Beiträge von Misttueck

    Wenn alles gut geht gehe ich später auch noch an See

    Ich bin auch gerade am See. 😀

    Bin heute Morgen mit meiner Schönen einfach los ins Umland. Hier sind wir (fast) ganz allein. Nur ein älterer Mann und ein junges Mädchen. Sie nackt, er in der Badehose. Ist sowas auch CMNF?

    Ich weiss nicht ob man das als CMNF bezeichnen kann, da fehlt mir etwas Kontext dazu

    Der Pfad vom Bergsee führt uns zurück ins Tal, und statt zum Campingplatz biegen wir auf den schmalen Uferweg ab, der sich durch den Kiefernwald schlängelt. Nora geht voraus, ihre Schritte sicher auf dem weichen Boden aus Nadeln und Moos. Jule neben mir, ihre Schulter streift gelegentlich meine, wenn der Weg zu eng wird. Die Dunkelheit hat sich vollständig über den See gelegt, nur durchbrochen vom Sternenlicht, das durch die Lücken im Blätterdach fällt. Der Geruch von feuchter Erde und harzigem Kiefernholz liegt schwer in der Luft.

    „Wir gehen nicht zurück", sagt Jule. Keine Frage. Ich blicke sie an, aber sie schaut auf den Weg.

    Nora bleibt stehen an einer Lichtung, die zum See hin offen ist. Das Wasser reflektiert den Sternenhimmel wie flüssiges Quecksilber. Sie dreht sich um, stellt sich vor einen alten, moosbewachsenen Baumstamm und verschränkt die Arme. Nicht bedrohlich. Abwartend.

    Jule bleibt stehen. Sie wendet sich mir zu. Das schmale Lederband um ihren Hals fängt einen Streifen Mondlicht, der Metallring schimmert.

    „Miststück", sagt sie, und ihre Stimme ist leiser als sonst, vorsichtiger, als würde sie etwas aus einem Regal nehmen, das zerbrechlich ist. „Ich möchte dir etwas sagen. Über Nora und mich."

    Ich stelle mich hin, meine Ledertasche an der Schulter, die Wollfasern meines Strickkleids warm gegen meine Haut. Der See rauscht leise am Ufer, eine sanfte, ununterbrochene Bewegung.

    „Wir sind nicht nur zusammen", sagt Jule. „Wir sind offen. Wir suchen. Nach Menschen, nach Erfahrungen, nach Dingen, die wir allein nicht finden können." Sie streicht sich eine schwarze Haarsträhne hinter das Ohr. Ihre Finger zittern nicht, aber sie bewegen sich langsamer als sonst. „Nora hat mir das Band gegeben, als wir beschlossen, dass diese Reise nicht nur ein Urlaub sein soll. Es ist ein Versprechen. Nicht an Exklusivität. An Ehrlichkeit."

    Nora sagt nichts. Sie beobachtet mich mit ihrer ruhigen, grauen Aufmerksamkeit, die ich in den letzten Tagen kennen gelernt habe – die Art, wie sie Dinge registriert, ohne sie zu bewerten, wie sie stillhält, während andere reden, und dann das sagt, woran man nicht vorbeikommt.

    „Warum erzählst du mir das?", frage ich.

    Jule tritt näher. Kiefernnadeln knirschen unter ihren Wanderschuhen. „Weil du nicht urteilst. Weil du zuhörst, wie andere atmen. Weil du –" Sie stockt. Zum ersten Mal seit ich sie kenne, sucht sie nach Worten. „Weil du in den letzten Tagen etwas geöffnet hast. Ich sehe es. Nora sieht es auch."

    Ich schaue zu Nora. Sie nickt. Einmal, knapp, bestimmt.

    „Wir möchten", sagt Jule, und jetzt ist die Zögerlichkeit verschwunden, ersetzt durch die gerade, offene Direktheit, die ich an ihr kenne, „dass du dich uns anschließt. Heute Nacht. Hier."

    Das Rauschen des Sees füllt die Stille zwischen uns. Ein Uhu ruft irgendwo im Wald, weit weg und doch schmerzhaft nah in der Stille. Die Luft ist kühl, und ich spüre sie an meinem Hals, an meinen Handgelenken, dort, wo die Ärmel meines Strickkleids nicht ganz schließen.

    „Was bedeutet das?", frage ich, und meine Stimme ist so ruhig, wie ich sie aus dem Archiv kenne – diese professionelle, gemessene Stimme, die ich jahrzehntelang benutzt habe, um Distanz zu wahren.

    Nora löst sich vom Baumstamm. Sie geht auf uns zu, stellt sich hinter Jule, legt eine Hand auf ihre Schulter. Jule lehnt sich in die Berührung, eine fließende, geübte Bewegung, wie etwas, das tausendmal geübt wurde.

    „Es bedeutet", sagt Nora, und ihre Stimme ist tief und präzise, jedes Konsonant scharf geschnitten, „dass wir dich in etwas einführen möchten, das du dir vielleicht nie erlaubt hast. Lust. Kontrolle. Die Aufgabe von Kontrolle." Ihre Hand gleitet von Julés Schulter zu ihrem Hals, ihre Finger legen sich um das Lederband, nicht fest, nur ruhend. Jule schließt für einen Moment die Augen. „Jule und ich haben diese Welt zusammen betreten. Wir wissen, was wir tun. Und wir sehen, dass du etwas in dir trägst, das hinaus will."

    Mein Herz schlägt schneller, aber mein Gesicht bleibt still. Ich habe gelernt, still zu bleiben, wenn alles in mir laut wird. Die Archivarin in mir katalogisiert: zwei Frauen, Nacht, Wald, ein Angebot. Aber unter der Katalogisierung pulsiert etwas anderes, etwas, das nicht in Ordnung zu bringen ist.

    „Ich bin siebenundfünfzig", sage ich.

    Jule lächelt. „Ich weiß. Ich habe deine Geschichten gehört, Miststück. Von der Bibliothek, von Ks Blog, von dem Gefühl, dass dein Leben ein Regal ist, in dem alles an seinem Platz steht. Und dass dieser Platz dich erstickt."

    Sie hat recht. Und dass sie recht hat, macht mir Angst. Nicht vor ihr. Vor der Genauigkeit, mit der sie mich liest.

    „Ich weiß nicht, was ihr von mir erwartet", sage ich.

    Nora löst ihre Hand von Julés Hals. Sie tritt an mir vorbei, und ich wende den Kopf, um ihr zu folgen. Sie geht zum Ufer, wo der Boden aus kleinen, runden Kieseln besteht, die im Mondlicht blass schimmern. Sie setzt sich auf einen flachen Stein, der über den See ragt.

    „Komm her", sagt sie. Nicht laut. Nicht sanft. Ein Befehl, der sich wie eine Einladung anfühlt.

    Ich gehe. Meine Wanderschuhe knirschen auf den Kieseln. Jule folgt mir, und ich spüre ihre Präsenz hinter mir wie Wärme von einem Feuer.

    Ich stehe vor Nora. Sie blickt zu mir auf. Im Mondlicht sind ihre Augen heller als sonst, fast silbern.

    „Setz dich", sagt sie.

    Ich setze mich auf den Stein neben sie. Der Granit ist kühl durch mein Kleid hindurch. Der See liegt vor uns, still und dunkel, und der Himmel darüber ist so voller Sterne, dass er zu einer festen Masse aus Licht zu werden scheint.

    „Miststück", sagt Nora, und sie sagt meinen Namen so, als wäre er etwas, das sie auf der Zunge zergehen lässt. „Ich werde dir etwas fragen. Du musst nicht antworten. Aber wenn du antwortest, antworte ehrlich."

    Ich nicke.

    „Gehst du manchmal in dich und spürst etwas, das dich erschreckt? Etwas, das nicht in dein Bild von dir selbst passt?"

    Das Ufer. Die Sterne. Julés Atem hinter mir. Und mitten in dieser Stille bröckelt etwas in mir, eine Mauer, die ich so sorgfältig aufgeschichtet habe, Schicht für Schicht, Jahr für Jahr, aus Kompetenz und Ordnung und der ständigen, leisen Überzeugung, dass Kontrolle dasselbe ist wie Sicherheit.

    „Ja", sage ich.

    Nora legt ihre Hand auf meine. Ihre Finger sind kühler als die Nachtluft, schmal und präzise. „Das ist alles, was wir wissen wollten."

    Jule setzt sich auf meine andere Seite. Drei Frauen auf einem Stein über einem See, und die Welt um uns herum besteht nur aus Wasser und Sternen und dem Geruch von Kiefern.

    „Wir machen das nicht leichtsinnig", sagt Jule. „Nora und ich, wir haben Regeln. Wir haben Worte, die alles stoppen. Wir haben gelernt, aufeinander zu achten. Und heute achten wir auf dich." Sie legt ihre Hand auf mein Knie, über dem Stoff des Strickkleids. Die Berührung ist leicht, fast nichts, und doch spüre ich sie bis in die Wurzeln meiner Zähne. „Wenn du nein sagst, gehen wir zurück. Trinken Wein. Reden über Bücher. Nichts ändert sich."

    „Und wenn ich nicht nein sage?"

    Nora drückt meine Hand. „Dann vertraust du uns. Und wir zeigen dir etwas."

    Ich schaue auf den See. Das Wasser bewegt sich in einem Rhythmus, der älter ist als alles, was ich kenne. Meine Hände, die jahrzehntelang alte Dokumente berührt haben, die vorsichtig waren, die wussten, dass ein falscher Druck etwas unwiederbringlich zerstören kann – diese Hände liegen jetzt zwischen den Händen von zwei Frauen, die mir etwas anbieten, das ich nie gesucht habe und das mir doch vorkommt wie etwas, das immer auf mich gewartet hat.

    „Ich habe Angst", sage ich. Nicht, weil sie es wissen müssen. Weil ich es aussprechen muss, um es zu überqueren.

    „Gut", sagt Nora. Sie hebt ihre freie Hand und streicht mir eine graue Haarsträhne aus der Stirn. Die Berührung ist so unerwartet zärtlich, dass ich den Atem anhalte. „Angst bedeutet, dass es wichtig ist."

    Jule steht auf. Sie stellt sich vor mich, ihre Silhouette gegen den Sternenhimmel. Sie zieht ihr T-Shirt über den Kopf, langsam, und legt es gefaltet auf den Stein. Unter dem Sternenlicht ist ihre Haut dunkel, die Konturen ihres Körpers klar und weich zugleich. Sie trägt keinen BH. Ihre Brüste sind klein und fest, die Brustwarzen hart in der kühlen Luft.

    „Wir fangen langsam an", sagt sie. Sie kniet sich vor mich, zwischen meine Knie. Ihre Hände legen sich auf meine Oberschenkel, und ich spüre ihre Wärme durch den Wollstoff. „Nur das, was du willst."

    Ich schaue zu Nora. Sie sitzt neben mir, aufrecht und aufmerksam, und ihre Augen haben eine Intensität, die mir den Atem raubt – nicht wild, nicht aggressiv, sondern die Intensität von jemandem, der genau weiß, was er tut.

