Beiträge von Blombos

    Sie liebte Museen — zumindest behauptete sie das. Doch an diesem Nachmittag konnte sie sich auf kein einziges Bild konzentrieren. Langsam ging sie durch die stillen Säle, vorbei an schweren Gemälden und weißen Marmorstatuen. Der Klang ihrer Absätze hallte leise über den Steinboden. Unter ihrem karierten Rock trug sie wie immer keinen Slip, und genau dieser Gedanke verdrängte alles andere.

    Vor einem großen Ölgemälde blieb sie stehen. Neben ihr diskutierten zwei Besucher über Farben und Perspektive, doch sie hörte kaum hin. Ihr Herz schlug schneller, weil sich nur eine einzige Vorstellung immer wieder in ihren Kopf drängte: Den Rock kurz anheben. Nur einen Moment. Sie atmete ruhig weiter und tat so, als würde sie das Bild betrachten. Gleichzeitig glitten ihre Finger langsam über den Stoff ihres Rocks. In einem ruhigeren Seitensaal, fern von den meisten Besuchern, gab sie schließlich dem Impuls nach.

    Ganz langsam hob sie den Saum ein kleines Stück an. Die kühle Luft auf ihrer nackten Haut jagte ihr sofort einen Schauer über den Rücken. Für Außenstehende wirkte sie völlig ruhig — eine junge Frau, die konzentriert eine Statue betrachtete. Doch innerlich raste ihr Puls. Als Schritte näher kamen, ließ sie den Stoff sofort wieder fallen und verschränkte unschuldig die Hände vor sich.

    Niemand hatte etwas bemerkt. Und genau das machte den Reiz für sie so unwiderstehlich. Sie blieb noch einige Sekunden regungslos vor der Statue stehen, obwohl sie längst nichts mehr wahrnahm. Das Adrenalin rauschte angenehm warm durch ihren Körper. Gerade dieses Spiel zwischen Kontrolle und Risiko machte sie beinahe schwindelig.

    Langsam ging sie weiter in den nächsten Saal. Dort war es voller. Menschen standen dicht vor den Bildern, ein älterer Mann las konzentriert die Beschreibungstafeln, irgendwo flüsterte ein Paar miteinander. Mitten unter ihnen fühlte sich ihr Geheimnis plötzlich noch intensiver an. Sie setzte sich auf eine schmale Bank in der Mitte des Raumes und schlug elegant die Beine übereinander. Der Stoff ihres Rocks rutschte dabei ein wenig höher. Nicht genug, dass jemand etwas sehen konnte — aber genug, dass sie es spürte.

    Ihr Blick wanderte scheinbar interessiert durch den Saal, doch innerlich war sie vollkommen auf ihren eigenen Körper konzentriert. Wohliger Schauer zwischen ihren Beinen ließ ihren Körper beben. Jeder Schritt eines Besuchers, jede zufällige Bewegung in ihrer Nähe ließ ihren Puls erneut ansteigen. Ein Museumswärter ging langsam an ihr vorbei. Für einen winzigen Moment glaubte sie, sein Blick würde zu lange auf ihr ruhen. Vielleicht Einbildung. Vielleicht auch nicht.

    Sie senkte ruhig den Blick, als wäre sie ganz in Gedanken versunken. Doch tief in ihr wusste sie längst, dass sie heute nicht wegen der Kunst hier war. Sie stand von der Bank auf und ging mit langsamen Schritten weiter durch die Ausstellung. Mittlerweile fühlte sich jeder Blick in ihrer Nähe gefährlich an, selbst wenn vermutlich niemand ahnte, was unter ihrem Rock verborgen war.

    Im hinteren Teil des Museums wurde es ruhiger. Die Räume waren kleiner, das Licht gedämpfter. Zwischen hohen Skulpturen und dunklen Holzvertäfelungen blieb sie schließlich allein zurück. Ihr Puls beschleunigte sich sofort. Sie trat näher an eine breite Marmorsäule und blickte kurz über die Schulter. Niemand zu sehen. Nur entfernte Schritte irgendwo hinter den Türen.

