Beiträge von baer66

    Dem neuen Werk des Literaturwissenschafters Wolfgang Matz widmet die FAZ heute eine ganzseitige Rezension.


    Liebe und Betrug sind die ewigen Themen der Literatur, von Tristan und
    Isolde bis Don Giovanni - mitten im 19. Jahrhundert taucht aber
    plötzlich im Gesellschaftsroman eine neue Variante der alten Geschichte
    auf: der Ehebruch in der bürgerlichen Familie. Emma Bovary, Anna
    Karenina und Effi Briest - das sind die drei berühmten Frauen, die das
    Verbotene tun und um eines anderen Mannes willen ihre ganze Existenz
    riskieren: Emma, die radikale Spielerin, Anna, die leidenschaftlich
    Liebende, und die viel zu junge, naive Effi, die der flüchtigen
    Gelegenheit nicht widersteht.

    (Klappentext)


    ... die Arbeit des Münchner Literaturhistorikers, der anhand der Werke von
    Flaubert, Tolstoi und Fontane die eindrucksvollen Konstruktionen der
    Ehebruch-Romane untersucht und dabei insbesondere Charakteristik, Stand
    und Alter, Intelligenz und Gewissen, Temperament und Fantasiebegabung
    der Ehemänner, Ehebrecherinnen und Geliebten genau betrachtet.
     
    (FAZ, 1.3.2014)


    Das Erstaunliche an dieser Literaturgattung ist für mich aber die Kunst, sprachliche Anspielungen so weit zu treiben, daß der kundige Leser versteht, die Zensur aber nicht zuschlagen kann!


    Ein berühmtes Beispiel aus Flauberts Madame Bovary (selbst in der Übersetzung nachvollziehbar)*:

    Er fand Emma am Fenster stehend, die Stirn an die Scheiben gedrückt.
    Sie schaute in den Garten hinaus, wo der Wind die Bohnenstangen
    umgeworfen hatte. Sich umwendend, fragte sie:
    »Suchen Sie etwas?«
    »Meinen Reitstock, wenn Sie gestatten!«
    Er fing an zu suchen, hinter den Türen und unter den Stühlen.
    Der Stock war auf den Fußboden gefallen, gerade zwischen die Säcke und
    die Wand. Emma entdeckte ihn. Als sie sich über die Säcke beugte, wollte
    Karl ihr galant zuvorkommen. Wie er seinen Arm in der nämlichen Absicht
    wie sie ausstreckte, berührte seine Brust den gebückten Rücken des
    jungen Mädchens. Sie fühlten es beide. Emma fuhr rasch in die Höhe. Ganz
    rot geworden, sah sie ihn über die Schulter weg an, indem sie ihm
    seinen Reitstock reichte.


    Ein heutiger Autor könnte daraus eine BDSM-Szene machen.
    Aber ist es so nicht viel schöner?


    baer


    *
    «Was suchen sie?», fragt sie ihn. «La cravache», meint er. Die
    Reitpeitsche. Im französischen Wort versteckt sich die Kuh («la vache»).
    Charles sucht die Peitsche und streckt sich über die gebückte
    Frau vor, als würde ein Stier die Kuh begatten, da holt sie, mit rotem
    Kopf, das Gesuchte hervor, reicht es über die Schulter. Es ist, und
    dieses Wort muss unbedingt wie bei Edl am Ende des Abschnitts stehen:
    Ein Ochsenziemer.

    http://www.srf.ch/kultur/literatur/die-kunst-des-ehebruchs

    Wie man vom Objekt zum Subjekt der Begierde wird: In seinem Film „Jung
    & Schön“ lässt François Ozon ein Mädchen auf die harte Tour
    erwachsen werden.



    Ein Mädchen am Strand. Mittagslicht. Ein Junge
    beobachtet sie aus den Dünen mit dem Fernglas. Das Mädchen zieht sein
    Bikini-Oberteil aus und schließt die Augen. Der Junge nähert sich. Der
    Schatten seiner Hand wandert über ihr Badetuch, ihren Bauch, ihre nackte
    Brust, ihr Gesicht. Da richtet sie sich auf: „Was tust du?“


    Er tut, was alle tun in François Ozons „Jung &
    Schön“. Der kleine Bruder - er hält das Fernglas -, der Ferienfreund,
    die Mutter, der Stiefvater, die Mitschüler und später sehr viele ältere
    Männer: Sie alle betrachten Isabelle (Marine Vacth), die in diesem
    Sommer siebzehn wird. Aber jeder von ihnen zieht aus dem, was er sieht,
    eine andere Konsequenz. Die einen sind neugierig. Die anderen machen
    sich Sorgen. Die Dritten bezahlen ein paar hundert Euro, damit Isabelle
    in Pariser Hotelzimmern mit ihnen schläft.


