• "Das Erarbeiten von Rezensionen fordert deshalb neben Sach- und Fachkenntnis schon immer auch solche Unwägbarkeiten wie Moral, Gewissen und Verantwortungsgefühl heraus. Im Idealfall liebt der Rezensent den Gegenstand seiner Betrachtung, ist hochgebildet und zu Vergleichen befähigt, da er möglichst in Theorie und Praxis alle Akteure und Gegenstände seines Gebietes bzw. Themas kennt – nicht nur aus der Gegenwart, sondern auch aus der Vergangenheit – und damit gegebenenfalls sogar Schlüsse für künftige Trends zu ziehen vermag."



    Dieses Ethos ist für ein Forum vielleicht zu hoch gegriffen! Ich mag aber positive Kritiken grundsätzlich lieber als Verrisse. Was meint Ihr?


    Die persönlichen erotischen Vorlieben eines Autors und der Inhalt seiner Geschichten sollten ihm allein überlassen bleiben.


    Ob er hier im SB damit ankommt, zeigt sich an Besprechungen, Leserzahlen und manchmal auch am Rating. Wie weit man sich der Mainstream-Meinung im SB anpaßt oder nicht, ist eine Sache der Einstellung.


    Ich schätze einfach Besprechungen, die mir helfen, mich weiterzuentwickeln, da ich ein Dilettant bin.


    baer

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    (Lieber Leser, paß auf, Du wirst Deinen Spaß haben! – Apuleus)

  • Ich glaube, das Phänomen der gegenseitigen sexuellen Anziehung ist ein so so sensibles und individuelles, dass der "Mainstream" dabei doch gar keine Rolle zu spielen vermag. Vor diesem Goldgrund erscheinen auch die SB-Stories. Sie nach den universellen Kriterien eines Mainstreams begutachten und beurteilen zu wollen, hiesse Wasser in ein Sieb schöpfen. Diese Erkenntnis macht es auch unmöglich, Punkte zu vergeben, wie etwa bei irgendeinem Sportwettbewerb. Jeder Mensch ist eine Insel. Jede Geschichte ebenfalls.

  • Zitat

    Original von eti


    Ich glaube, das Phänomen der gegenseitigen sexuellen Anziehung ist ein so so sensibles und individuelles, dass der "Mainstream" dabei doch gar keine Rolle zu spielen vermag.


    Jeder Mensch ist eine Insel. Jede Geschichte ebenfalls.


    Da gebe ich Dir völlig recht, eti.


    "Jeder ist eine Insel - aber Insulaner sind wenig ganzheitsverwendungsfähig, teamfähig, teigfähig, gestaltbar, vermassbar"


    Peter Sloterdijk, Sphärologie

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  • Zitate von Marcel Reich-Ranicki:


    In den Illustrierten und auch in manchen Sendern arbeiten Analphabeten. Das ist meine Sache nicht.


    Die anständigen Menschen arbeiten um des Ruhmes und des Geldes willen. Die unanständigen wollen die Welt verändern und die Menschen erlösen.


    Die meisten Dichter verstehen von Literatur nicht mehr als Vögel von Ornithologie.


    Lieber, ich will Ihnen ein Geheimnis verraten: Sie können nicht mit jeder Frau dieser Welt schlafen. (Pause) Hören Sie zu, ich bin noch nicht fertig: Das ist nämlich noch lange kein Grund, es nicht wenigstens zu versuchen.


    Man soll die Kritiker nicht für Mörder halten; sie stellen nur den Totenschein aus.


    Je näher man bedeutende Menschen kennen lernt, desto unsympathischer werden sie.


    Bei der Erwartung einer neuen deutschen Literatur ist man wie am Anfang eines Walzers: man hört das Hm-ta-ta, Hm-ta-ta, und man fragt sich: wann kommt denn nun endlich die Melodie?


    Blutarmut ist eine Krankheit, von der hauptsächlich Romangestalten befallen sind.


    Der eitelste deutsche Autor dieses Jahrhunderts heißt Thomas Mann. Er war ichbezogen wie ein Kind, empfindlich wie eine Primadonna und eitel wie ein Tenor.


    Man kann einen Garten nicht düngen, indem man durch den Zaun furzt.

  • Ich habe großen Respekt vor Marcel Reich-Ranicki.


