Sophies Disziplinierung 1 + 2, von Cove

  • Die Geschichte ist mehr ein Bericht als eine Geschichte, wenn auch auf hohem sprachlichen Niveau. Die Protagonisten – und hier vor allem Sophie – sind keine Akteure als vielmehr Getriebene, die nicht wissen, wie es ihnen geschieht, aber nachdem die Entscheidung gefallen ist, ziehen sie das Ding durch mit aller Macht.


    Es wird weder klar, warum Sophie dieses Ritual will, noch warum die anderen, und hier vor allem ihr Bräutigam, einwilligen.


    Es fehlen Dialoge und die Schilderung des Innenlebens der Prots, ja selbst das Wesentliche bzw. das Geschehen selbst (z.B. die Bestrafung Sophies) sind eher leblos beschrieben, von Erotik keine Spur.


    Dennoch ist der Plot gut, u.a. weil er an vergessene Praktiken erinnert – gerade habe ich in der Süddeutschen Zeitung gelesen, daß auf der Kanalinsel Sark erst dieses Jahr die Feudalherrschaft abgeschafft worden ist. Nichtsdestotrotz bleibt die Insel nur der englischen Königin persönlich untertan und zahlt dafür 1 Euro Steuern pro Jahr (weil die Steuer seit dem 17. Jahrhundert nie erhöht worden ist). Es gibt zwar eine Art Parlament auf der Insel, aber da sitzen nur die Grundbesitzer (ca. 40 an der Zahl). Es gibt da nach wie vor keine Krankenkasse und keine Altersversorgung – jeder muß selbst zusehen, wie er mit den Härten des Lebens fertig wird.


    Apropos Härten: Bis eben in dieses Jahr hinein haben die Männer auf der Insel das Recht gehabt, ihre Frauen körperlich zu züchtigen, allerdings mit der Einschränkung, dafür nur fingerdicke Stöcke zu gebrauchen!

    In Kleinigkeiten wundern wir uns nicht über die Geschmacksunterschiede. Aber sobald es sich um die Wollust handelt, geht der Lärm los. - Marquis de Sade in Justine oder die Leiden der Tugend

  • ....und sie bildet auch. Ich wusste nichts von dieser Regel und ich bin historisch wirklich bewandert. Was ich aber demnächst als Story aufbereite, ist das "Recht der ersten Nacht". Ein grausames Spiel des Adels an den Leibeigenen. Übrigens...wo war da die Kirche denn ? Der Herr entjungferte die Braut und zeugte eventuell das erste Kind des Paares. Da gab es kaum ein Entrinnen. Grausam wurde dieses "Recht" über hunderte Jahre aufrechterhalten. Also....bis bald

  • Zitat

    Original von Hawe44
    ....und sie bildet auch. Ich wusste nichts von dieser Regel und ich bin historisch wirklich bewandert. ....



    Ich weiss nicht, ob ich jetzt auf eine spöttisch gemeinte Bemerkung von Hawe44 reingefallen bin. Aber einfach der guten Ordnung halber: Die in meiner Geschichte geschilderte "correction" und das dieser zugrunde "Protocole royal" von 1723 muss auch ein historisch bewanderter Mensch nicht kennen, weil sie eine Erfindung von mir sind.


    Tatsächlich bestanden hat aber das von Hawe44 erwähnte "Recht der ersten Nacht" des Landesherrn an den Leibeigenen / Untertanen, wobei dieses je nach Zeit und Ort verschieden ausgestaltet war. Ich finde es spannend, wenn Hawe44 dieses Thema als Story aufbereitet.

  • sowas wäre auch nicht mein Stil.....na gut, wenn es erfunden ist umso besser. Es ist aber wirklichkeitsnah erfunden...Kompliment. Zu dem Thema "Recht der ersten Nacht" habe ich mich mittlerweile informiert. Ein Auszug:
    „Recht der ersten Nacht“; auch jus primae noctis; auf französisch droit de seigneur) wird das Recht eines Gerichtsherren bezeichnet, bei der Heirat von Personen, die seiner Herrschaft unterstehen, die erste Nacht mit der Braut verbringen zu dürfen. Die Vorstellung von einem Herrenrecht der ersten Nacht taucht im Mittelalter zum ersten Mal 1250 in einem Gedicht über die Bauern von Verson (beim Mont-Saint-Michel) in Frankreich auf. Voll ausgeprägt ist die Idee eines früher bestehenden Herrenrechts im Baudouin de Sebourc um 1350, einem in Nordfrankreich verfassten Kreuzfahrerroman des so genannten zweiten Zyklus. Die Entstehung dieser Fiktion ist eng verbunden mit der Ablehnung von ungerecht empfundenen Mitgiftsteuern, die bei der Eheschließung an den Gerichtsherrn fällig wurden. Durch diesen Versroman wurde die Vorstellung eines vormals im Hochmittelalter existierenden Herrenrechts der ersten Nacht wahrscheinlich in ganz Europa verbreitet.


    Jedenfalls gibt es jede Menge Grundlage für eine schöne Story...grüss euch

  • Zitat

    Was ich aber demnächst als Story aufbereite, ist das "Recht der ersten Nacht". Ein grausames Spiel des Adels an den Leibeigenen.


    Das mit dem "erzwungenen Orgasmus", damit die Frauen künftig Freude am Sex bekommen sollten in der Geschichte das passt ein bisschen auch zum "Recht der ersten Nacht": Eine sicher vorgeschobenen Begründung soll gewesen sein, dass die junge Frau den grausamen Entjungferungsschmerz nicht mit ihrem Ehemann in Verbindung bringen solle...
    Ich freu mich auf Deine Geschichte!

  • Nicht nur dein protocole royal, cove, ist erfunden, auch das Recht der prima noctis ist es – Hawe44 spricht also zu Recht von einer Fiktion. Eine Erfindung des 19.Jahrhundert ist auch der Keuschheitsgürtel, denn den hat es nie gegeben, oder höchstens eben in jenem prüden Zeitalter und natürlich heute, bei Sado-Maso-Spielen. ;)

    In Kleinigkeiten wundern wir uns nicht über die Geschmacksunterschiede. Aber sobald es sich um die Wollust handelt, geht der Lärm los. - Marquis de Sade in Justine oder die Leiden der Tugend