Alles anzeigenHeute mal wieder etwas, was mit dem Thema vom Forum nichts zu tun hat, mich aber sehr nachdenklich macht.
Und ja, man muss den Text auch wirklich bis zum Ende aufmerksam lesen, denn sonst versteht man nicht, was ich damit sagen möchte 🤷.
Es geht um Frauenrechte und die Freiheit so leben zu dürfen, wie man es möchte, wie ich es als freie Frau möchte!!
Und ganz wichtig... nein, ich möchte keine politische Debatte auslösen!!
Nun, ich bin das Kind von Einwanderern. Meine Eltern, wie auch ich, stammen aus einem kleinen Dorf im Hinterland von Algerien. Ich bin dort geboren und mit ihnen als kleines Kind erst nach Frankreich und dann nach Deutschland gekommen. Mein ältester Bruder ist in Frankreich geboren und meine restlichen Geschwister hier in Deutschland. Aufgewachsen sind wir im tiefsten Ruhrgebiet, zwischen deutschen und ein paar türkisch stämmigen Kindern.
Als kleines Kind entdeckte ich, das ich in drei Sprachen denken kann. Auf Deutsch, Französisch und Arabisch. Das klingt nach Begabung, ist es aber nicht. Das entsteht einfach, wenn das Zuhause "innen" zweisprachig (arabisch und französisch) und "außen" einsprachig (deutsch) ist. Man gewöhnt sich daran anders zu sein und irgendwann, ist anders das Normalste, was man hat...🤷
Die Einwanderer meiner Elterngeneration brachten Dinge mit, wie Pizza, Ćevapčići, Döner, Couscous und Knoblauchgeruch.
Meine Eltern haben Steuern gezahlt, gearbeitet, Eigentum erworben, uns frei aufgezogen... frei von rückständigen gesellschaftlichen Ansichten und Zwängen, die in abgelegenen algerischen Dörfern heute noch existieren.
Sie haben sich integriert. Ich mag dieses Wort eigentlich nicht so gerne... Denn Integriert, hört sich an, als käme man kaputt an und ließe sich reparieren... sagen wir es mal so...
Sie sind gekommen und geblieben... Und beides hatte seine Würde...
Warum erzähle ich das?
Ganz einfach, weil mir die Entwicklung in meinem Heimatland Deutschland ernsthaft Sorgen macht. Und ich sage bewusst "Heimatland Deutschland", weil hier meine Heimat ist und nicht irgendwo, wo meine Wurzeln liegen.
Zudem sehe ich da eine Entwicklung, die doch mit dem westlichen Freiheitsgedanken kollidiert...🤷
🤔 Wo fange ich an...
Ich halte mal kurz fest... Deutschland, eine Demokratie!! Artikel 5 Grundgesetz. Meinungsfreiheit, amtlich verbrieft und seit 1949 in Kraft.
Und heute bedanken sich Menschen dafür, das jemand seine Meinung sagt...😳 Nicht in Weißrussland, nicht in Nordkorea, nein hier in Deutschland... Das macht mich echt fassungslos...
Ich bin Generation X. Wir wissen noch, das Freiheit nicht selbstverständlich ist. Die DDR war für uns kein "Schulbuch Thema", sondern das Land direkt nebenan, das seine Bürger einsperrte. In dem die Stasi Akten über Nachbarn angelegt und sich Familienmitglieder gegenseitig bespitzelten. In dem Schweigen eine Überlebensstrategie war... das war leider der Alltag von Millionen Menschen 😔.
Eine Demokratie ist nicht deshalb eine Demokratie, weil alle dieselbe Meinung haben... nein, sie ist es, weil sie verschiedene Meinungen aushält. Auch unbequeme, auch falsche, auch solche, die einem den Atem verschlagen. Die Demokratie beweist ihre Stärke nicht darin, Konsens zu erzwingen, sondern darin, Widersprüche zu ertragen.
Eine Demokratie, die nur angenehme oder eigene Meinungen zulässt, ist keine!!
Gefährlich wird es, wenn man seine Meinung nicht mehr aussprechen darf. Die verschwindet nämlich nicht. Sie geht in den Untergrund. Und was im Untergrund wächst... wächst wild und ohne Korrekturmöglichkeiten...🤷
Ich habe meine ganz eigene Meinung dazu, was passiert, wenn eine geschlossene Gesellschaft in eine offene einwandert.