    Als Moderator sehe ich mich oft (wenn auch nicht ungern) dazu veranlasst, den Autoren Tipps und gute Ratschläge zu geben. Als Nutzer und Kritiker hielte ich mich lieber an einen Ausspruch von ihm, den ich leider nur sinngemäß wiedergeben kann - demzufolge nämlich der Kritiker für den Leser schreibt, nicht für den Autor.


    Nico S.

  • @ Nico:


    Das Zitat:


    Das Bild des Dieners suggeriert allerdings eine Demut, der Reich-Ranicki denkbar fern steht. Als Kritiker „dient“ er der Literatur nur in einem abstrakten Sinn, nicht in ihren konkreten Erscheinungsformen. Einzelnen Autoren oder Werken verweigert Reich-Ranicki die Dienerschaft entschieden. Goethes Forderung an eine „produktive Kritik“, dass sie, im Gegensatz zur „zerstörenden“, dem Autor helfen solle und „daß man mehr um des Autors als des Publikums willen urteilen müsse“, hält er entgegen, „daß Kritiken zunächst einmal um der Literatur willen entstehen und mit dem Blick nicht auf den Autor, sondern auf das Publikum geschrieben werden sollten. Und daß es darauf ankomme, vor allem dem Leser zu helfen, und daß somit die Frage, ob auch der Autor aus der Kritik Nutzen ziehen könne, von durchaus nebensächlicher Bedeutung sei.“


    nach:


    Damit kann ich mich voll identifizieren!


    baer

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  • Das wird eti gefallen:


    Polemik


    Zu Reich-Ranickis Rhetorik gehört die Polemik, also eine öffentliche Form aggressiver, streitlustiger, überspitzter, doch keineswegs argumentationsloser Kritik, die Lessing zu einem Instrument der Wahrheitsfindung aufgewertet hatte. „Jede Kritik, die es verdient, eine Kritik genannt zu werden, ist auch eine Polemik.“ Seit jeher gehört sie zum unentbehrlichen Repertoire des Kritikers. Lessing hatte es auf diesem Gebiet bereits zur Meisterschaft gebracht. Dabei schreckte er auch vor derben Ausdrücken und zornigen Angriffen nicht zurück, was ihm den Ruf „eine[s] oft unbarmherzigen und grausamen, ja mitunter nahezu sadistischen Polemiker[s]“ einbrachte.


    Auch hier charakterisiert Reich-Ranicki mit Lessing unverkennbar sich selbst. Ein rhetorisches Stilmittel, das im polemischen Diskurs selten fehlt, ist die Übertreibung. Wie der von ihm so hoch geschätzte Thomas Bernhard im Bereich der Literatur, hat sich Reich-Ranicki in der Literaturkritik als prominentester Übertreibungskünstler etabliert. Die polemische Übertreibung – mit der Absicht zu überzeugen, nicht zu überreden! – soll zur Deutlichkeit beitragen und damit Reaktionen provozieren. Den grammatischen Superlativ verwendet Reich-Ranicki zwar in negativen Urteilen selten, doch starke Attribute wie primitiv, albern, läppisch, peinlich, dürftig oder plump sind ihm ebenso geläufig wie die Substantive Unsinn, Lappalien, Blödeleien, „kaum noch zu überbietendende Albernheit“ oder – im Wechsel der Stilhöhe – auch „Mumpitz“ und dergleichen.


    Im letzten seiner „Briefe antiquarischen Inhalts“ erklärte Lessing, dass „jeder Tadel, jeder Spott“ dem Kritiker erlaubt sei und ihm niemand vorschreiben könne, „wie sanft oder wie hart, wie lieblich oder wie bitter, er die Ausdrücke eines solchen Tadels oder Spottes wählen soll. Er muß wissen, welche Wirkung er damit hervorbringen will, und es ist notwendig, dass er seine Worte nach dieser Wirkung abwäget.“

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  • Es tut mir leid, mausbacher, daß Du Zitate nicht magst. Ich benütze sie, um meine Aussagen zu objektivieren. Wenn Du meine Beiträge liest, wirst Du viele eigene Meinungen finden. Ich bemühe mich jedoch sehr, durch meine Aussagen niemanden persönlich zu verletzen. Man muß einfach zwischen den Zeilen lesen. ;) 
    Ich hoffe doch sehr, daß das nicht den Forumsregeln widerspricht!


    baer

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  • Zitat

    Original von NicoS


    Es gibt - gerade in der Kritik - gar keine andere Position als die Subjektive, egal wieviel kluge Worte, Zitate und Erkenntnisse einer benutzt, um seine Haltung zu erläutern. Und diese subjektive Haltung klar und deutlich offenzulegen, halte ich für einen wichtigen, sogar wünschenswerten Bestandteil kritischer Äußerungen.