    „Schau mich an", sagt Jule. Ich senke den Blick zu ihr. Ihre dunklen Augen sind nah, so nah, dass ich die einzelnen Wimpern sehen kann, die feine Linie ihrer Brauen, den kleinen Mund, der sich öffnet, als sie spricht. „Darf ich dich küssen?"

    Mein Mund ist trocken. Meine Hände, die zwischen Noras Fingern liegen, zittern. Ich nicke.

    Jule küsst mich. Ihre Lippen sind warm und weich und schmecken nach Rotwein und nach etwas, das ich nicht benennen kann – etwas Erdiges, etwas, das zu dieser Nacht und diesem Wald und diesem See gehört. Sie küsst mich nicht fordernd, nicht eilig. Sie küsst mich wie jemand, der eine Tür öffnet und wartet, ob man hindurchgeht.

    Ich gehe hindurch.

    Meine Lippen öffnen sich, und Julés Zunge streift über meine Unterlippe, ein winziger Geschmack, ein Versprechen. Ich stöhne, und der Ton ist fremd in meinen Ohren, tief und rau, ein Ton, den ich von mir selbst nicht kenne. Jule lächelt gegen meinen Mund.

    „Da bist du", flüstert sie.

    Noras Hand löst sich von meiner. Ich spüre, wie sie aufsteht, wie sich der Stein neben mir leicht bewegt. Dann spüre ich ihre Hand in meinem Nacken, unter dem kurzen grauen Haar, fest und sicher. Nicht ziehend. Haltend. Besitzergreifend.

    „Du gehörst jetzt uns", sagt Nora, und ihre Stimme ist so nah an meinem Ohr, dass ich ihren Atem spüre, warm gegen die kühle Haut. „Beide. Für diese Nacht."

    Jule küsst mich wieder, tiefer diesmal, ihre Zunge gleitet in meinen Mund, und ich öffne mich ihr, mein Atem beschleunigt, meine Hände, die sich auf ihre Schultern stützen, greifen fester. Noras Finger in meinem Nacken wandern nach unten, über meinen Hals, über den Stoff meines Kleides, und ich spüre, wie sie das Kleid an der Seite fasst und nach oben schiebt.

    „Wir nehmen das hier weg", sagt Nora. Keine Frage.

    Ich hebe die Arme. Jule löst sich von meinem Mund, und Nora zieht das Strickkleid über meinen Kopf. Die Nachtluft trifft meine Haut, und ich fröstle – nicht nur von der Kühle. Von der Nacktheit. Von der Verletzlichkeit. Ich trage einen schlichten weißen Baumwoll-BH und meine dicken wolligen Socken, und sonst nichts.

    Jule atmet ein. „Du bist schön", sagt sie, und in ihrer Stimme liegt etwas, das nicht nur Bewunderung ist, sondern auch Staunen, als hätte sie nicht erwartet, was sie sieht.

    Ich will etwas sagen, etwas Rationelles, etwas, das die Spannung bricht, aber Nora legt mir einen Finger auf die Lippen. „Still", sagt sie. „Du denkst zu viel."

    Sie öffnet meinen BH. Ihre Finger sind geübt, die Bewegung schnell und präzise, und der BH fällt zur Seite. Meine Brüste sind frei, groß und weich, die Brustwarzen in der kühlen Luft hart und dunkel. Jule senkt den Kopf und küsst eine, und ich keuche auf, weil die Empfindung – der warme Mund auf der empfindlichen Haut, die Zunge, die über die Brustwarze kreist – so unerwartet intensiv ist, dass es durch meinen ganzen Körper schießt.

    „Verdammt", sage ich, und das Wort kommt von irgendwo tief in mir, aus einem Ort, den ich jahrzehntelang versiegelt habe.

    Nora lacht leise hinter mir. „Da ist sie", sagt sie. „Die, die nicht katalogisiert."

    Jule saugt an meiner Brustwarze, und ihre Hand massiert die andere Brust, und ich spüre, wie sich mein Becken hebt, wie meine Schenkel sich öffnen, ohne dass ich es befehle. Nora kniet sich hinter mich, und ich spüre ihren Körper an meinem Rücken, ihre Brüste durch den Stoff ihres Hemdes, ihre Hände, die über meine Rippen gleiten, über meinen Bauch, bis zum Bund meiner Socken.

    „Darf ich?", fragt Nora, ihre Finger unter dem Bund.

    „Ja", sage ich, und meine Stimme bricht auf dem Konsonanten.

    Nora zieht die Socken aus, langsam, eine nach der anderen, und ich spüre ihre Finger an meinen Waden, an meinen Knöcheln, an den Fußsohlen, und jeder Berührungspunkt sendet ein Signal nach oben, in meinen Kern, der warm und nass wird.

    Ich sitze jetzt nackt auf dem Stein, zwischen zwei Frauen, unter einem Sternenhimmel, und die Kühle der Nacht und die Wärme ihrer Körper vermischen sich auf meiner Haut wie zwei Sprachen, die ich gleichzeitig spreche.

    Jule richtet sich auf. Sie öffnet ihre Jeans, zieht sie aus, dann ihre Unterwäsche. Sie steht vor mir, nackt, ihre schlanke Figur im Mondlicht, der Schatten zwischen ihren Schenkeln dunkel und verheißungsvoll. Das Lederband um ihren Hals schimmert.

    Nora steht auf, zieht ihr Hemd aus, dann ihre Hose. Sie ist schlank und muskulös, ihre Brüste klein und rund, und zwischen ihren Beinen ist eine feine aschblonde Behaarung sichtbar.

    Sie kommen auf mich zu. Jule von vorn, Nora von der Seite.

    „Auf den Rücken", sagt Nora.

    Ich lege mich auf den Stein. Er ist kühl und rau unter meinem Rücken, und der Sternenhimmel dreht sich über mir wie ein riesiges Rad. Jule kniet sich über mich, ihre Schenkel auf beiden Seiten meines Gesichts, und ich sehe ihr Geschlecht vor mir – feucht, dunkel, duftend nach Moos und Salz und etwas Blumigem.

    „Du musst nicht –", beginnt Jule, aber Nora sagt: „Sie will."

    Und ich will. Ich hebe den Kopf und strecke die Zunge heraus und lecke über Julés Schamlippen, und der Geschmack explodiert in meinem Mund – salzig, süß, nass. Jule stöhnt auf, und ihre Hüften senken sich tiefer, und ich öffne meinen Mund und ziehe sie an mich, sauge an ihren Schamlippen, lasse meine Zunge zwischen sie gleiten, bis ich ihre Klitoris finde, hart und geschwollen unter meiner Zunge.

    „Verdammt, Miststück", keucht Jule, und ihre Hände greifen nach meinem Haar, halten meinen Kopf fest, während sie sich gegen meinen Mund reibt. „Du machst das so gut."

    Noras Hände sind auf meinen Schenkeln, schieben sie auseinander, und dann spüre ich ihren Mund – warm, nass, präzise – auf meiner eigenen Muschel. Ihre Zunge teilt meine Schamlippen, und ich schreie auf in Julés Muschel weil die Empfindung so überwältigend ist, so präzise, als hätte Nora eine Karte meiner Nervenenden und folgte ihr Punkt für Punkt.

    Wir sind ein Dreieck aus Körpern und Münden und Händen, auf einem Stein über einem See, und die Sterne sehen zu. Jule reitet mein Gesicht, ihre Muschel trieft auf meine Zunge, und Nora leckt mich, ihre Zunge tief in meiner Öffnung, dann über meine Klitoris, dann wieder hinein, und ich komme, und es ist wie ein Erdbeben, das von meinem Zentrum aus nach außen rollt, durch meine Beine, durch meinen Bauch, durch meine Brüste, und ich schreie, und mein Schrei geht in Julés nasse Muschel, und Jule kommt auch, ihre Säfte laufen über mein Kinn, über meine Wangen, und sie zittert über mir.

    Nora richtet sich auf. Ihr Gesicht ist nass von mir, glänzend im Mondlicht, und sie leckt ihre Lippen. „Mehr", sagt sie.

    Ich keuche. Mein Körper zittert. Aber Noras Augen sagen mir, dass das erst der Anfang war.

    Jule rollt sich von mir und legt sich neben mich, ihre Hand auf meiner Brust, ihr Mund an meinem Ohr. „Du bist so heiß", flüstert sie. „Deine Zunge in meiner Muschel – ich konnte nicht anders, als zu kommen."

    Nora steht auf und geht zu ihrer Hose. Sie greift in eine Tasche und holt etwas heraus, das im Mondlicht schimmert – ein schmaler, schwarzer Riemen mit einem Dildo, nicht zu groß, aber bestimmt. Sie zieht ihn an, und das Band spannt sich um ihre Hüften, und der Dildo ragt vor ihr auf, hart und bereit.

    „Jetzt", sagt Nora, „lernst du, was es heißt, dich zu übergeben."

    Sie kommt zurück, stellt sich zwischen meine Beine, die noch offen sind, und ich sehe den Dildo vor mir, und etwas in mir zieht sich zusammen – Angst, Begierde, beides gleichzeitig. Jule streichelt meine Brust, ihre Finger auf meiner Brustwarze, und ich bebe.

    Nora kniet sich zwischen meine Schenkel. Sie führt den Dildo an meine Öffnung, und ich spüre die Spitze an meinen Schamlippen, hart und glatt. Sie schiebt sie hinein, langsam, Zentimeter um Zentimeter, und ich dehne mich um sie, und die Füllung ist überwältigend – nicht schmerzhaft, aber intensiv, eine Präsenz in mir, die mich aufteilt und öffnet.

    „Verdammt", stöhne ich. „Verdammt, verdammt –"

    „Nimm es", sagt Nora. „Ganz."

    Sie schiebt tiefer, bis sie ganz in mir ist, und ich spüre den Riemen an meinen Schamlippen, spüre, wie sie sich an mir reibt, wenn sie sich bewegt. Sie zieht zurück und stößt wieder vor, und der Rhythmus baut sich auf, langsam zuerst, dann schneller, härter, und jeder Stoß sendet eine Welle durch meinen Körper, von meiner Muschel bis zu meinen Brüsten bis zu meinem Kopf, der auf dem Stein liegt und zu den Sternen schaut.

    Jule küsst mich, ihre Zunge in meinem Mund, und ich schmecke mich selbst auf ihren Lippen – meine Säfte, gemischt mit ihren. Ihre Hand massiert meine Brust, und Nora fickt mich, und ich komme wieder, und diesmal ist es härter, ein Krampf, der meinen ganzen Körper erfasst, und ich beuge mich durch, und Nora hält meine Hüften fest und fickt mich durch den Orgasmus, und ich schreie, und Jule hält meinen Mund offen, und ich komme und komme und komme.

    Nora zieht sich zurück. Der Dildo gleitet aus mir, und ich fühle mich leer, offen, nass. Meine Säfte und mein Schweiß mischen sich auf dem Stein.

    „Auf die Knie", sagt Nora.