    Langsam hob sie diesmal den Rock deutlich höher als zuvor — gerade lang genug, dass die kühle Luft ihre Schamlippen vollständig traf. Ihr Atem stockte kurz. Das Risiko machte sie beinahe benommen. Dann hörte sie plötzlich Stimmen näherkommen. Erschrocken ließ sie den Stoff fallen und trat hastig vor eine Statue, als würde sie deren Details studieren. Zwei Besucher betraten den Saal, unterhielten sich leise und gingen an ihr vorbei, ohne ihr besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

    Doch genau dieser Moment jagte ihr den stärksten Schauer des Tages über den Rücken. Sie merkte, wie sehr sie dieses Spiel inzwischen beherrschte: das unschuldige Gesicht, die ruhige Haltung, während es in ihrer Spalte brodelte. Als die Stimmen wieder verklungen waren, musste sie unwillkürlich lächeln. Nicht wegen der Kunst. Sondern wegen des gefährlichen Gefühls, jederzeit entdeckt werden zu können — und trotzdem vollkommen unauffällig zu wirken.

    Sie blieb noch einen Moment reglos stehen, bis die Schritte der Besucher verklungen waren. Dann ging sie weiter, tiefer in den hinteren Teil des Museums. Hier gab es nur wenige Menschen, und genau das machte ihre Gedanken immer wilder. Am Ende eines schmalen Ganges entdeckte sie einen kleinen Raum mit alten Fotografien. Fast leer. Nur das leise Summen der Beleuchtung war zu hören. Sie trat hinein und spürte sofort dieses vertraute Ziehen in ihrem Bauch das ihre Lustgrotte als Ursprung hatte.

    Vor einer Glasvitrine blieb sie stehen. Durch die Spiegelung konnte sie den Eingang hinter sich beobachten. Niemand kam. Langsam strich sie mit beiden Händen über ihre Hüften und hob den Rock diesmal deutlich höher als zuvor. Für einen kurzen Moment sah sie sich selbst verschwommen im Glas — elegant gekleidet, vollkommen ruhig wirkend, und gleichzeitig erfüllt von diesem verbotenen Nervenkitzel.

    Plötzlich knackte irgendwo eine Tür. Sie erschrak, ließ den Rock halb sinken, doch nicht schnell genug. Ein junger Mann trat in den Raum, blieb kurz stehen und sah in ihre Richtung. Nur ein Augenblick. Vielleicht hatte er nichts erkannt. Vielleicht doch. Ihr Herz raste jetzt so stark, dass sie meinte, man müsse es hören können.

    Trotzdem zwang sie sich, ruhig zu bleiben. Sie wandte sich langsam der Vitrine zu, als würde sie die Fotografien betrachten. Der Mann ging einige Schritte weiter durch den Raum, warf ihr jedoch noch einmal einen flüchtigen Blick zu. Dieses kleine Stück Unsicherheit traf sie stärker als alles zuvor. Nicht zu wissen, ob jemand etwas bemerkt hatte, machte die Situation fast unerträglich intensiv. Genau darin lag für sie der eigentliche Reiz: die Grenze zwischen vollkommen harmlos und gefährlich eindeutig — und wie leicht sie begann, diese Grenze immer weiter zu verschieben.

    Im letzten Saal der Ausstellung war es beinahe dunkel. Nur einzelne Spots beleuchteten die Skulpturen aus hellem Stein. Die meisten Besucher befanden sich längst im vorderen Bereich des Museums, und die gedämpfte Ruhe hier hinten fühlte sich fast unwirklich an. Sie blieb mitten im Raum stehen und lauschte. Keine Schritte. Keine Stimmen. Nur ihr eigener Atem.

    Das Kribbeln in ihrer Spalte hatte sich inzwischen zu einer fast unerträglichen Spannung aufgebaut. Der ganze Nachmittag hatte nur auf diesen Moment hingeführt. Langsam trat sie vor eine hohe schwarze Fensterfläche, in der sich ihr Körper schwach spiegelte. Dann fasste sie einen Entschluss.

    Mit langsamer Bewegung hob sie den Rock diesmal vollständig an. Kein hastiges Spiel mehr, kein kurzes Risiko — sondern für wenige Sekunden völlige Entblößung mitten zwischen Kunstwerken und kaltem Marmor. Ihr Herz hämmerte brutal gegen ihre Brust. Die Luft fühlte sich kühl auf ihrer Haut an, während gleichzeitig eine heiße Welle durch ihren ganzen Körper lief. Sie wusste genau, wie absurd dieser Moment war — elegant gekleidet in einem stillen Museum, und doch vollkommen beherrscht von diesem verbotenen Reiz.