    Im SB gibt es jedenfalls keinen Maulkorb für Kritiker, solange sie sich nicht im Ton vergreifen oder gegen Gesetze verstoßen.


    Das zuletzt Zitierte kann ich nur voll und ganz unterstützen!


    Trotzdem müssen "kluge Worte, Zitate und Erkenntnisse" auch möglich sein.


    baer

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  • Ich setze die Diskussion aus dem Geschichtenforum mal hier fort, denn sie ist tatsächlich nun doch recht allgemein geworden:


    Zitat

    Original von mausbacher aus dem Geschichtenforum kopiert


    muss es doch wohl im Rahmen des hier Möglichen erlaubt sein, darauf hinzuweisen, dass die persönlichen Vorlieben eines Lesers nicht unbedingt und ausschließlich einer sachlichen Kritik dienen können. Hier ging es doch gar nicht um eine solche, hier ging es eti ausschließlich darum mitzuteilen, wo seinesgleichen Unterwäsche kauft, nämlich nicht in Boutiquen und was für ein toller Drehbuchautor er ist.


    Und, wenn ich den oben von dir kritisierten Satz niederschreibe, möchte ich damit doch bitteschön keine sachliche Kritik unterbinden! Auch wenn dieser völlig losgelöst jeglicher Vorkommentare stehen würde, unterbreitet er dem sorgfältigen Leser jedenfalls [U]nicht[U] vordergründig den vermeindlichen Auferlegungswunsch eines verbalen Maulkorbs!


    Man glaubt es kaum, aber ich halte etis Anmerkung an dieser Stelle für gerechtfertigt.


    Eine Kritik, die immer nur formal bleibt und den Rahmen der Realität meidet, ist in meinen Augen nicht per se sachlich - ebenso wie eine, die die persönliche Sicht des betreffenden Gegenstands einbezieht und seine Stellung in eben jener Realität, nicht per se unsachlich ist. Im aktuellen Beispiel ist es das Thema der Umkleidekabinen, in anderen war es das der (sinnlosen, brutalen und unerotischen) Gewalt gegen Frauen. Man muss nicht sein Ich an der Garderobe abgeben, jedes Gefühl unterdrücken und sich wie ein halber Literaturwissenschaftler aufstellen, um eine Geschichte kritisieren zu dürfen.


    Ich möchte sogar noch einen Schritt weiter gehen. Denn für mich wird umgekehrt eher ein Schuh daraus. Nicht die kritischen Reaktionen auf die Geschichten sind das, was die Threads im Geschichtenforum oft so unerfreulich wirken lässt, sondern die Eigenheit, statt der Geschichte lieber die Mit-Kritiker zu kommentieren. etis oben zitierte Bemerkung ist zwar keine Sternstunde der Literaturkritik, doch in sich harmlos und eben die - vermutlich spontane - Reaktion auf den zur Rede stehenden Text.


    Im übrigen würde es mich als Autor sogar brennend interessieren, ob Leute (vielleicht sogar eine Mehrzahl) auch einfach nichts anfangen können mit meiner Geschichte. Und auch ich habe schon in meinen Kritiken öfter darauf hingewiesen, dass ich selbst ein wenig schreibe. Eine solche Hintergrundinformation ist nicht unstatthaft, sondern dient dem Verständnis und der Erläuterung der eigenen Position.


    Nico S.

  • Dir ist natürlich bekannt, Nico, daß es eine alte Kontroverse in der Literaturkritik gibt, ob man als Autor selbst andere kritisieren soll. Seit Lessing und Goethe gibt es dazu zahlreiche Beispiele.


    Hier in einem Forum wie dem SB gelten gewiß weniger strikte Maßstäbe.