    Ich rolle mich um, und meine Knie finden den Stein, und meine Hände stützen mich ab, und ich bin auf allen Vieren, mein Arsch in der Luft, meine Muschel offen und triefend. Nora stellt sich hinter mich, und ich spüre den Dildo wieder, diesmal an einer anderen Stelle – an meinem Arschloch, feucht von meinen Säften.

    „Entspann dich", sagt Nora. „Atme aus."

    Ich atme aus, und sie drückt, und die Spitze des Dildos gleitet in meinen Arsch, und die Dehnung ist intensiv, brennend, neu. Ich keuche, und Jule legt sich vor mich, ihre Muschel an meinem Gesicht, und ich lecke sie, während Nora meinen Arsch öffnet, langsam, geduldig, Zentimeter um Zentimeter, bis sie in mir ist, und die Füllung ist anders als in meiner Muschel – tiefer, intensiver, schambesetzender.

    „Du nimmst es so gut", sagt Nora, und ihre Stimme ist voller Wärme, und ihre Hände streicheln meine Hüften, mein Kreuz, meinen Rücken. Sie beginnt, sich zu bewegen, langsame Stöße, und ich lecke Julés Muschel, und Jule stöhnt und reibt sich an meinem Gesicht, und Nora fickt meinen Arsch, und die drei von uns finden einen Rhythmus, wie eine Atmung, wie ein Herzschlag, und ich spüre, wie ein dritter Orgasmus in mir aufbaut, nicht in meiner Muschel und nicht in meinem Arsch, sondern irgendwo dazwischen, in einem Raum, den ich nicht kenne, und als er kommt, ist es nicht wie ein Beben, sondern wie ein Aufbrechen, ein Schmelzen, ein Fließen, und ich weine, und ich komme, und ich lecke Julés Muschel, und Nora fickt meinen Arsch, und Jule kommt auf meiner Zunge, und ich komme, und die Sterne drehen sich über uns.

    Nora zieht sich zurück. Sie löst den Riemen und legt ihn beiseite. Sie legt sich neben mich, und Jule auf der anderen Seite, und wir liegen da, drei nackte Körper auf einem Stein über einem See, und unsere Haut klebt von Schweiß und Säften, und unser Atem verlangsamt sich.

    Jule streicht mir die Haare aus der Stirn. „Wie geht es dir?", fragt sie.

    Ich versuche zu sprechen, aber die Worte kommen nicht. Nicht, weil ich sie nicht finde, sondern weil die, die ich brauche, noch nicht existieren. Ich nicke. Ich atme. Ich schließe die Augen.

    Nora legt ihre Hand auf meinen Bauch. „Du warst fantastisch", sagt sie. Und in ihrer Stimme liegt etwas, das ich nicht erwartet habe – Sanftheit. Nicht die kühle Präzision von vorhin, sondern eine Wärme, die mir sagt, dass das, was gerade passiert ist, nicht nur ein Spiel war.

    Ich öffne die Augen. Die Sterne sind noch da. Der See rauscht noch. Der Wald um uns herum atmet. Und ich liege hier, nackt und offen und erschöpft und lebendiger, als ich mich seit Jahrzehnten gefühlt habe.

    „Ich möchte wieder", sage ich, und die Worte kommen von einem Ort in mir, den ich nicht kannte, bis diese Nacht ihn geöffnet hat.

    Jule lacht, leise und warm. Nora lächelt, und in ihrem Lächeln liegt ein Versprechen.

    „Dann machen wir weiter", sagt Nora.

    Die Schotterpiste knirscht unter den Reifen meines Wohnmobils, als ich den letzten Abschnitt des Weges hinter mich lege. Tannenwälder rahmen die Einfahrt ein, und zwischen den Stämmen hindurch blitzt das Wasser des Sees auf, bleigrau unter dem späten Nachmittagshimmel. Ich fahre langsam, passe auf, dass ich keine Wurzeln überfahre. Der Tacho zeigt kaum zwanzig. Vor mir liegt der Campingplatz — klein, familiär, mit einer Handvoll Stellplätzen, die sich um eine zentrale Wiese gruppieren. Ein Schild aus Holz, bemalt mit verschnörkelten Buchstaben, verkündet den Namen: „Seeblick." Darunter, kleiner: „Familienbetrieb seit 1972."

    Ich bringe das Wohnmobil zum Stehen, schalte den Motor aus. Die Stille, die nun einsetzt, ist fast körperlich. Ich sitze einen Moment lang da und lasse sie wirken. Nur das Ticken des abkühlenden Motors, dann ein Vogel, den ich nicht bestimme, und weiter hinten, vom See her, das leise Klatschen von Wasser gegen einen Steg. Ich atme ein. Tannennadeln, feuchte Erde, etwas Süßliches, das vom Gras kommt.

    Ich steige aus. Meine Beine sind steif von der Fahrt — vier Stunden auf der Autobahn, danach die Landstraße, die Kurven, der letzte Aufstieg. Ich strecke mich, rolle die Schultern nach hinten. Das Strickkleid, das ich trage, ein dunkles Oliv, hat sich in der Taille hochgeschoben, und ich ziehe es nach unten. An den Füßen die dicken Wollsocken, die ich immer im Wohnmobil trage — niemand, der mich hier sieht, und das ist mir recht.

    Der Platzbetreiber kommt mir entgegen. Ein Mann Mitte sechzig, sonnengegerbte Haut, ein Gesicht wie eine topografische Karte, jeder Falte eine Geschichte. Er stellt sich vor als Walter. Seine Hände sind rau, als er mir die Hand schüttelt, aber seine Art ist warm, unaufdringlich. Er zeigt mir meinen Stellplatz — abseits der anderen, unter einer alten Eiche, mit Blick auf den See. Ich nicke. Er fragt, ob ich allein reise. Ich sage ja. Er sagt nichts weiter dazu, nur: „Dann haben Sie Ihre Ruhe." Ich bedanke mich.

    Der Aufbau geht langsam vonstatten, wie ich es mag. Ich hole die Markise heraus, spanne sie auf, stelle den kleinen Campingtisch darunter — zwei Klappstühle, ein Windlicht, eine Thermoskanne, die ich noch von zu Hause mitgebracht habe. Innen richte ich das Bett, lege die Wolldecke zurecht, stelle Bücher auf die kleine Ablage über dem Kopfende. Ein schmales Notizbuch, ein Kugelschreiber, eine Lesebrille. Die große Ledertasche kommt auf den Beifahrersitz, wo ich sie immer habe, griffbereit. Ich wische die Arbeitsfläche in der Küchenzeile ab, fülle den Wassertank, prüfe die Batterie. Alles Routine, alles vertraut. Meine Hände kennen jeden Griff.

    Als ich fertig bin, steht die Sonne schon tief. Goldenes Licht fällt flach über die Wiese, wirft lange Schatten der Wohnwagen und Zelte. Der Geruch von Grillfleisch zieht über den Platz, irgendwo lacht ein Kind, und ich höre das Klappern von Geschirr aus dem kleinen Restaurant am Rand der Wiese — eine Holzterrasse mit Blumenkästen und windzeltigen Markisen.

    Ich wechsle das Strickkleid gegen ein sauberes, dunkelblaus, streife mir die Wollsocken ab und ziehe die derbe Wanderschuhe an, die neben der Tür stehen. Die Ledertasche über die Schulter, das Notizbuch darin, ein Buch — „Die Verwandlung" von Kafka, diesmal, weil ich es seit Jahren nicht mehr gelesen habe. Ich schließe das Wohnmobil ab und gehe über die Wiese zum Restaurant.

    Die Terrasse ist halb besetzt. Stammgäste, wie ich an der Gelassenheit erkenne, mit der sie sitzen — an ihren Tischen, mit ihren Gläsern, als gehörten die Stühle ihnen. Walter steht hinter dem Tresen, nickt mir zu. Ich wähle einen Tisch am Rand, setze mich mit dem Blick auf den See. Das Wasser ist jetzt schwarz, nur noch ein schmaler oranger Streifen am Horizont.

    Ich bestelle ein Glas Rotwein und das Tagesgericht — Forelle, wie Walter mir auf Nachfrage verrät. Ich lese, während ich warte. Die Worte von Kafka vertrauen mir langsam, wie alte Bekannte, deren Gesichter ich vergessen hatte. Gregor Samsa erwacht als Käfer. Ich denke an die Verwandlung, an das Festhalten an Formen, die nicht mehr passen. Dann lege ich das Buch beiseite, als das Essen kommt.

    Die Forelle ist gut. Zarter, weißer Fisch, knusprige Haut, ein Schuss Zitrone. Ich esse langsam, trinke den Wein dazu. Die Luft kühlt ab, ich ziehe mir den dünnen Pullover über die Schultern, den ich in der Tasche hatte. Die Grillen beginnen zu zirpen, ihr Geräusch durchdringt die Dämmerung wie ein gleichmäßiger Strom.

    Ich bemerke die beiden Frauen erst, als eine von ihnen lacht — ein klares, ungeniertes Lachen, das über die Terrasse schneidet. Sie sitzen am Nachbartisch, vielleicht drei Meter entfernt. Zwei Frauen, beide Mitte dreißig, schätze ich. Die eine — etwas kleiner, dunkles Haar, das sie zu einem losen Zopf gebunden hat, ein Gesicht, das lacht, bevor der Mund sich öffnet. Sie trägt eine Wanderjacke, darunter ein T-Shirt, Jeans, wandertaugliche Schuhe. Die andere — größer, schlank, aschblondes Haar, das ihr bis auf die Schultern fällt. Ihr Gesicht ist ruhiger, die Züge gleichmäßiger, aber etwas in der Art, wie sie der anderen zuhört, verrät eine Aufmerksamkeit, die über Höflichkeit hinausgeht. Sie trägt ein langärmliges Hemd, aufgerollt bis zu den Ellbogen, eine Stoffhose, die durch Knöpfe am Sauf gehalten wird.

    Ich wende den Blick ab, konzentriere mich auf meinen Wein. Aber das Lachen der Dunkelhaarigen ist ansteckend, und ich merke, wie mein Mundwinkel sich hebt, ohne dass ich es will.

    „Entschuldigung," sagt die Dunkelhaarige plötzlich, und ich merke, dass sie mich anspricht. „Sie sitzen hier so schön allein — stören wir Sie?"

    Ich schaue auf. Beide Frauen haben sich mir zugewandt. Die Dunkelhaarige grinst, die Blonde lächelt, leiser, aber nicht weniger warm.

    „Überhaupt nicht," sage ich. „Ich habe mich eher an Ihrem Lachen erfreut."

    Das Grinsen wird breiter. „Dann haben Sie wenigstens etwas Unterhaltung."

    „Sind Sie allein unterwegs?" fragt die Blonde. Ihre Stimme ist tiefer, als ich erwartet habe, und ruhig.

    „Ja. Mit dem Wohnmobil."

    „Oh, Wohnmobil!" Die Dunkelhaarige beugt sich vor, als hätte ich ein Zauberwort gesagt. „Wir sind mit dem Motorrad da. Zwei Wochen. Die Alpenpässe, dann runter zum See."

    Ich hebe die Augenbrauen. „Motorrad. Das ist mutig in diesem Wetter."

