Du meinst das Kentler-Experiment (auch Kentler-Projekt genannt).
Es wurde vom Sozialpädagogen und Sexualwissenschaftler Helmut Kentler Ende der 1960er Jahre in West-Berlin initiiert. Die Grundidee war, dass schwer erziehbare oder obdachlose Jungen bei pädophilen Pflegevätern untergebracht würden. Kentler vertrat die heute als vollkommen unhaltbar geltende Auffassung, pädophile Männer könnten diesen Kindern besonders viel Zuwendung geben und ihnen Stabilität vermitteln.
Tatsächlich führte das dazu, dass Berliner Jugendämter über Jahrzehnte Kinder und Jugendliche an Männer vermittelten, die teilweise bereits wegen Sexualdelikten bekannt oder vorbestraft waren. Spätere Untersuchungen kamen zu dem Schluss, dass die Kinder systematisch sexualisierter Gewalt ausgesetzt wurden und staatliche Stellen dies ermöglichten oder nicht verhinderten. Neuere Forschung spricht deshalb von institutionalisiertem Missbrauch und einem Netzwerk, das weit über Kentler hinausreichte.
Wichtige Punkte:
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Beginn: Ende der 1960er Jahre in West-Berlin.
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Initiator: Helmut Kentler.
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Betroffen waren zunächst vor allem Jungen aus Heimen oder schwierigen sozialen Verhältnissen, später nachweislich auch jüngere Kinder.
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Das Projekt bzw. entsprechende Vermittlungen liefen nach heutigem Forschungsstand teilweise bis in die 2000er Jahre.
Das Kentler-Experiment wird heute als eines der schwersten Versagen der deutschen Jugendhilfe in der Nachkriegszeit angesehen und ist Gegenstand umfangreicher wissenschaftlicher und juristischer Aufarbeitung.
kommen die theorien ernest bornemann´s aus derselben ecke und war das nicht fast schon stadard in den 70ern
Kurz gesagt: teilweise ja, aber mit wichtigen Unterschieden.
Borneman und Kentler bewegten sich in einem ähnlichen sexualwissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Milieu der 1960er bis 1980er Jahre. Beide gingen davon aus, dass kindliche Sexualität real sei und kritisierten eine ihrer Ansicht nach repressiv geprägte Sexualmoral. Beide vertraten zudem die Auffassung, dass sexuelle Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern nicht zwangsläufig schädlich seien – eine Position, die heute als wissenschaftlich widerlegt und ethisch unhaltbar gilt.
Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied:
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Helmut Kentler setzte seine Überzeugungen praktisch um, indem er aktiv daran beteiligt war, Jungen bei pädophilen Pflegevätern unterzubringen.
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Ernest Borneman war in erster Linie Autor und Sexualwissenschaftler. Er propagierte solche Pflegearrangements nicht, äußerte aber öffentlich Thesen, wonach einvernehmliche sexuelle Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern nicht notwendigerweise schädlich seien. Auf diese Aussagen beriefen sich später auch Pädophilenorganisationen.
War das in den 1970ern fast Standard?
Nein, Standard war es nicht. Aber innerhalb bestimmter akademischer und politischer Milieus waren solche Positionen deutlich verbreiteter und wurden offener diskutiert als heute.
In den 1970er Jahren kamen mehrere Entwicklungen zusammen:
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die sexuelle Revolution,
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Kritik an traditionellen Familien- und Moralvorstellungen,
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ein starkes Misstrauen gegenüber staatlicher Regulierung von Sexualität,
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und teilweise die Annahme, viele sexuelle Normen seien bloß gesellschaftliche Konstrukte.
In diesem Umfeld entstanden in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien Debatten, in denen einzelne Intellektuelle und Aktivisten sogar eine Senkung oder Abschaffung von Schutzaltersgrenzen forderten. Kentler und Borneman gehörten zu den bekanntesten deutschen Vertretern solcher Positionen.
Gleichzeitig ist wichtig zu differenzieren:
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Diese Auffassungen waren nie Konsens in Medizin, Psychologie oder Pädagogik.
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Es gab bereits damals deutliche Kritik – von Juristen, Psychologen, Feministinnen und Kinderschützern.
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Ab den 1980er Jahren setzte sich zunehmend die Forschung durch, die die erheblichen Folgen sexuellen Missbrauchs für Kinder dokumentierte. Dadurch verloren diese Positionen wissenschaftlich und gesellschaftlich an Rückhalt.
Das Bild, dass dies in den 1970ern "alle so gesehen hätten", wäre daher unzutreffend. Es handelte sich um ein einflussreiches, aber begrenztes intellektuelles Milieu, dessen Ideen in bestimmten Kreisen – etwa Teilen der Sexualwissenschaft, der außerparlamentarischen Linken und einigen politischen Gruppen – zeitweise erheblichen Einfluss hatten, ohne den allgemeinen wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Konsens darzustellen.