    Sie ließ den Rock oben und hielt ihn mit der linken Hand, mit der rechten Hand griff sie nach ihrer Scham und schob sich Mittel- und Ringfinger tief in ihre Lustgrotte, fast hätte sie laut gestöhnt, augenblicklich kam es ihr und ihr Unterleib pulsierte rhythmisch. Sie zog die Finger wieder aus ihre Spalte und steckte sie sich in den Mund um zu realisieren, dass sie wirklich gekommen war. Plötzlich hörte sie Stimmen näherkommen. Sofort ließ sie den Stoff fallen, trat einen Schritt zur Seite und zwang sich zu ruhiger Haltung. Zwei Besucher betraten den Saal, unterhielten sich beiläufig und schenkten ihr kaum Beachtung. Doch sie stand noch immer unter Strom. In ihrem Kopf hallte nur ein Gedanke nach: Sie hatte es tatsächlich getan.




    Die fünf Männer standen zwischen schweren Samtvorhängen, Champagnergläsern und Zigarrenrauch. Ihre Dinnerjackets saßen makellos, ihre Gesichter wirkten geschniegelt vom Geld eines langen Lebens. Silberne Haare, schwere Uhren, dunkle Stimmen.

    In der Mitte des Raumes hing Clara, mit erhobenen Armen an zwei festen Ketten, die am kunstvoll verzierten Plafond befestigt waren. Nackt, reglos, den Blick gesenkt. Das Licht glitt über ihre Haut wie über eine Statue aus Elfenbein. „Eine außergewöhnliche Erscheinung“, murmelte einer der Männer und strich mit zwei Fingern über die Nippel von Clara, welche sofort Reaktion zeigten.

    Die anderen beobachteten sie schweigend. Nicht wie Menschen eine Frau betrachten — eher wie Sammler ein seltenes Kunstwerk. Die Musik eines Streichquartetts rauschte leise aus versteckten Lautsprechern, während draußen hinter den hohen Fenstern Regen gegen die Scheiben peitschte. Einer der älteren Herren trat näher. Sein Parfum roch nach Leder und Rauch. Er hob ihr Kinn mit zwei Fingern an, langsam, beinahe höflich und führte seinen Zeigefinger in Claras Mund. Clara schloss kurz die Augen, spürte die Blicke der Männer wie Hitze auf ihrer Haut.

    „Du weißt, warum du hier bist“, sagte er ruhig. Sie antwortete nicht. Ein anderer lachte leise. „Diese Stille macht den Abend erst interessant.“ Die Party hatte etwas Unwirkliches. Diener glitten lautlos durch den Raum, Silbertabletts spiegelten das Licht, und dennoch schien alles nur um die junge Frau im Zentrum zu kreisen. Wie Motten um eine Flamme.

    Clara atmete tief durch. Die Ketten klirrten leise über ihr, als sie sich bewegte. Für einen Moment begegnete ihr Blick dem eines der Männer — und dort lag etwas, das gefährlicher war als bloße Lust: Besitzanspruch. Jahrzehnte von Macht, Reichtum und Gewohnheit hatten aus diesen Männern Wesen gemacht, die glaubten, alles kaufen zu können, auch Menschen. Zwei Männer fasten Clara an Ihren Brüsten und ein Dritter schob ihr zwei seiner Finger in ihre Lustgrotte. Clara holte tief Luft, denn sie wusste dass diese Nacht noch lange dauern wird und sie hernach eine andere sein wird. Einer der Männer wird sie ersteigern und sie fortan benutzen wie und wann er will.





    Das Kloster lag wie aus der Zeit gefallen zwischen schwarzen Tannen und schroffen Felsen. Wenn im Herbst die Glocke zur Vigil schlug, schien selbst der Wind vor den Mauern zu verstummen. Schwester Magdalena war erst seit drei Monaten Novizin. Sie sprach wenig, arbeitete schweigend im Skriptorium und senkte den Blick, sobald der Abt den Kreuzgang betrat. Doch in jenem Jahr fiel die Wahl auf sie.

    Niemand erklärte die alte Tradition. Sie existierte einfach — älter als die jüngsten Mauern, älter vielleicht sogar als die Regeln des Ordens selbst. Ein einziger Tag im Jahr, verborgen vor der Welt, getragen von Schweigen, Schuld und Opferbereitschaft. Als die älteren Schwestern sie für das Ritual vorbereiteten, zitterten ihre Hände nicht vor Angst, sondern vor der Schwere dessen, was sie erfüllen musste. Der Weihrauch hing schwer in der Luft, während draußen die Glocken langsam den Abend einläuteten.