    Die Dunkelhaarige zuckt die Schultern. „Wir mögen es, wenn es wehtut." Sie sagt es beiläufig, fast neckend, aber ich höre etwas darin, das über den Scherz hinausgeht. Die Blonde schmunzelt, sagt nichts.

    Ich frage nach der Route. Sie erzählen — von den Pässen, den Kurven, dem Regen, der sie gestern erwischt hat, von einer kleinen Pension, in der sie übernachtet haben, weil es zu nass war, um das Zelt aufzubauen. Die Dunkelhaarige — sie stellt sich vor als Jule — redet schnell, mit den Händen, springt von einer Geschichte zur nächsten. Die Blonde — sie nennt sich Nora — ergänzt, korrigiert, manchmal nur mit einem Blick oder einem halben Satz.

    Ich erzähle von meiner Fahrt, von dem Archiv, aus dem ich mich habe vorzeitig pensionieren lassen, von dem Plan, den Sommer zu nutzen, um Orte wiederzusehen, die ich vergessen hatte. Jule fragt, was ich archiviert habe. Ich sage: „Alte Dokumente. Briefe, Akten, Dinge, die niemand mehr lesen wollte." Sie lacht. „Dann wissen Sie, wie man Dinge findet, die andere verlieren." Ich überlege, dann nicke ich. „So ähnlich."

    Wir reden über Reisen, über das Alleinsein, über den Unterschied zwischen Einsamkeit und Freiheit. Jule sagt, sie könne nicht lange allein sein, sie brauche jemanden, der zuhört. Nora sagt: „Deshalb bin ich da." Es klingt wie ein Scherz, aber die Art, wie sie Jule dabei ansieht, ist nicht scherzhaft. Ich merke es, registriere es, lege es ab.

    Die Grillen sind lauter geworden, die Terrasse hat sich geleert. Walter bringt die Rechnung, ohne dass ich darum bitte. Er nickt mir zu, dann den beiden Frauen. Ich merke, dass er sie kennt — ein Gruß, der über Höflichkeit hinausgeht. Stammgäste, vielleicht, oder schon länger hier.

    Wir verabschieden uns. Jule streckt die Hand aus, drückt die meine, fest und warm. Nora nickt nur, aber ihr Blick bleibt einen Moment länger an mir, als es üblich wäre.

    „Vielleicht sieht man sich morgen," sagt Jule.

    „Vielleicht," sage ich.

    Ich gehe über die Wiese zurück zu meinem Wohnmobil. Das Gras ist feucht, die Schuhe sinken leicht ein. Der See ist jetzt schwarz, kein Mond, nur die Sterne, die sich im Wasser spiegeln. Ich schließe die Tür hinter mir, ziehe die Schuhe aus, streife das Kleid über. In der Wolldecke auf dem Bett lese ich noch zwei Seiten Kafka, dann stelle ich das Licht aus. Die Dunkelheit ist vollständig. Ich liege da und höre die Grillen und das Wasser und denke an das Lachen der Dunkelhaarigen und den ruhigen Blick der Blonden. Dann schlafe ich.

    Der nächste Tag vergeht langsam. Ich wandere, eine kleine Runde um den See, dann hinauf zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man das Tal sieht. Ich lese, ich notiere, ich koche mir eine einfache Mahlzeit auf dem kleinen Gaskocher. Am Nachmittag setze ich mich mit dem Tablet auf den Schoß vor das Wohnmobil, unter die Markise. Ich lese einen Artikel über die Restaurierung alter Handschriften, etwas, das mich früher beschäftigt hätte, das mich aber jetzt nur noch am Rande interessiert. Ich schließe das Tablet, lege es beiseite, und schenke mir ein Glas Wein ein — eine Flasche Grillo, die ich in der Kleinstadt an der Landstraße gekauft habe, gelblich im Glas, mit einem Duft, der an Stroh und Zitrus erinnert.

    Die Sonne steht tief, das Licht ist weich, fast flüssig. Ich sitze in einem der Klappstühle, die Beine übereinandergeschlagen, die Wollsocken an den Füßen, und schaue auf den See. Es ist ruhig. Die anderen Stellplätze sind besetzt — ein Paar aus den Niederlanden, das mit Fahrrädern angereist ist, eine Familie mit einem alten VW-Bus —, aber jeder hält Abstand. So ist es hier.

    Ich höre Schritte auf dem Gras und wende den Kopf.

    Es sind die beiden Frauen. Jule hat die Wanderjacke ausgezogen, über die Schultern gehängt, das T-Shirt darunter hat Schweißflecken unter den Achseln. Nora geht neben ihr, die Hände in den Taschen der Stoffhose, das Hemd jetzt ohne Aufrollung, die Ärmel bis zu den Handgelenken geschlossen. Beide sehen aus, als hätten sie eine lange Strecke hinter sich.

    „Hallo!" ruft Jule, als sie mich sieht. „Da sind Sie ja."

    „Da bin ich," sage ich. „Guten Abend."

    Sie bleiben stehen, im Halbkreis vor meiner Markise. Nora mustert das Wohnmobil, den kleinen Tisch, das Glas Wein, das Tablet. Jule sieht nur das Glas.

    „Rotwein?"

    „Weiß. Grillo."

    „Grillo," wiederholt Jule, als sei es ein Begriff, den sie prüfen muss. „Darf ich?"

    Ich nicke. „Natürlich. Setzen Sie sich."

    Ich hole zwei weitere Gläser aus dem Wohnmobil, schenke ein. Jule nimmt das Glas, trinkt sofort, schmatzt laut. Nora wartet, bis ich ihr das Glas reiche, nimmt einen kleinen Schluck, nickt.

    Wir sitzen. Drei Stühle, drei Gläser, die Dämmerung über dem See. Jule erzählt von der Wanderung, die sie gemacht haben — hinauf zu einem Bergsee, drei Stunden Aufstieg, die letzte Strecke steil. Sie redet, wie sie gestern geredet hat — schnell, mit den Händen, springend. Nora sitzt neben ihr, das Glas in beiden Händen, und hört zu. Manchmal korrigiert sie eine Zeitangabe oder eine Wegbeschreibung, und Jule akzeptiert es ohne Widerspruch.

    Aus einem Glas werden zwei. Ich öffne eine zweite Flasche, diesmal ein Rosé, den ich im Kühlfach hatte. Die Farben des Himmels verschieben sich — Orange zu Violett zu einem tiefen Indigo. Die Grillen beginnen, und irgendwo am See ruft ein Vogel, den ich nicht kenne.

    Die Stimmung lockert sich. Jule fragt mich nach meinem Beruf, und ich erzähle mehr als gestern — vom Archiv, von den Jahrzehnten in der Bibliothek, von der Ordnung, die ich liebte, und von der Enge, die aus dieser Liebe entstand. Nora fragt: „Warum haben Sie aufgehört?" Ich überlege. „Weil die Ordnung mir nicht mehr gereicht hat." Sie nickt, als verstünde sie mehr, als ich sage.

    Jule erzählt von sich. Sie arbeitet in einem Tierheim, hat Tiermedizin studiert, aber nicht abgeschlossen. Sie redet schnell über ihre Tiere — Hunde, Katzen, einmal einen Igel — und ich merke, dass sie mit den Händen spricht, weil sie es gewohnt ist, Dinge zu greifen, zu halten, zu berühren. Nora arbeitet in der Verwaltung einer Stiftung, etwas mit Kultur und Förderung. Sie spricht weniger über sich, aber wenn sie spricht, sind die Sätze präzise, gewählt.

    Ich schenke nach. Das dritte Glas. Die Luft kühlt ab, ich hole eine Wolldecke aus dem Wohnmobil und breite sie über meinen Schoß. Jule fragt, ob sie sich anlehnen darf — an das Wohnmobil, nicht an mich — und rutscht vom Stuhl auf den Boden, das Glas in der Hand, die Beine ausgestreckt. Nora bleibt sitzen, aber sie lehnt sich zurück, der Kopf gegen die Wand des Wohnmobils, die Augen auf den See gerichtet.

    Es ist in diesem Moment — als Jule den Kopf in den Nacken legt, um das Glas zum Mund zu führen —, dass mein Blick darauf fällt.

    Ein Band um ihren Hals. Schlicht, dunkles Leder, schmal, vielleicht einen Zentimeter breit. Und daran, genau über dem Kehlkopf, ein kleiner Ring aus Metall. Nicht versilbert, nicht verchromt — massiv, von einer Farbe, die im Licht der Campinglampe gedämpft glänzt. Stahl, vielleicht, oder Titan. Das Band liegt flach an der Haut, nicht zu fest, nicht zu locker. Es wirkt nicht wie Schmuck, der zufällig gewählt wurde. Es wirkt getragen, bewusst, mit Absicht.

    Ich starre nicht. Mein Blick verharrt, vielleicht zwei Sekunden, dann wende ich mich dem Glas in meiner Hand zu. Aber in diesen zwei Sekunden passiert etwas. Jule bemerkt meinen Blick — ich sehe es an der Art, wie ihr Mund sich hebt, nicht überrascht, nicht ertappt. Ein Lächeln, das etwas weiß, das etwas erwartet. Sie senkt das Glas, streicht mit den Fingern über das Band, eine Geste, die beiläufig wirkt und es nicht ist.

    Nora hat es gesehen. Ich merke es nicht an einer Bewegung, sondern an einer Stille — die Art, wie ihr Atem für einen Moment anhält, wie ihr Blick von Jule zu mir wandert und zurück. Sie sagt nichts. Aber ihre Haltung verändert sich, minimal — sie richtet sich auf, die Schultern einen Zentimeter weiter nach hinten, das Kinn einen Hauch gehoben.

    Drei Sekunden. Vielleicht vier. Die Grillen zirpen. Die Campinglampe flackert, ein Windzug, der vorbeizieht. Jule trinkt aus. Niemand spricht.

    Dann sagt Jule: „Der Wein ist gut." Und Nora sagt: „Ja." Und ich nicke und schenke nach, und das Gespräch findet seinen Weg zurück zu etwas, das sich wie Alltag anfühlt — die Wanderung morgen, der Wetterbericht, den ich auf dem Tablet abrufe, die Frage, ob der Fisch im See essbar ist.

    Aber etwas ist verschoben. Ein Blatt, das sich bewegt hat. Ich merke es an der Art, wie Jule sitzt — aufrechter jetzt, die Hände ruhiger, das Lachen leiser. Und an der Art, wie Nora neben ihr sitzt — nah, die Knie fast berührend, eine Präsenz, die vorher da war, aber jetzt sichtbarer ist.

    Ich frage nicht nach dem Band. Nicht jetzt. Nicht in diesem Moment, der zu zerbrechlich ist, als dass ich ihn mit einer Frage belasten könnte. Ich kenne die Antwort nicht, und ich kenne die Frage nicht richtig. Aber ich kenne den Blick, den Jule mir gegeben hat — wissend, einladend, prüfend. Und ich kenne die Stille, die Nora gewahrt hat — nicht abwehrend, nicht ängstlich, sondern wie jemand, der eine Tür öffnet und wartet, ob der andere eintritt.

