil des Lebens ist". Und eben auch weil ohne den Tod das Leben selbst bedeutungslos wäre.
    Dieser Bedeutung sind sich "Todgeweihte" naturgemäß bewusster als jene, die jeden Gedanken daran verdrängen, und sie versuchen, die verbleibende Zeit mit Leben zu füllen.


    Nein, mir tut dieser Felix nicht leid - nicht wegen dem, was ihm eventuell bevorsteht.... eher wegen Freunden, die ihn davor zu "bewahren" versuchen würden...


    Liebe ist kein Geschäft - Liebe ist ein Geschenk vom Herzen, das den Beschenkten ebenso erfüllt wie den Schenkenden. Schmerz über Verlust ist lediglich ein Zeichen der "falschen Liebe", die nichts weiter als Besitztum ist.

    Hier gibt es Leute, die im Namen der political Correctness ehrliche Menschlichkeit vernichten um sich zu profilieren.


    So lange diese wandelnde Beleidigung hier sein Unwesen treibt, bin ich hier weg!
    Ciao

  • Zitat

    Original von Leseratte
    Liebe ist kein Geschäft - Liebe ist ein Geschenk vom Herzen, das den Beschenkten ebenso erfüllt wie den Schenkenden. Schmerz über Verlust ist lediglich ein Zeichen der "falschen Liebe", die nichts weiter als Besitztum ist.


    Wenn es um Liebe ginge - ok. Doch Doro ist zumindest dem Text nach nicht in Felix verliebt. Sie spielt mit ihm.


    "Ich hatte mir vorgenommen, noch viele erotische Abenteuer zu bestehen und dabei meine körperliche Attraktivität immer wieder unter Beweis zu stellen." (aus Teil 1)


    Und das setzt sie Felix gegenüber in Gang, bevor sie ihn das erste Mal sieht:


    "Zwischenzeitlich müssten die beiden Zivis auch angekommen sein. Meinen alten Zivi Bernd habe ich eingeweiht. Er soll mit einer Ausrede unten bleiben und den neuen Zivi Felix hinauf schicken um mich abzuholen." (aus Teil 1)


    Von Gefühlen oder einem Interesse an dem Menschen Felix ist da nicht die Rede, im Gegenteil:


    "Felix müsste doch mittlerweile gemerkt haben, dass ich es darauf anlege, meinen Körper zu präsentieren. Ist der wirklich so unschuldig und naiv? Oder spielt er das Spiel nur mit?" (Teil 2)


    Sie merkt zwar schließlich etwas:


    " Mit Felix ist das anders. Er ist irgendwie aufmerksamer, verbindlicher als Bernd. Aber er ist auch viel verletzlicher als Bernd. Warum war er rausgelaufen als Bernd an mir rumgespielt hat. Hat er wirklich etwas im Auge gehabt? War er traurig, weil er dachte ich würde mit ihm spielen, so wie ich mit Bernd gespielt habe? Womöglich hat er gedacht da wäre mehr? Das ist doch lächerlich. Von ein paar Minuten kann man doch nicht davon ausgehen, dass da schon mehr laufen kann. Oh Mann, Felix ist echt kompliziert.
     
    Wenn er gleich da ist, werde ich ihn darauf ansprechen. Ich will reinen Tisch haben. Er soll sich keine falschen Hoffnungen machen. Das bin ich ihm schuldig. Ich werde ihm sagen, dass es nur etwas Körperliches ist. Dass ich nicht bereit bin, mich an jemanden zu binden und zu verlieben." (Teil 3)


    Doch da ist es schon zu spät, vermute ich mal.


    Nico S.

  • Zitat

    Original von joda36
    Und ein ganz anderer Punkt ist noch: Wie weit darf man einem Menschen vorwerfen seine Sexualität auszuleben, wenn das Leben demnächst zu Ende geht oder gehen kann? Bei einer Krankheit ist es eine Sache, wie steht es mit gefährlichen Berufen? Ein Polizist könnte von dem nächsten Einsatz nicht mehr zurückkommen. Was ist mit Ärzten, die auf Isolationsstationen arbeiten? Und was ist mit mir? Ich könnte morgen unachtsam über die Straße gehen und vom Auto erfasst werden. Ab welchem Wahrscheinlichkeitsgrad eines Todes darf ich nicht mehr weiterleben?