    Eine sehr poetische Schilderung des Phänomens um das es in diesem Thread geht.Es beginnt zunächst mit Neugierde, dann mit Sorgen und Beschützenwollen, zuletzt mit Besitzgier.


    In Paris, im folgenden Herbst, arbeitet Isabelle als Callgirl. Sie
    nennt sich Léa, sie hat eine eigene Website, und sie lernt, erst scheu,
    dann zunehmend selbstbewusst, die Regeln des Geschäfts. Zugleich geht
    sie zur Schule und liest mit ihren Klassenkameraden ein Gedicht von
    Rimbaud: „Man ist nicht ernsthaft, wenn man siebzehn ist ... Ihr seid
    verliebt. Vergeben bis in den August. Der Narr, das Herz, träumt
    Robinsons Romane mit. Nacht im Juni! Siebzehn Jahre! Welch ein Genuss!“


    Auf der Seite des Mädchens hingegen erst Überwindung der Scheu, dann Leichtsinn und Genußsucht.


    Es ist
    die Beschwörung eines Zustands, von dem Isabelle weit entfernt ist. Und
    doch möchte jeder der Männer, die sie nachmittags in ihr Hotel
    bestellen, etwas davon abhaben, auch der weißhaarige Georges (Johan
    Leysen), der Isabelles Stammkunde wird. Eines Tages, mitten im Akt,
    bricht er unter ihr zusammen und stirbt. Es ist der zweite Verlust ihrer
    Unschuld, und er wird, wie der erste, mit Blut besiegelt, einer
    Stirnwunde, die Isabelle sich zuzieht, als sie in Panik aus dem Zimmer
    des Toten flüchtet. Jetzt hat sie das Ende des Weges gesehen, der mit
    der Entjungferung beginnt: den Tod.


    Auf den Punkt gebracht: Jugendlicher Leichtsinn, Genuß ohne Ernsthaftigkeit, Unschuld ... jeder der Männer, der sie ... bestellt, möchte etwas davon abhaben!


    baer

    Um dem Johanna-Stoff ein gewisses Maß an Glaubwürdigkeit zu verleihen,
    erfand man reizende Legenden. So habe nach 858 jeder neu gewählte Papst
    auf einem Stuhl mit durchbrochener Sitzfläche, der "Sella stercoria",
    Platz nehmen müssen. Darunter hockte ein Priester, der dem Papst
    zwischen die Beine griff. Erst wenn er rief "Habet!" (Er hat es),
    erlangte die Papstwahl Gültigkeit.



    Testiculos habet et bene pendentes


    Eine wunderbar schlüpfrige Legende besagt, dass
    sich ein neugewählter Papst vor seiner Inthronisierung einer
    Hodensackkontrolle unterziehen muss. Hierfür, so geht die Geschichte,
    setzt sich der Auserwählte – nackt, sprich: wie Gott ihn geschaffen hat –
    auf einen hufeisenförmigen Stuhl und sodann untersuchen ihn die anderen
    Geistlichen auf seine Männlichkeit hin. Bei positivem Befund spricht
    einer der Hodeninquisitoren den denkwürdigen Satz: „Testiculos habet et
    bene pendentes“, und alles atmet erleichtert auf. Die Übersetzung der
    lateinischen Phrase würde jedem besseren Gangsta-Rap Track gut zu
    Gesicht stehen: „Er hat Eier und sie baumeln formidabel.“ Im Weiteren
    kann dann mit der Zeremonie fortgefahren werden, die Welt hat einen
    neuen Heiligen Vater.

    http://www.freitag.de/autoren/…s-habet-et-bene-pendentes


    Se non è vero, è (molto) ben trovato. [Giordano Bruno]


    baer

    Quotes


    You live like this, sheltered, in a delicate world, and you believe you
    are living. Then you read a book… or you take a trip… and you discover
    that you are not living, that you are hibernating.


    Man can never know the loneliness a woman knows. Man lies in the woman's
    womb only to gather strength, he nourishes himself from this fusion,
    and then he rises and goes into the world, into his work, into battle,
    into art. He is not lonely. He is busy.


    I disregard the proportions, the measures, the tempo of the ordinary
    world. I refuse to live in the ordinary world as ordinary women. To
    enter ordinary relationships. I want ecstasy. I am a neurotic — in the
    sense that I live in my world. I will not adjust myself to the world. I
    am adjusted to myself.


    Drei kurze Zitate, die belegen sollen, was "Tagebuchstil", wenn auch in literarisch formulierter Form, ist.