    Später — das dritte Glas ist leer, das vierte halb voll, und die Nacht ist vollständig — kommt das Gespräch auf Vertrauen.

    Ich weiß nicht mehr, wie es dazu kommt. Vielleicht ist es der Wein, vielleicht die Dunkelheit, vielleicht die Tatsache, dass wir drei hier sitzen, fremd und doch nah, in einer Nacht, die uns gehört. Jule sagt etwas über ihre Arbeit im Tierheim, über die Hunde, die kommen und gehen, über die Schwierigkeit, ein Tier abzugeben, das ihr vertraut hat. Dann sagt sie: „Vertrauen ist das Schwerste. Und das Einfachste."

    Nora schaut sie an, nicht mich. „Was ist einfach daran?"

    Jule zuckt die Schultern. „Wenn man sich entscheidet. Wenn man aufhört, zu fragen."

    Ich höre. Ich höre auf die Worte und auf das, was zwischen ihnen liegt. Nora sagt: „Entscheidung ist nicht dasselbe wie Aufgabe." Und Jule sagt: „Manchmal schon."

    Es entsteht eine Pause. Nora schaut auf ihr Glas. Jule streicht wieder über das Band an ihrem Hals, diesmal langsam, der Finger folgt dem Leder bis zum Ring, bleibt dort, dreht ihn leicht. Ich sehe es, und sie weiß, dass ich es sehe.

    Ich sage: „Vertrauen bedeutet, dass man etwas trägt, ohne es ständig prüfen zu müssen."

    Nora hebt den Kopf. Sie schaut mich an, zum ersten Mal in diesem Teil des Gesprächs direkt. Ihr Blick ist messend, nicht kalt, aber nicht warm — der Blick von jemandem, der prüft, ob der Boden trägt, bevor er einen Schritt macht.

    „Ja," sagt sie. „Genau das."

    Jule sagt nichts. Aber ihre Hand löst sich vom Ring, und sie legt sie auf Noras Knie. Nora deckt sie mit der ihren. Die Geste dauert drei Sekunden, dann lassen beide los.

    Das Gespräch weicht. Jule fragt mich nach Kafka, den sie gestern auf dem Tisch gesehen hat. Ich erzähle von Gregor Samsa, von der Verwandlung, von der Frage, was man wird, wenn man aufhört, das zu sein, was andere erwarten. Jule sagt: „Vielleicht wird man dann das, was man immer war." Nora sagt: „Oder man wird etwas Neues." Ich merke, dass beide Antworten nicht zufällig sind.

    Wir reden über Berufe, über Beziehungen, über das Leben, das man sich aussucht, und das Leben, das sich einen aussucht. Jule erzählt von einer langen Beziehung, die zerbrochen ist, vor drei Jahren, und von der Zeit danach, in der sie gelernt hat, dass Alleinsein nicht dasselbe ist wie Einsamkeit. Nora hört zu, sagt wenig, aber ich merke, dass sie diese Geschichte schon kennt — nicht aus Erzählung, sondern aus Nähe.

    Ich erzähle von meiner Arbeit, von den Jahrzehnten in der Bibliothek, von der Stille, die ich liebte, und von der Stille, die mich am Ende erstickt hat. Ich sage: „Ich bin gegangen, weil ich bleiben wollte. Auf eine andere Art."

    Jule nickt. Nora fragt: „Und? Ist es anders?"

    Ich überlege. „Ja. Aber nicht leichter."

    Es ist spät. Die Campinglampe ist schwächer geworden, die Batterie geht zur Neige. Jule gähnt, ungeniert, streckt sich. Nora schaut auf ihr Handy — die Zeit, eine Nachricht, etwas, das sie kurz liest und beiseite legt.

    „Wir sollten gehen," sagt Nora.

    Jule richtet sich auf, vom Boden aus, mit einer Geschmeidigkeit, die mich an eine Katze erinnert. Sie streicht sich über die Halsgegend — über das Band — und lächelt mich an.

    „Schlafen Sie gut," sagt sie.

    „Ihr auch," sage ich.

    Nora steht schon. Sie wartet auf Jule, die sich die Wanderschuhe anzieht, die sie ausgezogen hatte, als sie sich auf den Boden gesetzt hat. Dann gehen sie, nebeneinander, über die Wiese. Ich sehe ihre Silhouetten im Mondlicht — Jule kleiner, lebhafter, Nora größer, ruhiger. Sie verschwinden zwischen den anderen Wohnmobilen.

    Ich bleibe sitzen. Das Glas in meiner Hand ist leer. Ich schaue auf den See, auf das Schwarz des Wassers, das das Schwarz des Himmels spiegelt. Ich denke an das Band, an den Ring, an den Blick, den Jule mir gegeben hat, und an die Stille, die Nora gewahrt hat. Ich denke an Vertrauen, an Rollen, an die Dinge, die Menschen tragen — sichtbar und unsichtbar.

    Ich räume die Gläser ab, wasche sie im Wohnmobil, stelle sie zurück. Ich ziehe mir das Strickkleid über, das ich für die Nacht bereitgelegt habe, und lege mich auf das Bett. Die Wolldecke über mir, das Notizbuch neben dem Kopfende. Ich schreibe einen Satz hinein: „Menschen sind nie das, was sie auf den ersten Blick zu sein scheinen." Dann schalte ich das Licht aus und liege in der Dunkelheit, höre die Grillen und das Wasser und den Atem der Nacht.

    Die nächsten Tage verändern sich.

    Am ersten Morgen nach dem Weinabend stehe ich früh auf, koche Kaffee auf dem Gaskocher, und als ich mit der Tasse vor dem Wohnmobil sitze, kommen Jule und Nora vorbei. Sie haben Brot dabei, und Käse, und wir frühstücken zusammen, auf der Wiese, im Sonnenschein, der die Tautropfen vom Gras verdunsten lässt. Jule erzählt von einem Hund im Tierheim, der nicht lernen will, auf seinen Namen zu hören. Nora sagt: „Vielleicht hört er auf einen anderen." Jule lacht.

    Am zweiten Tag machen wir eine Wanderung. Drei Stunden, hinauf zu einem Bergsee, der in einem Kessel liegt, umgeben von Fels und Gras. Jule geht voraus, schnell, ungeduldig, springt über Wurzeln. Nora geht hinter ihr, gleichmäßig, kein Tempowechsel. Ich gehe zwischen ihnen, mein Rhythmus, meine Geschwindigkeit. Am See setzen wir uns, essen das Brot, das Nora vorbereitet hat — belegt, geschnitten, in Leinen gewickelt. Jule schwimmt, ohne Badezeug, ich wende den Blick ab, Nora nicht. Ich merke es, aber ich sage nichts.

    Am dritten Abend grillen wir. Walter hat uns Holzkohle gegeben, und Jule brät Würste und Zucchini auf dem kleinen Grill, den ich aus dem Wohnmobil geholt habe. Wir essen stehend, von Papptellern, mit den Fingern. Nora schenkt Wein ein, ich bringe den Salat, den ich vorbereitet habe. Die Niederländer kommen vorbei, das Paar mit den Fahrrädern, und wir reden über Routen und Wetter und die Qualität des Biers, das Walter ausschenkt.

    Am vierten Tag machen wir eine Fahrradtour um den See. Drei Stunden, langsam, mit Pausen. Jule trägt das Band. Ich habe aufgehört, es nicht zu bemerken. Es ist da, wie ihre Stimme, ihr Lachen, ihre Hände. Nora fährt neben ihr, und manchmal, wenn Jule zu schnell wird, legt Nora eine Hand auf ihren Rücken, und Jule verlangsamt. Es ist eine Geste, die niemand außer mir sieht.

    Abends sitzen wir zusammen. Jedes Mal vor meinem Wohnmobil, unter der Markise, mit Wein und Worten. Die Gespräche werden länger, persönlicher. Jule erzählt von ihrer Familie — einer Mutter, die nicht versteht, warum sie im Tierheim arbeitet, einem Vater, der schweigt. Nora erzählt von ihrer Arbeit, von der Stiftung, von den Anträgen, die sie liest, und den Geschichten, die darin stecken. Sie sagt: „Jeder Antrag ist eine Bitte. Und jede Bitte ist ein Eingeständnis."

    Ich erzähle von meinem Archiv. Von den Briefen, die ich gelesen habe — Hunderte, Tausende, von Menschen, die sich etwas wünschten, etwas erklärten, etwas vertrauten. Ich sage: „Briefe sind die ehrlichste Form der Sprache. Weil man allein ist, wenn man sie schreibt."

    Jule fragt: „Und jetzt? Schreiben Sie noch Briefe?"

    Ich überlege. „Ich schreibe Notizen. An mich selbst."

    „Das ist auch ein Brief," sagt Nora.

    Ich merke, dass sich etwas gelöst hat. In mir. In der Art, wie ich sitze, wie ich spreche, wie ich zuhöre. Die Distanz, die ich gewahrt habe — die professionelle, die altersgemäße, die schützende — ist dünner geworden. Nicht verschwunden, aber durchlässiger. Ich lasse Worte zu, die ich sonst prüfe. Ich lache über Dinge, die ich sonst nur zur Kenntnis nehme. Ich erlaube mir, neugierig zu sein.

    Eines Abends — es ist der sechste oder siebte Tag, ich habe aufgehört zu zählen — kommt Jule allein zu mir. Nora sei müde, sagt sie, sie liege im Zelt und lese. Jule setzt sich auf den Stuhl, die Beine angezogen, das Kinn auf die Knie. Sie trägt ein T-Shirt und die Jogginghose, die sie abends trägt. Das Band liegt an ihrem Hals, der Ring glänzt im Licht der Lampe.

    Wir reden. Über dies und das, über den Tag, über den Hund, der immer noch nicht auf seinen Namen hört. Dann, plötzlich, sagt Jule: „Sie haben es gesehen. Das Band."

    Ich nicke. Keine Frage, keine Erklärung. Nur das Nicken.

    „Fragt Sie nicht, was es bedeutet?"

    Ich überlege. „Es bedeutet, was es für Sie bedeutet."

    Jule schaut mich an. Ihr Blick ist anders als sonst — nicht lachend, nicht provozierend, nicht prüfend. Offen, auf eine Art, die ich nicht erwartet habe. Sie sagt: „Es bedeutet, dass ich etwas trage, das jemand mir gegeben hat. Und dass ich es nicht abnehme."

    „Wer?" frage ich.

    Sie lächelt. „Nora."

    Ich sage nichts. Sie sagt nichts. Die Grillen zirpen, die Lampe flackert, der See schlägt gegen den Steg.

    Dann sagt Jule: „Es ist nicht, was Sie vielleicht denken."

    „Ich denke nichts Bestimmtes."

    „Doch." Sie lächelt. „Das tun Sie. Ich sehe es."

    Ich streiche über den Rand meines Glases. „Vielleicht. Aber ich urteile nicht."

    „Das weiß ich." Sie sagt es leise, und in ihrer Stimme liegt etwas, das ich nicht benenne. „Deshalb sitze ich hier."