    Das letztere ist eben die interessante Frage, und ich behaupte nicht, eine Antwort dafür zu haben. Ich würde allerdings - mit oder ohne tödliche Krankheit - dafür plädieren, von vornherein eine klare Ansage zu machen: Es ist die eine Sache, mit jemandem Spiele zu spielen, der das weiß und genauso sieht. Eine völlig andere ist es, einen offenbar recht unschuldigen und emotional unerfahrenen Jungen in eine Faszination hineinzulocken, die aus dem Spiel allzu rasch einseitigen Ernst werden lässt.


    Somit ist es gar nicht die Krankheit bzw. der erwartbare Tod, was mich an einer realen Doro stören würde. Sie könnte Felix ebenso gut bei bester Gesundheit dann wieder in die Wüste schicken, nachdem sie sich an seiner Schüchternheit genug geweidet hat. Genau genommen ist die Krankheit dabei sogar ein relativ nebensächliches dramaturgisches Vehikel.


    Nico S.

  • Leseratte  

    Zitat

    Schmerz über Verlust ist lediglich ein Zeichen der "falschen Liebe", die nichts weiter als Besitztum ist.


    Wenn es der Schmerz ist, dass ein anderer mich nicht mehr liebt, nicht mehr "zu mir gehört", dann stimme ich Dir zu. Aber was ist mit dem Schmerz, dass ich meine Liebe nicht mehr verschenken kann, dass ich mein Glück nicht mehr teilen kann? Dieser Schmerz kann doch nicht aus Besitztum heraus entstehen, weil ich etwas von mir geben möchte.


    Nico  
    Du kennst den Text ja schon besser als ich :D 8o :D


    Zitat

    Doch da ist es schon zu spät, vermute ich mal.


    Die Frage ist hier nur, für wen es schon zu spät ist :D


    Zitat

    ... dafür plädieren, von vornherein eine klare Ansage zu machen


    Wann ist dafür der richtige Zeitpunkt? Sie hat ihm keine Gefühle "vorgetäuscht". Wann trägt man die Verantwortung dafür, dass jemand anderes etwas hineininterpretiert? Ich kenne sicherilch auch keine Antworten auf die Fragen und je nachdem auf welcher Seite man sitzt werden die Antworten auch in die eine oder andere Richtung tendieren.

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  • Nico,
    Die Rede war nicht von ihrer Liebe zu ihm, sondern von dem von dir angesprochenen vermeintlichen Problem seiner Liebe zu ihr.
    Und genau da scheidet sich nämlich Liebe von Begehren.
    Liebt er diesen Menschen mit seiner tödlichen Krankheit, dann kann er an ihrem Tod auch nicht zerbrechen.
    Ich liebe noch viele Menschen, die längst nicht mehr leben... der Schmerz des Verlustes war lediglich selbstsüchtiger Natur, da dieser Mensch nicht mehr FÜR MICH da ist. Die Liebe selbst ist dadurch höchstens "reiner" geworden, da dieser Mensch mir ja nichts mehr geben kann....


    Ich vermute, dass dieses Thema viel zu sehr philosophischer Natur ist, als dass man es hier wirklich ernsthaft diskutieren könnte.... zu vordergründig ist das verbindende Element dieser Community....


    Liebe ist völlig unabhängig von dem, was "zurückkommt"... wie sonst könnten manche Eltern ihre Kinder lieben, die ihre Eltern wie Dreck behandeln, ausnehmen wie Weihnachtsgänse und später in eine Altershaftanstalt abschieben....