    In der Geschichte von klaas, die mausbacher oben zitiert, ist das Tagebuch ein geschickter erzählerischer Trick, um dem Vater und damit dem Leser die Geschichte von Svenja zu erzählen.
    Mir kommt es aber eher wie ein Reisebericht vor.


    baer

    Wie bereits in der Kritik zu der Geschichte von klaas geschrieben, paßt bei diesem Tagebuch einiges nicht
    für eine nicht zur Veröffentlichung bestimmte Erzählung.

    Die erzählerische Hürde ist jedoch, daß das Tagebuch (wenn es denn geheim ist und für die Schreiberin selbst gedacht)
    mehr Emotionen als Fakten enthalten müßte, da es ja um Selbsterlebtes geht! ;) 

    (Zitat baer)


    "Ich klinke mich aus!"
    Diese Info braucht nur ein anderer Leser. Die Autorin tut es einfach.


    hoffe ein bisschen schlafen zu können
    Sie weiß, daß sie geschlafen hat.


    "Ich würde es nicht glauben, es für einen Traum halten, gäbe es nicht eindeutige Spuren!"
    Sie hat es geglaubt und das weiß sie ja!


    Die o.a. Beispiele zeigen, daß es sich um kein "echtes" Erotisches Tagebuch handelt, sondern um ein "literarisches Fake"!


    baer


    Ein Tagebuch, auch Diarium (lat. diarium) oder Memoire (frz. mémoire „schriftliche Darlegung“, „Denkschrift“), ist eine autobiografische Aufzeichnung,
    also ein Selbstzeugnis in chronologischer Form. Es wird oft nicht mit dem Ziel einer Veröffentlichung geschrieben.
    Publizierte Tagebücher, oft für diesen Zweck verfasst, sowie literarische oder fiktionale Werke in dieser Form bilden das Genre der Tagebuchliteratur.

    Seh ich genau so! :D


    baer

    Eine Frage des Anstands


    Das Spiel des FC Bayern München gegen den FC Schalke 04 (Samstag,
    18:30 Uhr, LIVE bei uns im Ticker und auf Sky) ist ganz klar nicht auf
    Augenhöhe, sonder vielmehr eine Frage des Anstands. Von Kissenschlachten
    mit jüngeren Geschwistern und Bierzeltschlägereien wissen wir: Wenn
    jemand am Boden liegt, ist der Spaß vorbei. Da haut man nicht noch
    einmal zu. Und noch mehr am Boden liegen als S04 nach der 1:6-Niederlage
    gegen Real Madrid, kann man wohl kaum. Die Frage ist allerdings, ob der
    FC Bayern überhaupt weiß, gegen wen er da am Samstag antritt. Ach so,
    in der Champions League spielen noch andere? Und gegen wen geht's
    nochmal in der Liga? Ach, ist doch auch egal. Werden eh alle weggeputzt.


    Aber eigentlich ist es für Schalke ohnehin besser, wenn der FCB keine
    Ahnung von der königlich-blamablen Vorgeschichte der "Knappen" hat.
    Sonst rufen sie womöglich noch das Fernduell gegen Real Madrid aus. Ein Tor mehr und so. Ach, es kann eigentlich nur übel enden für die armen Schalker.



    weiter lesen:


    Aber da war doch mal was? Götterdämmerung?
    Nur in diesem Fasching wohl nicht mehr!


    baer

    Erschütternde Umfrage in Deutschland:

    (bei ca 1 min 30s)


    Gut, gefragt war das WM-Finale, aber trotzdem ... ;( 
    Vielleicht wäre das Ergebnis ein anderes bei "Sex mit Roberta Mastromichele*" oder Real Madrid-Schalke 04?


    baer


    * Zur Erinnerung:


    Am besten während des TV das Tagebuch lesen und dabei gleichzeitig Sex haben, oder? ;)


    baer


    P.S.: Eine "Frau verschieben" geht gar nicht, aber dafür sorgt doch schon die Natur! :P

    ... das vitale Urbedürfnis
    ... eine ständig sprudelnde Quelle der Freude
    ... die perfekte Vereinigung der Partner
    ... ein großes Geschenk
    ... die Möglichkeit zu fliegen
    ... der "kleine Tod"


    baer


    Ah die Schalker haben mit Karneval nicht so viel am Hut - Ruhrgebiet halt! :P


    Und gegen Bayern München, sorry, hat derzeit keiner ne Chance. 8)

    Seh ich genau so! :D


    baer


    Nachtrag:


    Fazit:


    Der FC Bayern München gewinnt mit 5:1 gegen den FC Schalke 04 und bleibt damit in allen Kategorien auf Rekordkurs!