    Aber geht es nicht darum, ob ein Kommentar lautet: "Ich persönlich kann zwar mit diesem Thema nichts anfangen, aber die Geschichte ist gut gemacht." oder "Alle Geschichten mit Segelbooten sind abgeschmackt und uninteressant, daher auch diese!"


    Die Auseinandersetzung mit der Kritik anderer macht die Diskussion im Forum doch erst lebendig. Als Autor überlege ich mir immer gut, ob ich zu einer (negativen) Kritik Stellung nehmen soll und bin daher dankbar, wenn ein anderer Leser den Gegenstandpunkt einnimmt!


    baer

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  • Deine Meinung sei dir vorbehalten, Nico. Ich habe eine andere.


    Wie ich sehe, gehst du auf meine eigentliche Kritik der Schlamperei nicht weiter ein ein.


    Das ist natürlich dein gutes Recht, denn dir dürften die Argumente fehlen. Außerdem ist es nicht jedermanns Sache, zu eigenen Fehlern zu stehen.


    Desweiteren zitierst du mich ziemlich abgeschnitten und entziehst daher wieder jeglichen Zusamennhang.


    Auf Grundlage dieser dubiosen Basis werde ich mit dir nicht weiter diskutieren.


    mausbacher


  • Lebendig, ja, manchmal auch ein bisschen zu lebendig vielleicht ... ;)


    Was diese "alte Kontroverse" betrifft: Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass ich hier teilweise drei Hüte trage und darum manchmal etwas eigenartige Positionen einnehme. Das wird mich aber auch in Zukunft nicht daran hindern, meine Meinung einzubringen, selbst wenn sich meine Haltung als Nutzer/Leser und die als Mod mal widersprechen wie in dem erwähnten Falle der Gewalt gegen Frauen. Andererseits bin ich als Mod sehr dankbar für die Erfahrungen als Autor, denn sie helfen mir, anderen etwas besser zu erklären, wo der Hase im Pfeffer liegt. So hängt eben alles zusammen ...


    Nico S.

  • Liebe Literaturkritiker, professionell oder semiprofessionell,
    liebe Akademiker, Deutschlehrer, Autoren und …
    ach ja, dann gibt’s ja noch das gemeine Fußvolk,


    Eure Zitate sind grandios, Ihr vergleicht Euch mit Ranicki und fühlt Euch wie das Literaturquartett in Person. Respekt.
    Endlich kann auch ich, Abitur, - aber das heißt ja nichts in unseren Landen, siehe Pisa- Studie - verstehen, dass Kritik gar nicht gleich Kritik ist. *ZWINKER*


    "Sie dient dem Leser… " lese ich. Wunderbar.


    Bei durchschnittlich 2000 - 5000 Lesern pro Geschichte ist das ein enormes Publikum.
    *Beifall klatsch*
    Vorausgesetzt alle diese User lesen tatsächlich in diesem Forum die Kritiken.


    Die gemeinen Leser interessieren mich (im Zusammenhang mit der Kritik) eher am Rande. Ich kenne sie nicht. Sie konsumieren lediglich. Oder auch nicht. Je nach Gusto.
    Und eine schlechte Kritik heißt nicht, dass sie nicht lesen, im Gegenteil. Ein schlimmer Verriss macht neugierig. In uns allen schlummert eben ein kleiner Voyeur. *ZWINKER*


    Also weiter:


    "… und nicht dem Autor". Moment mal…


    Ich kann nur für mich sprechen. Die Kritiken zu meinen und auch zu anderen Geschichten helfen mir persönlich weiter, sie beeinflussen mich.
    Ein Lob motiviert, eine Kritik spornt mich an, ein Vorschlag (Struktur, Inhalt, Formatierung) lässt mich die nächste Geschichte unter anderen Aspekten schreiben, zumindest, wenn ich das vertreten kann.
    Denn ich möchte mich weiterentwickeln.
     
    Ein böser Verriss, eine (absichtliche) Fehlinterpretation beeinflusst mich ebenso.
    Und möglicherweise verliere ich auch die Lust weiter zu machen, wenn meine Arbeit keinen Anklang findet.
     
    Darum bevorzuge ich sachliche Kritik. Nicht brave, sie kann auch hart sein. Das was schlecht ist, soll nicht schön geredet werden. Aber ich möchte sie verstehen können. Denn sonst nutzt sie mir tatsächlich nicht.