    Die Glocke verklang langsam zwischen den steinernen Gewölben des Klosters. Danach blieb nur noch das Knacken der Kerzen und das ferne Heulen des Windes, der durch die engen Bergtäler zog. Magdalena stand allein im Vorraum des Kreuzgangs. Das grobe Wollgewand der Novizinnen lag längst gefaltet auf einer Bank aus dunkler Eiche. Die kalte Luft strich über ihre nackte Haut und ließ sie unwillkürlich erschauern. Doch sie machte keine Anstalten, sich zu bedecken.

    Schwester Agnes hatte ihr vor wenigen Minuten schweigend die Haare geöffnet. Nun fielen sie lose über ihre Schultern — ein Zustand, der im Orden sonst niemals erlaubt war. „Heute“, hatte die alte Schwester gesagt, „gehörst du nicht dir selbst.“ Diese Worte hallten noch immer in ihr nach. Der Kreuzgang vor ihr lag im Halbdunkel. Hinter den Arkaden bewegten sich Schatten. Männer, die den größten Teil ihres Lebens im Schweigen, im Gebet und im Verzicht verbracht hatten. Männer, deren Blicke sie sonst niemals direkt trafen.

    Heute jedoch spürte sie ihre Augen auf sich ruhen. Schwer. Prüfend. Hungernd. Der erste Mönch trat aus der Dunkelheit, langsam, beinahe ehrfürchtig. Er war älter, grauhaarig, mit schmalem Gesicht und rauen Händen, die nach Weihrauch und kaltem Stein rochen. Einen Moment lang blieb er vor ihr stehen, als müsse er sich vergewissern, dass sie wirklich dort war.

    Magdalena senkte den Blick nicht. Ihr Herz schlug schnell, doch unter der Nervosität lag etwas anderes — eine fiebrige Spannung, die sie sich selbst kaum eingestehen wollte. Seit Wochen hatte das Kloster von diesem Tag gesprochen, ohne ihn jemals offen zu benennen. Türen waren geschlossen worden, Gespräche verstummt, Blicke länger geworden.

    Der Mönch hob langsam die Hand und strich mit den Fingern über ihr Haar und ihre Brüste. Keine Hast lag in seiner Bewegung. Eher die vorsichtige Berührung eines Mannes, der sich selbst nicht mehr traute. Magdalena spürte seinen Atem nah an ihrer Haut. Die Wärme seines Körpers. Die Anspannung unter seiner kontrollierten Ruhe.

    Hinter ihm bewegten sich weitere Gestalten im flackernden Licht der Kerzen. Das Rascheln schwerer Kutten mischte sich mit dem dumpfen Echo von Schritten auf Stein. Niemand sprach ein Wort. Gerade dieses Schweigen machte alles intensiver. Jede Bewegung bekam Gewicht. Jeder Blick fühlte sich an wie eine Berührung.

    Die Reihen der Arkaden wirkten endlos im flackernden Licht der Öllampen. Zwischen den Säulen standen schweigende Gestalten in dunklen Kutten, reglos wie Figuren aus altem Stein. Doch Magdalena spürte die Spannung unter ihrer beherrschten Ruhe. Der ältere Mönch trat langsam zur Seite, als würde er etwas weitergeben, das ihm nie wirklich gehört hatte. Ein jüngerer Bruder näherte sich nun vorsichtiger. Sein Gesicht war schmal, beinahe asketisch, doch seine Hände verrieten Nervosität.

    Für einen Moment zögerte er vor ihr. Magdalena bemerkte, wie sein Blick über ihren Körper glitt und sofort wieder auswich — als kämpfe er gegen Jahre der Disziplin an. Gerade diese Unsicherheit berührte sie unerwartet tief. Das Kloster hatte diese Männer gelehrt, jede Regung zu verbergen. Heute jedoch lag alles offen unter dem Schein der Kerzen.

    Der junge Mönch hob langsam die Hand und berührte ihren Innenschenkel, erst kaum merklich, dann fester, als müsse er sich davon überzeugen, dass ihre Haut wirklich warm war. Ein leiser Atemzug entwich ihm. Magdalena stand still und spürte gleichzeitig die Kälte des Kreuzgangs und die Wärme der Körper um sie herum. Hinter den Bögen bewegten sich weitere Brüder, wartend, beobachtend, gefangen zwischen Frömmigkeit und Verlangen.