    Sie geht kurz darauf. Ich bleibe sitzen, das leere Glas in der Hand, und schaue auf den See. In der Ferne höre ich die Tür ihres Zeltes, gedämpfte Stimmen — Jule und Nora, Worte, die ich nicht verstehe. Ich denke an das Band, an den Ring, an die Worte „es ist nicht, was Sie vielleicht denken." Und ich denke daran, dass ich nicht weiß, was ich denke. Dass meine Neugier mich an Orte führt, die ich nicht kenne, und dass ich nicht sicher bin, ob ich dorthin gehören will.

    Am nächsten Morgen frühstücken wir wieder zusammen. Nora ist da, ruhig, präsent, die Hände um die Kaffeetasse. Jule sitzt neben ihr, die Schultern berühren sich. Das Band liegt an ihrem Hals, sichtbar, unauffällig, getragen.

    Ich schaue nicht hin. Aber ich weiß, dass es da ist.

    Wir reden über den Tag, über das Wetter, über die Wanderung, die wir planen. Es ist normal, alltäglich, leicht. Und darunter, wie ein Grundriss unter einem Boden, liegt etwas anderes — eine Struktur, die ich erahne, ohne sie zu kennen. Rollen, Verantwortung, Vertrauen. Dinge, die getragen werden, ohne dass man sie sieht.

    Ich packe meinen Rucksack für die Wanderung. Die Ledertasche über die Schulter, das Notizbuch, die Wasserflasche. Ich gehe mit ihnen, über die Wiese, den Pfad hinauf, den Bergsee entgegen. Jule geht voraus, Nora hinter ihr, ich dazwischen. Die Sonne scheint, die Grillen zirpen, und der See liegt hinter uns, still und schwarz und voller Dinge, die unter der Oberfläche bleiben.

    Ich denke: Menschen sind nie das, was sie auf den ersten Blick zu sein scheinen. Und ich denke: Das ist gut so.

    Danke, das freut mich wirklich. 🖤

    Ich schreibe schon seit mehreren Jahren, allerdings nicht durchgehend. Angefangen habe ich mit einfachen Erlebnisberichten. Mit der Zeit wurden daraus immer längere Geschichten. Vieles hat sich einfach entwickelt – je mehr ich geschrieben habe, desto leichter fiel es mir, Bilder und Gefühle mit Worten einzufangen.

    Und was meinst du mit „die Vorbilder hier sind erdrückend“? Dass du denkst, die anderen schreiben so gut, dass du dich nicht traust? Falls ja, dann lass dich davon bitte nicht bremsen. Jeder Autor hat einmal mit der ersten Geschichte angefangen. Wichtig ist nicht, perfekt zu schreiben, sondern Geschichten zu erzählen, die von Herzen kommen.

    Die Sonne hängt tief über dem Meer, ein breiter oranger Streifen am Horizont, und Claire steht in der offenen Terrassentür ihres Hauses, den dunkelgrünen Frottee-Bademantel über den Schultern, und sieht zu mir herüber. Ich sitze auf meiner kleinen Veranda, die Füße auf den Holzdielen, und lese nicht, das Buch liegt aufgeschlagen auf meinem Schoß. Ich habe die ganze Seite nicht umgeblättert. Die Worte verschwimmen vor meinen Augen, seit ich aufgewacht bin, seit heute Morgen am Strand, seit ihre Hände auf meiner Haut waren. Claire hebt die Hand, nicht winkend, eher eine Geste, die sagt: Komm. Ich stehe auf, lasse das Buch liegen, und gehe die Stufen hinunter, über den schmalen Pfad zwischen den Dünengräsern, der zu ihrem Haus führt. Claire zieht den Bademantel enger um sich und nickt zum Strand. „Die letzten Strahlen", sagt sie. „Komm mit."

    Ich folge ihr. Der Weg durch die Dünen ist schmal, das Holz der Stege knarrt unter unseren Füßen, Claire barfuß, der Bademantel schwingt bei jedem Schritt, und ich sehe ihre muskulösen Waden, wie sie sich bei jedem Schritt anspannen, die weichen Kurven ihrer Oberschenkel darunter, und ich schaue weg, und dann wieder hin. Sie ist Mitte vierzig, und ich bin achtzehn, und das Alter ist nicht das, was mich verwirrt, sondern die Selbstverständlichkeit, mit der sie sich bewegt, als hätte sie nie an etwas gezweifelt. Ich trage Sandalen, die ich am Ende des Stegs ausziehe, und dann spüre ich den Sand, noch warm von dem Tag, zwischen meinen Zehen. Die Körner sind fein, fast wie Mehl, und die Wärme kriecht meine Sohlen hinauf, und ich atme tief ein. Die Sonne ist jetzt ein schmaler Streifen, das Licht goldig und weich, und wir setzen uns in den Dünenrand, wo der Sand trocken und fein ist, der Abhang zum Strand hin abfällt. Claire lässt den Bademantel über ihre Schultern hängen, der dunkelblaue Badeanzug schimmert im letzten Licht, der Stoff spannt sich über ihren Brüsten, über ihren Hüften, und ich versuche nicht zu starren, und es gelingt mir nicht. Ich setze mich neben sie, die Knie angezogen, der weiße Baumwollrock über meinen Schenkeln, und schaue zum Meer. Die Wellen kommen langsam hereingerollt, brechen leise, der Schaum zieht sich zurück. Es ist still, nur das Rauschen und der Wind, der die Dünengräser bewegt.

    Claire dreht sich zu mir, und ihre Hand legt sich auf meinen Knöchel. Ihre Finger sind warm, und ich spüre jeden einzelnen von ihnen, den Druck, die Haut, und ein Schauer geht durch mich, der nichts mit der abkühlenden Luft zu tun hat. Ich schaue sie an, ihre dunklen Augen sind weich, das Gesicht entspannt, und sie sagt: „Dreh dich." Ich zögere, und sie sagt, leiser, mit diesem Akzent, der die Vokale abrundet: „Einfach drehen. Entspann dich." Ich wende mich ab, schaue zum Meer, meine Füße im Sand, und Claire rutscht näher. Ich spüre ihre Wärme hinter mir, bevor ich ihre Hände spüre, und dann legen sich ihre Handflächen um meine Fußsohlen, und ich atme scharf ein. Ihre Haut ist warm und trocken, und ihre Handflächen passen sich an die Form meiner Füße an, und ich spüre, wie sich etwas in meinem Bauch zusammenzieht, ein Kribbeln, ein Ziehen, das tiefer sitzt als die Muskeln.

    Ihre Daumen finden das Fußgewölbe, und sie beginnt zu drücken, langsam, kreisförmig, und ich spüre, wie sich etwas in mir löst. Ich atme aus, länger als ich dachte, und Claire sagt: „Gut. Lass gehen." Ihre Daumen arbeiten sich tiefer, sie drückt fest, und ein Schmerz, der nicht wirklich Schmerz ist, zieht durch meine Sohle hoch bis in die Wade. Ich nicke, sage nichts, und Claire massiert weiter, ihren Daumen in kleinen Kreisen, und ich spüre jede Drehung, jede Verschiebung des Drucks, wie meine Muskeln sich dehnen und weich werden. Meine Zehen entspannen sich, und ich spüre den Sand unter ihnen, und ich spüre Claires Hände, und ich spüre das Rauschen des Meeres in meinem Körper, als würde es mich von innen waschen.

    Das Licht verändert sich, das Orange wird zu Rosa, zu einem tiefen Violett, und die Sonne verschwindet hinter dem Meer. Der Himmel ist noch hell, aber der Sand wird kühler. Claire wechselt den Fuß, ihre Hände umschließen meine linke Fußsohle, und ihre Daumen drücken tief in das Gewebe, und ich spüre, wie mein Körper sich auf die Berührung konzentriert, wie alles andere verschwindet, nur ihre Hände und meine Füße und das Rauschen des Meeres. Ich lehne mich zurück, auf meine Hände gestützt, und der Himmel über mir ist ein weites, dunkelndes Blau. Claire drückt ihren Daumen in die Kugel unter meiner großen Zehe, und ich stöhne leise, und sie sagt: „Da sitzt alles." Und ich weiß nicht, was sie meint, aber ich nicke, und sie drückt weiter, und ich spüre, wie die Anspannung der letzten Tage aus mir herausfließt, durch meine Füße in den Sand, und ich werde weich, und ich werde offen.

    Ihre Daumen wandern höher, über den Knöchel, in die Wade, und ich spüre, wie ihre Finger sich um meinen Unterschenkel legen, fest, und sie knetet den Muskel, der seit dem Gehen am Strand heute Morgen verspannt war. Ich atme tiefer, und Claire sagt: „Du bist verkrampft." Es ist keine Frage. Ich nicke. Sie drückt tiefer, und ich spüre, wie sich der Muskel unter ihren Händen löst, wie der Schmerz weicht und etwas anderes kommt, etwas, das sich wie Wärme anfühlt, aber nicht Wärme ist. Es ist ein Pochen, ein Pulsieren, das sich von meiner Wade ausbreitet, hinter mein Knie, in meine Oberschenkelinnenseite, und ich beiße mir auf die Lippe. Ihre Finger arbeiten sich tiefer in die Wade, und ich spüre ihre Fingernägel, kurz, die über meine Haut kratzen, und ein Stöhnen entweicht mir, das ich nicht geplant habe.

    Claire rückt näher, ihre Oberschenkel berühren meine, und ich spüre die Wärme ihres Körpers durch den Badeanzug und den Bademantel. Sie riecht nach Meer und etwas Erdigem, und ich schließe die Augen. Ihre Hände wandern höher, über das Knie, und ihre Daumen drücken in die weiche Haut hinter der Kniescheibe, und ich zucke zusammen, nicht vor Schmerz, sondern weil die Berührung etwas in mir berührt, das tiefer sitzt als die Muskeln. Claire sagt: „Lass es zu. Du musst nicht festhalten." Und ich merke, dass ich die Zehen gekrampft habe, und ich löse sie, und ihre Hände wandern weiter, über die Oberschenkel, und der Baumwollrock rutscht hoch, und ihre Finger streifen über die Haut meiner Oberschenkel, und ich spüre, wie sich etwas in meinem Unterleib zusammenzieht, ein Ziehen, ein Verlangen, das ich kenne, aber nicht erwartet habe, nicht hier, nicht jetzt. Mein Slip wird feucht, und ich spüre es, und ich erröte, und Claire sagt nichts, aber ihre Hände bleiben, und ihre Daumen drücken tiefer in meine Oberschenkelmuskulatur, und ich spüre, wie sich mein Körper unter ihren Händen öffnet.

    Claire massiert meine Oberschenkel, ihre Daumen drücken tief in die Muskeln, und ich spüre ihre Finger, wie sie sich um mein Bein schließen, und ich lehne mich an sie, mein Rücken gegen ihre Brust, und ich spüre, wie sie sich mir anpasst, wie ihre Haltung weicher wird, um mich aufzunehmen. Ihr Atem ist an meinem Ohr, und ich spüre, wie ihre Brust sich hebt und senkt, die weiche Wölbung durch den Badeanzugstoff gegen meinen Rücken, und ich atme mit ihr, und das Rauschen des Meeres wird zu einem Rhythmus, der zu unserem Atem passt. Ihre Hände wandern weiter, die Daumen drücken in die Innenseiten meiner Oberschenkel, und ich spüre, wie meine Haut heiß wird, und ich öffne die Augen, und das Licht ist jetzt dunkelblau, und die ersten Sterne stehen am Himmel, und das Meer ist ein dunkles, rauschendes Etwas, und Claires Hände sind auf meiner Haut, und ich will, dass sie weitergehen, und ich will, dass sie aufhören, und ich will weder von beiden, und ich lehne mich fester an sie.