    Jemand der sagt: "Alles Mist.", hat nach gutem Recht seine Meinung hier kund getan. Kann sich dann offiziell Kritiker nennen. Aber letzten Endes ist auch die Kritik dann Mist.


    Ich kann meine Persönlichkeit in eine Kritik mit einbringen, ich kann darauf hinweisen, dass ich meine Schuhe bei CDF kaufe, dass ich in meiner Freizeit gerne Fallschirmspringe oder meine Füße unterm Tisch stehen beim Schreiben. Das ist meiner Meinung nach Selbstdarstellung, weniger Kritik im Sinne von Ranicki und Co. Es ist also Zierde oder Beiwerk. Eigentlich überflüssig.


    Ein Hinweis, wie: "… das kenne ich auch, ich schreibe selbst, und ich weiß wie schwer es ist da… "
    ist nicht unbedingt unsachlich. Es ist menschlich. Es zeigt Verständnis für das Werk. Und es ist auch kein Schön-Reden, denn es kann durchaus harte Kritik folgen.


    Eine Formulierung: "Ich schreibe selbst über…" klingt eher selbstverliebt und ist eigentlich nur noch mit einem Link/Verweis auf das eigene Werk zu toppen.
    Unsachlich heißt, an der Sache vorbei, unpassend. Off Topic.


    Egal wie schön oder böse eine Kritik formuliert ist, egal wie akademisch oder professionell sie untermauert ist… man sollte sich fragen, welches Ziel sie hat.


    Den Leser abhalten? Das wird nicht klappen. *ZWINKER*


    Den Autor ansprechen? Dann macht der Ton die Musik, sonst stoße ich auf taube Ohren.


    Über Grundsätze diskutieren? … Cafe Eros


    Ist es nicht auch ein bisschen so, dass ich mit meiner Kritik mich selbst darstelle?
    Beeinflusse ich nicht das Publikum je nachdem was ich wie formuliere?
    Und was erreiche ich damit?
    Will ich ein Werk niedermachen? Und damit ggf. auch den Autor?
    Womöglich, damit ICH besser da stehe? Je weniger Konkurrenz…
    Nutzt Kritik nicht manchmal auch dem Kritiker?



    Ich, als Autor, wünsche mir Kritik. Also bitte meine Herren…, und auch Frauenmeinungen sind erwünscht. *ZWINKER*


    Das sind meine schlichten Worte zum Thema Kritik.
     
    Ein Trost ist mir, dass es sogar hier, trotz hohem Niveau, manchmal zugeht wie bei "Inge am Mittag" auf RTL7. *ZWINKER*


    lg beware

  • Ein edler, langer, wohl-formulierter Text, über dessen Sinn und Hintersinn und eigentliche Aussage man lange rätseln kann. Vielleicht stellt er aber den Startpunkt für eine weiterführende Diskussion auf hohem Niveau.

  • Zitat

    Original baer66
    Es tut mir leid, mausbacher, daß Du Zitate nicht magst. Ich benütze sie, um meine Aussagen zu objektivieren. Wenn Du meine Beiträge liest, wirst Du viele eigene Meinungen finden. Ich bemühe mich jedoch sehr, durch meine Aussagen niemanden persönlich zu verletzen. Man muß einfach zwischen den Zeilen lesen. ;)
    Ich hoffe doch sehr, daß das nicht den Forumsregeln widerspricht!
    baer


    Es braucht dir nicht leid zu tun, baer, deine Zitate befinden sich absolut im Rahmen des für mich Erträglichen. Es bleibt nur die Frage, ob ich mir anschließend noch einen Zitat-Marathon unseres Kritikerpapstes zumuten will. ;)


    Einen Widerspruch gegen die "Forumsregeln" kann ich auch nicht erkennen. Sollte dies jedoch wirklich einmal wider meiner Erwartung eintreten, wissen wir mindestens einen auf breiter Basis Erfahrenen in unseren Reihen, der uns aufgrund seiner multiplen Fähigkeiten etwas besser erklären kann, wo der Feldhamster sein Nest eigentlich baut.


