Manchmal frage ich mich, ob die Menschen wirklich Angst vor mir haben, oder ob sie einfach nicht wissen, wohin mit all dem, was ich inzwischen geworden bin.
Es ist, als würde ich, seit ich über 50 bin, für viele zu einer Art Spiegel, in dem man plötzlich Dinge sieht, die man vorher erfolgreich übersehen hat...
Macht, Einfluss, Authentizität.
Immer noch laut, aber nicht arrogant, sondern gewachsen... Erlebt!
Ich bin nicht mehr die Frau, der man sagt, wo ihr Platz ist, ich weiß wo er ist! Und ich habe es selbst entschieden. Vielleicht liegt genau darin die Irritation...
Wenn ich an die alten Geschichten denke, die, die uns seit Jahrtausenden erzählt werden, dann sehe ich sehr klar, dass es immer Rollen gab...
Die junge Frau, die begehrenswert sein soll, die Mutter, die sich aufopfert, die Alten, die schweigen...
Das war anthropologisch gesehen sehr bequem. Alle wussten, wofür man uns brauchte und wofür nicht.
Aber was passiert mit einer Frau, die aus diesen Rollen herauswächst und trotzdem bleibt?
Die, die sich nichts mehr beweisen muss und genau deshalb frei ist?
Ich glaube, das ist es, was vielen Angst macht.
Denn ich trage meine Schatten nicht mehr wie etwas, das man verstecken muss... Ich kenne sie! Ich hab sie durchlebt, überlebt und vielleicht hab ich sogar Frieden mit ihnen geschlossen.
Tja, genau das ist psychologisch das Gefährlichste... Wer seinen eigenen Schatten kennt, ist nicht mehr manipulierbar!
Eine Frau mit dieser Art innerem Licht kann sich drehen, wenden, lächeln und bleibt trotzdem sie selbst.
Dazu kommt... ich bin streitfähig geworden. Nicht im Sinne von Krieg, sondern im Sinne von Klarheit. Ich habe gelernt, nicht sofort in Alarm zu springen, wenn es irgendwo knirscht.
Mit den Jahren kommt eine Reife, eine innere Konfliktkompetenz, die nicht mehr von Angst gefressen wird.
Ich reagiere nicht mehr reflexhaft. Ich entscheide und wähle Worte bewusst.
Ich halte aus!
Und es scheint, das genau dieses „Ich halte aus und bleibe mir trotzdem treu“ für manche Menschen eine Art Provokation darstellt.
Vielleicht ist es am Ende aber sogar philosophischer, als ich denke... Denn wenn du die 50 überschreitest, merkst du, wie Freiheit sich wirklich anfühlt!
Nicht jenes sprunghafte „Ich darf alles machen“, das man in jüngeren Jahren mit Freiheit verwechselt. Sondern die leise, tief sitzende Freiheit des moralischen Mutes... des sich auflehnen gegen die Gesellschaftlich vorgegebene Moral... denn ich handle nach meinem inneren Kompass, auch wenn es anderen nicht gefällt!!
Und so entziehe ich mich den Erwartungen.
Und jede Frau, die sich den Erwartungen entzieht, gefährdet ein System, das auf genau diesen Erwartungen gebaut ist.
Also, ist es vielleicht gar keine Angst vor mir... vielleicht haben die Menschen auch nur Angst vor der Freiheit, die ich lebe und die ich ausstrahle...
Ela