    Claire sagt, leise, mit ihrem weichen Akzent: „Ich spüre das." Und ich weiß, dass sie mich nicht meint, sondern das Zittern in meinem Oberschenkel, das Beben, das nicht aufhört, und ihre Hände legen sich fester um meine Beine, und sie massiert weiter, und ich spüre, wie sich mein Körper öffnet, wie sich etwas löst, das ich nicht wusste, dass es fest war. Ihre Finger sind so nah an meinem Slip, und ich spüre, wie jede Berührung meiner Innenschenkelhaut einen Impuls nach oben sendet, direkt zu meiner Klitoris, die anschwillt und pocht, und ich presse die Schenkel zusammen, und Claire sagt: „Nein. Öffne dich." Und ich öffne die Schenkel, und ihre Hände liegen auf meinen Innenseiten, und ich spüre die Luft zwischen meinen Schenkeln, und ich spüre die Nässe in meinem Slip, und ich will, dass sie mich berührt, und ich will, dass sie es nicht tut, und ich weiß nicht, was ich will.

    Ich drehe den Kopf, und mein Gesicht ist nah an ihrem, und ich spüre ihren Atem auf meinen Lippen, und ich küsse sie, und der Kuss ist anders als heute Morgen, nicht vorsichtig, nicht fragend, sondern offen, und ich spüre, wie ihre Hände auf meinen Oberschenkeln still werden, und dann greifen sie fester zu, und ich spüre ihre Finger, wie sie in meine Haut drücken, und ich öffne den Mund, und ihre Zunge findet meine, und ich schmecke sie, und ich schmecke Salz, und ich drehe mich weiter, und ich liege halb in ihren Armen, und ihre Hände lassen meine Oberschenkel los und finden meine Hüften, und sie zieht mich an sich, und ich spüre ihren Körper, schlank und fest, unter dem Badeanzug, und ich will mehr, ich will alles, und ich spüre, wie sich mein Verlangen von etwas Warmem zu etwas Heißem verwandelt, und ich greife nach ihrem Zopf, und ich ziehe sie näher, und wir küssen uns, und das Meer rauscht, und die Dunkelheit fällt, und ich bin nicht mehr die, die Angst hat.

    Ihre Zunge tanzt gegen meine, und ich sauge an ihr, und Claire stöhnt in meinen Mund, und der Klang geht durch mich wie ein Stromstoß, und ich spüre, wie sich meine Fotze zusammenzieht, wie ein Tropfen Nässe aus mir herausläuft, und ich schäme mich nicht, und ich schäme mich, und Claire löst sich von meinem Mund, und ihre Lippen sind feucht, und sie sagt: „Du zitterst." Und ich nicke, und sie streicht mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht, und ich spüre ihre Finger an meiner Schläfe, und ich schließe die Augen. Claire sagt: „Ich habe dich." Und ich öffne die Augen, und ich sehe sie, und ich sage: „Claire." Und es ist alles, was ich sagen kann, und sie versteht, und ihre Hände streichen über meine Hüften, und sie sagt: „Ich weiß." Und ich spüre, wie ihre Finger unter den Saum meines Rocks greifen, und ich hebe mich nicht, aber ich hebe mich doch, und ihre Hände finden meine nackte Haut, und sie streicht über meine Oberschenkel, und ich spüre, wie sich eine Feuchtigkeit zwischen meinen Beinen ausbreitet, und ich schäme mich nicht, und ich will nicht, dass sie aufhört, und ich sage: „Bitte." Und Claire sagt: „Ich habe dich." Und ihre Hände wandern höher, und ihre Finger streifen über die Innenseite meines Oberschenkels, und ich spüre, wie mein Atem stockt, und ich lehne mich an sie, und ich spüre, wie ihre Lippen mein Ohr berühren, und sie flüstert: „Lass mich." Und ich nicke, und ihre Finger wandern weiter, und ich spüre, wie sie den Saum meines Slips berühren, und ich atme ein, und der Atem ist lang und zittrig, und Claire wartet, ihre Finger liegen auf dem Stoff, und sie bewegen sich nicht, und ich spüre, wie mein Körper sich nach ihr sehnt, wie mein Becken sich hebt, und ich sage: „Bitte, Claire." Und sie zieht den Slip zur Seite, und ihre Finger berühren mich, und ich bin feucht, ich bin nass, und ich spüre, wie ihr Finger über meine Schamlippen streicht, und ich schließe die Augen, und ich spüre, wie alles in mir auf diesen einen Punkt konzentriert ist, und Claire sagt: „Du bist so nass." Und es ist keine Feststellung, es ist ein Flüstern, und ich spüre, wie ihr Finger zwischen meine Lippen gleitet, und ich stöhne auf, und das Meer verschluckt mein Geräusch.

    Claire streichelt mich, langsam, ihre Finger gleiten durch meine Nässe, und ich spüre, wie sie an meiner Klitoris vorbeistreicht, und ich zucke, und mein Becken drängt sich nach vorn, und Claire sagt: „Geduld." Und ich sage: „Ich kann nicht." Und ihr Finger streicht wieder über meine Klitoris, und ich stöhne, und ich spüre, wie sich alles in mir aufbaut, und Claire sagt: „Noch nicht." Und ich will schreien, und ich beiße mir auf die Lippe, und Claire sagt: „Lass es raus. Niemand hört uns." Und ich stöhne, und es ist laut, und es befreit, und Claire drückt ihren Finger auf meine Klitoris, und ich bebe, und sie reibt, langsam, kreisförmig, und ich spüre, wie sich meine Hüften bewegen, wie mein Körper ihren Rhythmus aufnimmt, und ich sage: „Fuck, Claire." Und Claire sagt: „Ja. Genau so." Und ihr Finger kreist schneller, und ich spüre, wie sich meine Fotze zusammenzieht, wie alles sich aufbaut, und ich greife nach ihrem Arm, und ich halte mich fest, und Claire sagt: „Komm für mich." Und ich komme, und es ist wie eine Welle, die über mich bricht, und ich schreie, und das Meer rauscht, und mein Körper zuckt, und Claire hält mich, und ich bebe, und ich bebe, und ich bebe.

    Claire hält mich, ihre Arme um meinen Körper, und ich liege in ihren Armen, und mein Atem geht tief, und ich spüre, wie mein Herz klopft, und ich spüre die Nässe zwischen meinen Beinen, und ich spüre Claires Wärme hinter mir, und ich spüre, wie ihr Atem mein Haar bewegt. Sie küsst meine Schläfe, und ich schließe die Augen, und ich spüre, wie sich meine Hände lösen, wie mein ganzer Körper weich wird, und Claire sagt: „Du bist wunderschön." Und ich sage nichts, und ich nicke, und ich spüre, wie sich ein Lächeln auf meinem Gesicht ausbreitet, und ich drehe mich in ihren Armen, und ich küsse sie, und der Kuss ist sanft, und ich schmecke mich nicht, aber ich schmecke sie, und ich schmecke Salz, und ich schmecke Meer, und ich schmecke Claire.

    Ich löse mich von ihrem Mund, und ich sehe sie an, und ich sage: „Ich will dich." Und Claire lächelt, und sie sagt: „Du hast mich." Und ich sage: „Nein, ich will dich." Und ich greife nach dem Saum ihres Badeanzugs, und Claire sagt: „Hier?" Und ich sage: „Hier." Und sie schaut sich um, und der Strand ist leer, und die Dünen sind dunkel, und die Sterne sind hell, und sie sagt: „Du bist verrückt." Und ich sage: „Ja." Und ich ziehe den Badeanzug von ihrer Schulter, und ich küsse ihre Haut, und sie riecht nach Meer und nach etwas Erdigem, und ich schmecke Salz auf meinen Lippen, und Claire sagt: „Mareike." Und ich sage: „Ich habe dich." Und ich spüre, wie sich die Rolle dreht, wie ich die bin, die gibt, und Claire die ist, die sich fallen lässt, und es ist ein gutes Gefühl, und ich küsse ihren Hals, und ich spüre ihren Puls unter meinen Lippen, und er geht schnell, und ich weiß, dass sie will, und ich weiß, dass ich es kann, und ich ziehe den Badeanzug tiefer, und ihre Brust kommt frei, und ich küsse sie, und ich sauge an ihrer Brustwarze, und Claire stöhnt, und ich sauge fester, und Claire sagt: „Fuck, ja." Und ich lächle gegen ihre Haut, und ich sauge weiter, und ich spüre, wie ihre Brustwarze hart wird, und ich beiße sanft, und Claire zuckt, und ich löse mich, und ich sehe sie an, und ich sage: „Ich will dich schmecken." Und Claire sagt: „Ja." Und ich sage: „Jetzt." Und Claire sagt: „Jetzt."

    Ich knie mich vor sie, und ich ziehe den Badeanzug über ihre Hüften, und ich sehe sie, und sie ist nass, und ich sehe es, und ich beuge mich vor, und ich küsse ihre Innenseite, und Claire stöhnt, und ich küsse höher, und ich spüre ihre Nässe auf meinen Lippen, und ich lecke sie, und ich schmecke sie, und sie schmeckt salzig und süß, und ich lecke tiefer, und meine Zunge findet ihre Klitoris, und Claire stöhnt, und ich lecke, und ich sauge, und ich spüre, wie ihre Hände meinen Kopf greifen, und ich spüre, wie ihre Hüften sich bewegen, und ich halte sie fest, und ich lecke, und ich lecke, und Claire stöhnt: „Fuck, ja, genau da, nicht aufhören." Und ich höre nicht auf, und ich lecke, und ich sauge, und ich spüre, wie sie sich aufbaut, und ich stecke einen Finger in sie, und sie stöhnt laut, und ich stecke zwei Finger in sie, und ich lecke ihre Klitoris, und ich ficke sie mit meinen Fingern, und Claire sagt: „Fuck, fuck, fuck." Und ich lecke, und ich ficke, und ich spüre, wie sich sie zusammenzieht, und ich spüre, wie sie kommt, und ich spüre, wie ihre Nässe über meine Hand läuft, und ich trinke, und ich lecke, und ich halte sie, und sie bebt, und sie schreit, und das Meer verschluckt ihr Geräusch.

    Ich löse mich, und ich wische mir über den Mund, und ich sehe sie an, und Claire sagt: „Komm her." Und ich krieche zu ihr, und ich küsse sie, und sie schmeckt sich auf meinen Lippen, und ich schmecke sie, und wir küssen uns, und ich spüre, wie ihre Hände mein Gesicht halten, und ich spüre, wie ihre Zunge meine sucht, und ich spüre, wie alles weich wird, und alles warm, und alles still. Claire sagt: „Du bist unglaublich." Und ich sage: „Ich weiß." Und wir lachen, und es ist ein Lachen, das nicht lustig ist, sondern befreit, und ich lege meinen Kopf an ihre Schulter, und ich spüre, wie ihre Hand über mein Haar streicht, und ich schließe die Augen.