    Also, ruhig weiter so. :)



    Zitat

    Original beware
    Ich kann meine Persönlichkeit in eine Kritik mit einbringen, ich kann darauf hinweisen, dass ich meine Schuhe bei CDF kaufe, dass ich in meiner Freizeit gerne Fallschirmspringe oder meine Füße unterm Tisch stehen beim Schreiben. Das ist meiner Meinung nach Selbstdarstellung, weniger Kritik im Sinne von Ranicki und Co. Es ist also Zierde oder Beiwerk. Eigentlich überflüssig.
    ....
    Eine Formulierung: "Ich schreibe selbst über…" klingt eher selbstverliebt und ist eigentlich nur noch mit einem Link/Verweis auf das eigene Werk zu toppen.


    Ja, so ist das manchmal im Leben. Die einen finden es in einer Kritik ausschließlich wichtig klarzustellen, wo man am besten seine Accesoirs einkauft und wo nicht, andere wiederum verteidigen dies dann vehement und glauben allen Ernstes, sich damit in die Analen der deutschen Kritikgeschichte verewigt zu haben.


    Selbstverliebtheit und auch Selbstüberschätzung können eine dermaßen große Blindheit jenseits des eigen Ichs hervorrufen, dass hiervon Betroffene eine ebenso große Argumentationsunfähigkeit entwickeln und dazu neigen, ihr eigenes Fehlerpotential durch Ignoranz der an sie gerichteten Krtitik zu kompensieren.


    Geistige oder gar akademische Größe sieht natürlich anders aus - wirklich. ;)

  • Zunächst einmal ein großes Kompliment, liebe beware, zu Deinem umfassenden, ehrlichen und grundvernünftigen Statement.


    Ich kann es nicht lassen, dazu detailliert Stellung zu nehmen. Ich hoffe, die Leser finden das ebenso angebracht wie ich.


    Zitat

    Original von Beware


    Liebe Literaturkritiker, professionell oder semiprofessionell,
    liebe Akademiker, Deutschlehrer, Autoren und …
    ach ja, dann gibt’s ja noch das gemeine Fußvolk,


    Eine ganz nette Art, schon bei der Anrede auf die männliche Hybris in diesem Forum hinzuweisen. ;) 
    Hoffentlich gibt's unter uns auch ein paar "Professionelle", bei Akademikern (Germanisten gar) bin ich mir ziemlich sicher, Deutschlehrer weiß ich nicht. Ab und zu wird dieser "Ehrentitel" allerdings taxfrei verliehen. Immer noch besser als "Pauker" oder "Oberlehrer-Stellvertreter!" :D 
    Fußvolk könnte es ruhig mehr geben...



    Zitat

    Original von Beware


    Eure Zitate sind grandios, Ihr vergleicht Euch mit Ranicki und fühlt Euch wie das Literaturquartett in Person. Respekt.
    Endlich kann auch ich, Abitur, - aber das heißt ja nichts in unseren Landen, siehe Pisa- Studie - verstehen, dass Kritik gar nicht gleich Kritik ist. *ZWINKER*


    Kleiner Einwand: ein Quartett, auch das literarische, besteht, wie der Name bereits sagt, aus (genau) 4 Personen! Da hätte ich jetzt schon gerne von Dir gewußt, beware, wer für Dich Marcel Reich-Ranicki, wer Hellmuth Karasek, wer (noch spannender) Sigrid Löffler und (Tusch) wer der Überraschungsgast ist? :rolleyes:


    "Als Literaturkritiker hingegen wird demnach angesehen, wer – häufig nach entsprechend geisteswissenschaftlichem Hochschulstudium – nachweislich alle Formen der Literaturkritik anzuwenden vermag, sich dabei u. a. im umfassenden Maß auch auf die Literaturgeschichte aller als relevant erachteten Literaturen bezieht und z. B. in einer allseits anerkannten, überregional vertriebenen Zeitung – sei es ausschließlich als Autor oder als Redakteur oder gar Leiter der Literaturredaktion – samt der damit verbundenen Vernetzung mit anderen Publikationsorganen über mehrere Jahre hinweg festangestellt wurde. Ein Literaturkritiker wie Marcel Reich-Ranicki hat neben seinen Rezensionen u. a. auch mehrere Monografien zu einzelnen Autoren und ihren Werken verfasst und erlangte nicht zuletzt mit seiner Sendung „Das literarische Quartett“ einen derart hohen Grad an Bekanntheit, dass ihm die meist pejorativ-ironisch aber durchaus auch respektvoll gemeinte Bezeichnung „Literaturpapst“ zuteil wurde."