    Was das "Fair-Play" im erotischen Game angeht, stehe ich dem recht neutral gegenüber.
    Wäre für mich eine kurze Beziehung ebenso Leidenschaftlich und erfüllend, wenn sie von vornherein für diesen Zeitraum festgelegt gewesen wäre? Hat mir das Gefühl der Zeitlosigkeit nicht das intensivste Gefühl geschenkt? Habe ich mich nicht schon generell mit voller Absicht selbst betrogen, um genau diese Gefühle zu erfahren, wenn ich die Endlichkeit jeder Beziehung ausblende?


    Nein, ich will keine kalte Beziehung, sondern "unsterbliche Leidenschaft"..... jedes Mal aufs Neue.... so lange es auch halten mag....

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    Ciao

  • Eine neue Folge und einige verwirrende Wendungen.


    Da haben wir zunächst Cousine Conni. Klar, sie ist das klassische Biest und hat somit einen gewissen Unterhaltungswert. Doch irgendwie verpufft das ganze zu rasch. Felix ... der ja immerhin ein völlig Fremder in der Familie ist und von Conni nichts weiß ... kanzelt sie gleich beim ersten Gesprächswechsel ab, was selbst gegenüber einer offensichtlichen Giftdüse wie Conni doch etwas unwahrscheinlich wirkt. Und dann wird sie so schnell wieder aus der Geschichte entfernt, wie sie herein gekommen ist ... eigentlich schade für die ganze Mühe, die du dir in der Rückblende um den Aufbau der Figur gemacht hast.


    Als nächstes lernen wir Onkel Willi kennen. Ist das nun einfach ein Stück realistische Familienfeierstory? Welche Bedeutung hat dieser Austausch zwischen Nichte und Onkel? Dass Felix außen vor bleibt, wirkt zunächst absichtsvoll, doch das Gespräch auf der Hollywoodschaukel nimmt keineswegs auf ihn Bezug. So bleibt dieses Intermezzo unklar, zumal es noch weniger als die Conni-Episode auf die eigentliche Story einzahlt.


    Dann gehts ins Bett. Doch anstelle von Doro und Felix sind Doros Eltern am Werk, während Felix sich geradezu übermenschlicher Zurückhaltung befleißigt. Das ist soweit ok ... Sex mit Tochter, während die Eltern nur eine offenbar dünne Wand entfernt sind, ist nicht jedermanns Sache. Doch dass das Familiengetümmel dann schon fast Hertingsche Freizügigkeit annimmt, passt für mich irgendwie nicht so ganz zu dem bisherigen Duktus der Geschichte. Zumal auch bei der entblößten Mutter die dramaturigische Funktion unklar bleibt: Geht es nur darum, Felix eine enge Hose zu verschaffen? Oder würde Doro einen oder zwei Schritte weiter gehen?


    Zusammenfassend kommt mir der 5. Teil, vor allem im Vergleich zu seinen vier Vorgängern, recht unausgewogen vor. Du hast eine ganze Anzahl durchaus interessanter Einfälle hineingepackt, doch keiner kommt richtig zur Wirkung. Connis Abstrafung hätte ich mir gründlicher gewünscht als mit einem einzigen Satz. Der Onkel wäre für mich eine Gelegenheit gewesen, dass Doro sich und ihre Gefühle im Bezug auf Felix erklärt, von dem Onkel eventuell einen wichtigen Rat oder Kommentar bekommt. Und wenn schon der Sex der Eltern Felix nicht motiviert, bei Doro endlich aktiv zu werden, ist die entblößte Mutter am nächsten Morgen zwar für sich genommen eine interessante Vorstellung, doch eigentlich ein zu starker Nachschlag angesichts der fehlenden Fortsetzung dieses Handlungselements.


    Weniger ist mehr, würde ich zu diesem 5. Teil sagen. Ich vermute, dass du die Geschichte damit voranbringen wolltest, ohne es schon zum Finale zu bringen, aber die vielen losen Enden in diesem Teil verzerren einfach den bisherigen, glatten Verlauf.


    Nach diesen vielen ausführlichen Kritikpunkten aber eins zum Schluss: Insgesamt bleibt die Story eine meiner Lieblingsgeschichten, und ich freue mich auch schon auf die Fortsetzung! :]


    Nico S.

