Katerstimmung nach dem verlorenen WM-Spiel.
Alle sind müde und schlecht gelaunt, und ich finde es wieder einmal erstaunlich, was für eine Wirkung ein simples Sportereignis haben kann, im Positiven wie im Negativen.
Selbst du bist bei unserem morgendlichen Fick noch heftiger als sonst und stößt so heftig in mich hinein, dass es weh tut. Es ist nicht die Art von Schmerz, die du mir sonst so gezielt und mit Bedacht zufügst, sondern er hat seinen Ursprung in etwas Rohem, Wilden, das mir bei dir nur ganz selten begegnet. Zum Glück ist auch dieser Wesenszug an dir inzwischen nichts Erschreckendes mehr für mich, weil er mir nicht zum ersten Mal begegnet und längst Einzug gehalten hat in die Schatzkammer meiner Erkenntnisse über dich, die mich mehr und mehr dazu befähigen, die zu sein, die du lieben kannst.
Ich versuche, so gut es geht, ganz und gar Fleisch zu werden, das Mädchen in mir zu ignorieren, dem so etwas immer noch manchmal ein wenig Angst macht, und ganz und gar mit meiner Rolle als permanent verfügbares Lustobjekt zu verschmelzen.
Du reagierst dich an mir ab und machst mich gleichzeitig glücklich damit, dir dienen zu dürfen.
Manchmal verstehe ich selbst nicht, warum das bei bei mir so ist, doch ich habe gelernt, es zu akzeptieren und zu genießen. Als du mich in die Kissen drückst und zum zweiten Mal an diesem Morgen in meinen Schließmuskel eindringst, schleicht sich langsam, aber beharrlich jene Art von Höhepunkt an mich heran, der keine Stimulation meiner Lustperle braucht. Er kommt aus der Welt meines Schmerzes, meiner vollkommen bedingungslosen Hingabe, meines unverbrüchlichen Wunsches, dich glücklich zu machen und überrollt mich, noch bevor ich um Erlaubnis fragen kann.
Jetzt sitze ich auf dem Balkon mit dem ersten Kaffee und der ersten Zigarette und höre Zoé dabei zu, wie auch sie ihre Frustration in den morgendlichen Himmel schreit. Ich sehe sie vor mir, wie sie Jean mit einer Inbrunst reitet, von der ich mich manchmal frage, ob sie ihn damit nicht überfordert. Aber wenn ich frage, ist immer alles in Ordnung und vielleicht ist es bei den beiden ja auch umgekehrt wie bei uns.
Ich schaue hinunter in den Hinterhof und sehe Alara nackt auf den Balkon treten. Auch sie schaut zu mir herauf, macht mit den Händen dieses Herzsymbol, und ich schicke es lächelnd zu ihr zurück. Sie wirkt sehr entspannt und bei sich und ich frage mich, ob sie und Luca eigentlich Fußball-Fans sind.
Du kommst aus der Dusche, so wie fast immer vollständig angezogen, und setzt dich zu mir an den Frühstückstisch. Ich verschwinde in der Küche,um dir einen Kaffee zuzubereiten, und du greifst nach einem der frisch aufgebackenen Brötchen.
Als ich wieder auf den Balkon trete, beißt du gerade so genüsslich hinein, dass das Knirschen im Hinterhof wiederhallt. Du kaust und nimmst den Kaffee entgegen, pustest auf die Oberfläche der Crema und nimmst einen behutsamen Schluck.
Wie sehr ich solche Momente liebe.
Du schluckst den Brötchenhappen herunter und raunst mir ein “Danke.” zu.
Mehr ist nicht nötig, um mir zu zeigen, dass du mein Geschenk an dich wahrgenommen hast und es zu schätzen weißt, und dieses kleine, schlichte Wort macht diesen so schwierigen Morgen schon wieder ein ganzes Stück schöner.
Zoé hat aufgehört zu stöhnen und ich gehe erneut in die Küche hinein, um die DeLonghi in Gang zu bringen. Als sie dann, nackt und verschwitzt, auf den Balkon tritt, sieht sie aus wie das sprichwörtliche gerupfte Huhn, und knurrt uns abstelle eines “Guten Morgen” ein gutturales “Scheisse!” entgegen. Sie greift nach dem Tabak und fängt an, sich eine Zigarette zu drehen.
“Warum wechselt der Undav ein, und nimmt gleichzeitig alle raus, die ihm Vorlagen geben können?”
Du schaust mich an und wir entscheiden wortlos gemeinsam, sie reden zu lassen.
Sie tobt noch drei, vier ähnliche Sätze weiter in unser gemeinschaftliches Schweigen hinein, dann wird sie sich bewusst, dass ihr Ärger gerade komplett ins Leere läuft.
Sie grinst und murrt: “Ihr seid gemein.”, und dann lachen wir alle drei beinahe gleichzeitig los.
“Schreib das auf.” sagst du, und ich gehe noch einmal hinein, um mein Tablet zu holen.