    Auf jeden Fall gilt dort das Motto:
    „Wir werden über Bücher sprechen, und zwar, wie wir immer sprechen: liebevoll und etwas gemein, gütig und vielleicht ein bisschen bösartig, aber auf jeden Fall sehr klar und deutlich. Denn die Deutlichkeit ist die Höflichkeit der Kritik der Kritiker.“ (Marcel Reich-Ranicki im Literarischen Quartett am 18. März 1993)


    (Höre ich eti und Nico klatschen? ;) )



    Die "gemeinen Leser" sollten aber den Kritiker interessieren. Ihr Hirte, Anwalt und Sprachrohr müßte er sein!


    "Neben den bereits unter Entwicklung der Literaturrezension erwähnten Onlineportalen für laienhafte Lesermeinungen haben sich aber auch sehr ambitionierte Portale für Rezensionen herausgebildet. Darunter sind ehemalige oder noch aktive Freie Mitarbeiter, die ihre bereits in den Printmedien veröffentlichten Rezensionen im Internet archivieren und damit der Öffentlichkeit über den Tag des Abdrucks hinaus unentgeltlich zugänglich machen. Ferner gibt es Meta-Portale, die teils von Hochschulen, teils von Suchmaschinen aber auch auf private Initiative hin entwickelt wurden, um wiederum Links zu beachtenswerten Rezensionsportalen aufzulisten."





    Das ist vielleicht der kleine Unterschied zwischen uns "Laienschreiberlingen" und "professionellen" Autoren. Wir brauchen Hilfe, Zuspruch und konstruktive Kritik viel dringender.


    Den Mut verlieren sollte man nie, besonders nicht, wenn man so talentiert ist wie Du, liebe beware! :]


    "Ein Verriss ist eine destruktive Kritik bzw. Rezension, die nicht selten mit den Mitteln der Ironie oder Polemik formuliert wird und den Gegenstand einer Diskussion in den wesentlichen Teilen seiner Ausführung und Zielsetzung als gescheitert ansieht. „Verrissen“ werden insbesondere im Feuilleton Werke der bildenden Kunst, der darstellenden Kunst, der Musik oder der Literatur, darüber hinaus verreißen Kritiker anderer Ressorts bzw. Medien z. B. wissenschaftliche Arbeiten, Gerichtsurteile oder auch Persönlichkeiten wie Politiker, Manager, Trainer, Quizmaster oder Blogger."


    "Polemik (von griechisch À¿»µ¼¹ºÌ polemikós ‚feindselig‘ bzw. ÀÌ»µ¼¿Â pólemos ‚Krieg, Streit‘) bezeichnet einen meist scharfen Meinungsstreit im Rahmen politischer, literarischer oder wissenschaftlicher Diskussionen. Der Begriff hat historisch einen Wandel erfahren, die ursprüngliche Bedeutung von Polemik war Streitkunst, ein literarischer oder wissenschaftlicher Streit, eine gelehrte Fehde."


    Die letzten beiden Zitate nach wikipedia.


    Der Unterschied ist für mich von enormer Bedeutung!



    Weise Worte, liebe beware! Bin gespannt, ob sie das Gehör der Angesprochenen finden! ;)



    Damit hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen.
    Viele (auch meiner) Beiträge dienen zuerst einmal dem Herzeigen der eigenen Intelligenz und des eigenen Wissens. Das muß ja auch nicht grundsätzlich falsch sein. "Patronizing" sollte ich (man) aber vermeiden!


    Nochmals herzlichen Dank für Deinen tollen Beitrag, beware!


    baer

    Lector, intende,
    laetaberis!
    (Lieber Leser, paß auf, Du wirst Deinen Spaß haben! – Apuleus)

  • Zu den tollen Beiträgen von beware und mausbacher, was könnt ich da passenderes beisteuern, als (wieder) ein Zitat:


    "Da steh ich nun, ich armer Thor, Und binn so klug als wie zuvor."


    Orginal aus Goethes Faust (1774)
    Szene:
    N A C H T (In einem hochgewölbten engen gothischen Zimmer)