  • Oje, da liegt der Finger in der Wunde und verreibt die gesalzene (und durchaus berechtigte) Kritik. ;( Autsch!


    Ursprünglich sollten die Szene im Bett und am Sonntag früh im Bad noch in den vierten Teil. Doch wegen der Länge des vierten Teils habe ich die Szenen abgespalten. Es sollte die von der Mutter "geerbte" Freizügigkeit als Erklärung für Doros Verhalten enthalten. Aber dafür reichte der vierte Teil an sich schon aus.


    Conni und der Spaziergang waren ein Lückenfüller, um eine gewisse Länge für den fünften Teil zu erhalten. Dann hat sich diese Szene aber verselbständigt und an sich schon eine fast ausreichende Länge erhalten. Vielleicht wäre es klüger gewesen, diese Szene gründlicher auszubauen, als an Bett und Bad festzuhalten.


    Onkel Willi habe ich eingebaut, um das Leben im Rollstuhl nicht zu sehr aus den Augen zu verlieren. Dem erotischen Teil der Geschichte sollte dieser Abschnitt nicht zugeordnet sein, wenn auch die Idee mit der Offenbahrung der Gefühle zu Felix durchaus Charme hat. Onkel Willi hatte Doro zuvor noch nicht im Rollstuhl gesehen und weiß nicht, wie er darauf reagieren soll. Als Onkel/Patenonkel hat er eine besondere Beziehung zu Doro und umso mehr Schwierigkeiten mit den völlig geänderten Lebensumständen von Doro. Sein Herz ist traurig, wegen seiner Ohnmacht. Doro erkennt diese Trauer in seinem Verhalten und will ihm im Vier-Augen-Gespräch sagen, dass ihr Leben gar nicht so trostlos ist, wie es für einen Außenstehenden vielleicht erscheint. Auch wenn man im Rollstuhl sitzt, kann man am Leben Freude haben und aktiv dran teilhaben.


    Vielleicht wollte ich in diesem Teil wirklich zu viel. Ich werde die Kritik für den letzten Teil beherzigen.

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  • Leider komme ich erst heute dazu, den 5. Teil zu lesen. Grundsätzlich setzt sich das Vergnügen, das mir das Lesen der ersten Teile bereitet hat, fort. Die Kritik, die Nico an den Episoden mit Zicke Conni und dem Onkel übt, halte ich durchaus für berechtigt. Eigentlich könnte auf diese Episoden verzichtet werden, ohne dass das den Wert der Geschichte schmälert.
    Die Episode mit den Eltern, die nur durch eine dünne Wand getrennt Sex haben, mag manchen Leser verstören. Wer kann sich schon vorstellen, dass die eigenen Eltern so was tun? Eltern sind doch keine sexuellen Wesen! Oder etwa doch?
    Genau diese Frage ist es aber, die es prickeln lässt. Die Freuzügigkeit der Mutter liefert dann auch eine Erklärung, warum sich das Töchterchen so offen gibt und ihre Spielchen mit dem Zivi treibt.
    Für mich ist es immer noch eine der besten Geschichten auf dieser Seite.

  • HALLO Joda 36.
    Würde mich sehr über eine Fortsetzung ( Teil 6 ) freuen.


    Finde deine Geschichte sehr Anregend, da ich selber mit einer Behintern Frau zusammen bin.
    Lieben gruß aus München

  • Hallo Achim,
    hallo Nico,


    in der Tat lese ich gelegentlich noch mit und habe mich sehr über Eure Beiträge gefreut. Ich habe mir auch gleich den von mir damals angefangenen 6. Teil angeschaut und mit einer Überarbeitung angefangen. Noch bin ich mir nicht sicher, ob ich den abschließenden Teil so schreiben kann, dass er mir gefällt. So schnell wird's aber sicher nicht werden, da ich über Ostern arbeite und derzeit kaum freie Zeit finden werde...


    Insofern wünsche ich Euch schon mal ein schönes Osterfest.


    Grüße
    Joda

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