    Der Duft von Weihrauch hing schwer in der Luft, vermischt mit Wachs, feuchtem Stein und menschlicher Nähe. Als der junge Mönch schließlich nähertrat, konnte sie sein Herz durch den Stoff seiner Kutte schlagen hören. Schnell. Fast hektisch. Seine Finger berührten ihre Scham und glitten tief in sie .

    Niemand sprach. Das Ritual brauchte keine Worte. Die Glocke schlug erneut in der Ferne — dumpf, langsam, wie ein Herzschlag des alten Klosters selbst. Und während der Klang durch die Gewölbe wanderte, begriff Magdalena, dass die Nacht noch lang werden würde. Später führte man Magdalena tiefer in das Kloster hinein. Weg vom offenen Kreuzgang, hinein in die älteren Teile der Abtei, dorthin, wo die Mauern dicker wurden und die Luft nach Staub, Talg und uralten Büchern roch.

    Die wenigen Kerzen entlang des Ganges ließen das Licht zittern, sodass die Schatten der Mönche über die Wände krochen wie lebendige Wesen. Magdalena ging langsam zwischen ihnen hindurch. Nackt, schweigend, die Haut noch kühl vom Steinboden. Dennoch spürte sie inzwischen kaum noch Scham. Der Blick der Brüder hatte etwas verändert. Sie war nicht länger nur Novizin. Für diese eine Nacht war sie Mittelpunkt eines Rituals, das älter wirkte als jeder einzelne Mann hier.

    Manche der Mönche wagten kaum, sie anzusehen. Andere beobachteten sie offen, mit einer Intensität, die ihre Knie weich werden ließ. Im Scriptorium blieb der Zug schließlich stehen. Hohe Regale voller vergilbter Handschriften ragten bis zur Decke empor. Zwischen ihnen flackerte warmes Kerzenlicht. Der Abt wartete bereits dort.

    Seine Hände ruhten auf dem dunklen Holz eines schweren Tisches, während er Magdalena schweigend musterte. In seinem Gesicht lag keine rohe Gier, sondern etwas Gefährlicheres — vollkommene Kontrolle. „Du trägst die Bürde ruhig, leg dich nun auf den Tisch“, sagte er schließlich mit tiefer Stimme.

    Magdalena antwortete nicht sofort. Ihr Atem ging flacher als zuvor. Die Nähe all dieser Männer, die angespannte Stille, die unterdrückte Sehnsucht im Raum — all das hatte sich wie eine unsichtbare Last auf ihre Haut gelegt. Der Abt trat näher. Langsam genug, dass sie jede Bewegung wahrnahm. Seine Hände glitten über ihren liegenden Körper. Er öffnete ihre Beine, welche in Richtung Mönche lagen und vergewisserte sich, dass alle Mönche ihr Innerstes sahen.

    „Heute Nacht“, sagte er leise, „gibt es kein Verstecken mehr.“ Hinter ihr bewegten sich die Mönche kaum hörbar und alle Kutten glitten zu Boden. Die Atemzüge wurden schwerer und das flackernde Licht ließ Goldreflexe über nackte Haut spielen. Magdalena spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Nicht nur aus Unsicherheit. Sondern weil die Atmosphäre selbst berauschend geworden war — dieses Gemisch aus Verbot, Hingabe und Nähe.

    Draußen begann irgendwo tief in den Bergen ein Gewitter zu grollen. Der Donner vibrierte durch das Gemäuer des alten Klosters, während im Scriptorium niemand den Blick von ihr abwandte. Das Gewitter kam näher. Regen peitschte gegen die hohen Bleiglasfenster des Scriptoriums, und jedes Aufflammen des Blitzes ließ die Reihen alter Bücher für den Bruchteil einer Sekunde gespenstisch aufleuchten.


    Magdalena lag auf dem schweren Eichentisch des Abtes und ihre Beine waren offen. Die Luft im Raum war warm geworden — erfüllt vom Atem vieler Männer, vom Geruch der Körper und flackernder Kerzen. Niemand wagte es, die Spannung zu brechen. Der Abt gab mit seiner Hand das Zeichen. Seine Ruhe wirkte beinahe einschüchternder als jedes offene Verlangen. Vor ihm standen die Mönche schweigend zwischen den Regalen verteilt, manche mit gesenktem Blick, andere unfähig, die Augen von Magdalena abzuwenden.