Ich sehe viele Frauen auf den Straßen, verhüllt mit Kopftüchern. Eingewickelt in ein Symbol, das seit Jahrhunderten dasselbe bedeutet...
Der Körper der Frau ist eine Bedrohung.
Ihre Sichtbarkeit eine Sünde.
Das Kopftuch ist kein Modestück. Es ist eine Haltung, die in Stoff übersetzt wird.
Wer das anders sehen will, erkläre mir bitte, warum dasselbe Symbol zum Beispiel im Iran zur Staatsgewalt gehört und dort niemand von freier Entscheidung spricht. Und warum Frauen im Iran genau gegen dieses Symbol unter Einsatz ihres Lebens seit Jahrzehnten kämpfen.
Die Vollverschleierung ist dann die letzte Konsequenz. Die Frau als Individuum verschwindet aus der Öffentlichkeit.
Junge muslimische Männer verkünden öffentlich und unverblümt, der Westen sei verloren, die Demokratie sei schwach und verachtenswert, und der Islam die einzige Lösung...🤦
Doch diese Verachtung ist kein Frust, sie ist Programm und sie hat Strukturen... die dokumentiert sind!!
Darf ich das so sagen??
Ja, ich darf das!!
Ich weiß, im Gegensatz zu den meisten hier, was es bedeutet wenn diese Kulturen aufeinander treffen und man zwischen die Fronten gerät...😔
Ich kann es gar nicht oft genug sagen... Kein Mensch darf im Namen irgendeines Gottes über andere urteilen... Punkt.
Die Frau ist ein Individuum, und das Individuum steht vor dem Kollektiv. Europa hat Jahrhunderte gebraucht, um diese Erkenntnisse zu verinnerlichen. Das war kein Spaziergang. Das waren Kriege, Inquisitionen, Revolutionen, Weltbrände. Bezahlt zu einem Preis, der heute kaum vorstellbar ist.
Wir können gut in unserer Gesellschaft beobachten, wie weit der Reflex der falschen Toleranz in Deutschland reicht. Denn es besteht die Bereitschaft, ein rückständiges Frauenbild zu dulden, zu relativieren, zu erklären, es sogar zu akzeptieren... solange es nur kulturell genug verpackt ist. Als wäre Unterdrückung weniger Unterdrückung, wenn diese ein religiöses Kostüm trägt...🤦
Die Aufklärung war kein Geschenk. Sie wurde erkämpft gegen Kirchen, Könige, Traditionen, die sich für unumstößlich hielten. Herausgekommen ist die Überzeugung, das jeder Mensch, jede Frau, jedes Kind ein Recht auf sein eigenes Leben hat!! Auf seine eigene Stimme und auf sein eigenes Gesicht im öffentlichen Raum. Das sind unsere westlichen Werte. Nicht weil wir sie erfunden haben, sondern weil wir für sie gekämpft haben.
Wer diese Werte heute klein macht, aus Angst, als intolerant zu gelten, begeht einen Verrat. Nicht an einem abstrakten Abendland, sondern an den konkreten Frauen, die von diesen Werten profitieren. An den Mädchen, die zur Schule gehen dürfen. An den Töchtern, die ihr Leben frei wählen dürfen. An allen, die in Ländern leben, in denen das keine Selbstverständlichkeit ist und die darum hierher gekommen sind.
Und genau deshalb sind meine Eltern Anfang der Siebziger nach Deutschland gekommen. Mit der Aussicht auf ein besseres, freieres Leben. Damit haben sie mir etwas ermöglicht, das kein Erbe der Welt aufwiegt... die Freiheit selbst zu entscheiden...🤗
Und das tiefe Bewusstsein, das Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist.
Ich bin kein schlechter Mensch, nur weil ich ein rückständiges Frauenbild ablehne. Ich bin kein Rassist, wenn ich verlange, das die Würde der Frau nicht verhandelbar ist, weder für Einheimische noch für Zugezogene. Ich muss mich nicht schämen für meine Identität, die auf Freiheit, Vernunft und Gleichberechtigung beruht.
Im Gegenteil.
Wer sich dafür schämt, hat nicht verstanden, wie wertvoll und fragil unsere Freiheit ist...
Ela
PS. Denkt bitte daran, keine politische Debatte!
Liebe Ela,
an diesem Statement ist nichts rütteln. Es trifft die ganze Sache im Kern.
BRAVO 👍
Es lebe die Freiheit