    Ein weiterer Donnerschlag rollte über das Kloster hinweg. Magdalena bemerkte plötzlich jedes Detail ihres eigenen Körpers: die kühle Luft auf ihrer Haut, den schnellen Puls in ihrem Hals, die Wärme der Kerzenflammen auf ihren Schultern. Sie fühlte sich verletzlich — und gleichzeitig seltsam mächtig. Der junge Mönch aus dem Kreuzgang trat langsam näher, als folge er einem unausgesprochenen Befehl. Seine Hände zitterten leicht, bevor er innehielt. Für einen Augenblick sah er eher wie ein Mann aus, der betete, doch dann schob er seine Rute in Magdalena ein.

    „Vergebung“, murmelte er kaum hörbar. Der Abt antwortete ruhig: „Heute verlangt niemand Vergebung.“ Diese Worte legten sich schwer über den Raum. Magdalena spürte, wie die Blicke der Brüder sich veränderten — weniger verborgen, weniger kontrolliert. Das Schweigen selbst wurde dichter, fast körperlich.

    Einer der älteren Mönche trat an ein Fenster und schloss langsam die hölzernen Läden gegen den Sturm. Mit dem dumpfen Schlag der Verriegelung wirkte das Scriptorium plötzlich vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten. Nur das flackernde Kerzenlicht blieb. Nur das Atmen. Nur diese eine seltsame Nacht, in der das Kloster seine unterdrückten Sehnsüchte wie ein verborgenes Geheimnis aus den Mauern atmen ließ.

    Dann traten die Mönche, einer nach dem anderen, an den schweren Tisch und stießen ihre Ruten in Magdalena bis die Gottessaat aus ihr hervorquoll. Die Stunden schienen ihren gewöhnlichen Ablauf verloren zu haben. Im abgeschlossenen Scriptorium existierten nur noch Kerzenlicht, Donner und das Schweigen der Männer.

    Als alle Mönche sich erleichtert hatten, stand Magdalena auf und bewegte sich langsam zwischen den Tischen und Regalen hindurch. Wo sie vorbeiging, teilten sich die Mönche beinahe ehrfürchtig vor ihr. Manche wagten kurze Berührungen — Fingerspitzen an ihrem Arm, eine zögernde Hand an ihrer Schulter, das kaum merkliche Streifen warmer Haut. Nichts daran wirkte hastig. Gerade diese Zurückhaltung machte jede Geste intensiver..

    Der junge Mönch folgte ihr mit etwas Abstand. Sein Gesicht war gerötet, seine Augen ruhelos. Als Magdalena schließlich vor einem schmalen Fenster stehen blieb, trat er neben sie. Draußen zerriss ein Blitz den Himmel über den Bergen. „Hattest du Angst?“, fragte er leise. Magdalena dachte einen Moment nach. „Ich weiß es nicht mehr“, antwortete sie ehrlich. Das Geständnis hing zwischen ihnen, begleitet vom dumpfen Rollen des Gewitters.

    Hinter ihnen saßen einige der älteren Brüder schweigend an den langen Schreibpulten, als wollten sie durch wiedererlangen der Disziplin die Ordnung des Klosters bewahren. Doch ihre Blicke verrieten etwas anderes, Erschöpfung. Vielleicht sogar Scham darüber, wie sehr diese eine Nacht sie veränderte. Der Abt beobachtete alles aus der Distanz. Reglos. Kontrolliert. Wie ein Mann, der ein uraltes Ritual zu Ende führen musste.

    Magdalena spürte plötzlich die Schwere dieser Erkenntnis. Dieses Kloster war nicht heilig, weil es frei von Begierde war. Sondern weil seine Bewohner jeden einzelnen Tag gegen sie kämpften. Und genau deshalb wirkte diese Nacht so gefährlich. Wieder zuckte ein Blitz über den Himmel. Für einen Augenblick wurde das ganze Scriptorium in kaltes weißes Licht getaucht: die schwarzen Kutten, die alten Bücher, die nackte Gestalt der Novizin zwischen den Männern des Ordens. Danach blieb nur Dunkelheit — und das flackernde Licht der Kerzen, das erneut über Stein und Haut wanderte