    Die Sterne sind jetzt hell, und das Meer rauscht, und der Sand ist kühl, und Claires Arm liegt um mich, und ich spüre, wie mein Körper schwer wird, und ich spüre, wie alles in mir still ist, und ich spüre, wie nichts mehr zittert, und ich atme tief, und ich schließe die Augen, und ich schlafe nicht, aber ich bin nah dran, und Claire sagt: „Wir sollten reingehen." Und ich sage: „Noch nicht." Und Claire sagt: „Okay." Und ich spüre, wie sie sich an mich schmiegt, und ich spüre, wie ihre Wärme meine Wärme ist, und ich spüre, wie das Rauschen des Meeres unser Lied ist, und ich spüre, wie die Dunkelheit uns bedeckt, und ich bin nicht mehr die, die Angst hat, und ich bin nicht mehr die, die zögert, und ich bin nicht mehr die, die wartet, und ich bin die, die hier ist, und Claire ist die, die hier ist, und das ist genug.

    Licht fällt durch den schmalen Spalt zwischen den Vorhängen und zeichnet eine helle Linie über mein Kissen. Ich blinzle, drehe mich auf den Rücken, und für einen Moment weiß ich nicht, wo ich bin. Dann kommt alles zurück – der Geruch von salziger Luft, das leise Knarren der Holzverkleidung, die Stille, die so tief ist, dass ich mein eigenes Herzschlag hören kann. Das Ferienhaus. Die Dünen. Claire.

    Ich strecke mich aus, und die Bettdecke rutscht von meiner Haut. Die Luft im Zimmer ist kühl, und meine Haut schlägt Gänsehaut, als ich mich aufrichte. Mein Blick fällt auf den kleinen Spiegel an der Wand gegenüber dem Bett. Mein Haar steht auf der rechten Seite ab, ein Chaos von blonden Stoppeln, und die Sommersprossen auf meiner Nase scheinen heller im Morgenlicht. Ich streiche mir über den Bauch, und meine Fingerspitzen streifen das Christina-Piercing – ein kurzes Klicken des Metalls auf meinem Fingernagel.

    Claire. Ihr Gesicht im Kerzenschein. Die Art, wie ihre Finger auf meiner Hand lagen, nur für einen Moment, bevor sie sich zurückzog. Ich schließe die Augen und sehe es wieder. Die Wärme ihrer Haut. Den Geruch von Knoblauch und Thymian, der noch in ihrem Haar gehangen haben muss. Den Blick, den sie mir zuwarf, als sie sagte, ich solle schlafen – als wäre das eine Anweisung und eine Bitte zugleich.

    Ich stehe auf, schlüpfe in meine Shorts und ein hellblaues Top, und gehe barfuß über die kühlen Dielen zur Tür. Der Fußboden ist rau unter meinen Fußsohlen, und ich spüre jede Fuge, jeden Ritzen. Als ich die Tür öffne, fällt ein zugeklapptes Stück Papier zu Boden. Es ist ein kleiner Umschlag, cremefarben, ohne Aufschrift. Er muss unter der Tür durchgeschoben worden sein, während ich geschlafen habe.

    Ich hebe ihn auf und breche das Siegel. Claires Handschrift ist schmal und nach rechts geneigt, mit einer leichten Neigung nach oben, als würde jeder Buchstabe versuchen, sich vom Papier zu lösen. „Guten Morgen", steht da. „Ich gehe um neun zum Strand, wenn du möchtest. Komm einfach. – C." Ich drehe das Papier um. Auf der Rückseite steht nichts. Ich lese die Zeile noch einmal, und meine Finger zittern minimal.

    Ich schaue auf die Uhr in der Küche. Halb neun. Eine halbe Stunde. Ich trinke ein Glas Wasser, stelle mich ans Waschbecken, wasche mir das Gesicht, und versuche, mein Haar einigermaßen in Form zu bringen. Die kurzen blonden Strähnen weigern sich, sich zu bändigen, und ich gebe es auf. Ich schlüpfe in meine Sandalen, schnappe mir einen leichten Baumwollrock – weiß, knielang – und ziehe das Top glatt. Dann gehe ich hinaus.

    Die Morgenluft ist kühl und schmeckt nach Salz. Der Weg zwischen den Häusern ist noch feucht vom Tau, und die Grashalme am Rand des Weges glänzen. Claires Haus liegt auf der anderen Seite der niedrigen Hecke. Ich sehe die Terrasse, die hölzerne Liege, die leere Kaffeetasse auf dem Tisch. Dann höre ich Schritte auf dem Kies, und Claire kommt um die Hausecke.

    Sie trägt den dunkelgrünen Frottee-Bademantel über einem dunkelblauen Badeanzug, und ihre Haare sind zu einem losen Zopf gebunden, der über ihre Schulter fällt. Sie ist barfuß, und ihre Füße sind schmal und braun, mit scharf gezeichneten Sehnen am Spann. Sie sieht mich, und ein Lächeln zieht an ihrem Mundwinkel – nicht breit, nicht laut, nur ein kurzes Heben, als würde sie etwas bestätigen.

    „Du bist wach", sagt sie. Ihr Akzent liegt auf dem „a", weich und rund.

    „Deine Nachricht hat mich geweckt", sage ich, und es ist nicht ganz die Wahrheit, aber auch nicht ganz gelogen.

    Sie nickt. „Komm." Keine Frage. Eine Einladung, die sich wie eine Anweisung anhört. Ich folge ihr über den schmalen Pfad, der zwischen den Dünen zum Strand führt. Das Gras an den Rändern ist trocken und raschelt im Wind. Claire geht voraus, und ich beobachte, wie der Bademantel bei jedem Schritt gegen ihre Waden schlägt. Ihre Hüften wiegen sich in einem gleichmäßigen Rhythmus, und ich bemerke, dass ich auf ihren Schritt achte, auf die Art, wie ihre Füße den Sand berühren – zuerst die Ferse, dann der Ballen, als würde sie den Boden abtasten.

    Der Pfad öffnet sich, und der Strand liegt vor uns. Das Wasser ist grau-blau, und die Wellen kommen langsam hereingerollt, gleichmäßig, als würde das Meer atmen. Der Himmel ist bedeckt, aber das Licht ist hell, fast weiß, und wirft keine Schatten. Claire bleibt stehen und zieht den Bademantel aus. Darunter kommt der dunkelblaue Einteiler zum Vorschein, der sich an ihre schlanke Figur schmiegt – die weichen Hüften, die muskulösen Waden, die schmalen Schultern. Sie legt den Bademantel über einen Pfahl am Ende des Weges und dreht sich zu mir um.

    Ich ziehe meine Sandalen aus und stelle sie neben den Pfahl. Der Sand ist noch kühl und feucht unter meinen Füßen, und ich spüre die Körner zwischen meinen Zehen, wie sie sich zusammenpressen, wenn ich einen Schritt mache. Claire geht voraus zum Wasser, und ich folge ihr. Der Sand wird fester, nasser, und jede Fußspur füllt sich mit einem dünnen Film von Wasser, der im Licht schimmert.

    Wir gehen nebeneinander, am Rand der Brandung, wo der nasse Sand fest ist und das Wasser in dünnen Schleiern über unsere Fußspitzen streicht. Das Wasser ist kalt – nicht eisig, aber kühl genug, dass meine Waden sich anspannen bei jeder Welle, die über meinen Fußrücken rollt. Claire geht mit langen, ruhigen Schritten, und ich muss mich anstrengen, um Schritt zu halten.

    Eine Weile sagen wir nichts. Das Rauschen der Wellen füllt die Stille, und der Wind zieht an meinem Rock, an meinem Top, an Claires lose hängendem Zopf. Ich beobachte das Wasser, wie es zurückweicht, und dann wieder kommt, und ich denke darüber nach, dass das Meer sich nicht entscheiden muss – es kommt und geht, und beides ist richtig.

    „Ich war siebzehn", sagt Claire plötzlich, und ihre Stimme ist leise, fast vom Wind verschluckt. „Als ich dachte, ich wüsste alles."

    Ich schaue sie an. Ihr Blick ist auf das Wasser gerichtet, und ihre Mundwinkel sind leicht nach unten gezogen.

    „Ich wusste nichts", sagt sie. „Nicht einmal, wer ich war."

    Ich warte. Sie geht weiter, und ihre Füße hinterlassen tiefe Abdrücke im nassen Sand, die sich sofort mit Wasser füllen.

    „Ich bin in Antwerpen aufgewachsen", sagt sie. „In einem Viertel, in dem jeder jeden kannte. Mein Vater war Bäcker. Meine Mutter unterrichtete Klavier. Ich sollte etwas werden – etwas Richtiges. Jura, vielleicht. Medizin. Mein Vater sagte immer, ich sei klug genug." Sie macht eine Pause. „Ich war nicht klug. Ich war nur gut darin, so zu tun."

    Der Wind nimmt zu, und ich schmecke Salz auf meinen Lippen. Ich lecke sie ab, und das Salz prickert auf meiner Zunge.

    „Ich hatte Angst", sagt Claire. „Vor allem. Vor dem Abitur, vor dem, was danach kam, vor dem, was die Leute dachten. Vor meiner Mutter, die jeden Abend am Küchentisch saß und mich fragte, was ich werden wollte, und ich jedes Mal sagte: ‚Ich weiß noch nicht.' Und jedes Mal wurde ihr Gesicht ein bisschen länger."

    Ich spüre, wie sich etwas in meiner Brust zusammenzieht. Die Worte sind mir vertraut, als hätte sie sie aus meinem Kopf gelesen. Ich schaue auf meine Füße, auf das Wasser, das über meine Zehen rinnt, und versuche, etwas zu sagen, aber mein Hals ist eng, und die Worte bleiben stecken.

    „Ich habe ein Jahr lang nichts getan", sagt Claire. „Nach dem Abitur. Ein Jahr. Ich bin in Antwerpen geblieben, habe in einer Buchhandlung gearbeitet, und jeden Morgen, wenn ich aufwachte, dachte ich: Heute wird es anders. Und jeden Abend, wenn ich schlafen ging, wusste ich, dass es nicht anders war."

    Sie bleibt stehen. Das Wasser umspült ihre Knöchel, und ich bleibe neben ihr stehen. Die nächste Welle kommt, höher als die vorherigen, und das Wasser reicht bis zu meinen Waden. Es ist kalt, und ich zucke zusammen, aber ich bewege mich nicht.

    „Und dann?" frage ich. Meine Stimme ist heiser.

    Claire dreht den Kopf und schaut mich an. Ihre Augen sind dunkel, fast schwarz in diesem Licht, und ich sehe mich darin, klein und verzerrt, mit meinem blonden Haar, das im Wind flattert.

    „Dann bin ich weggegangen", sagt sie. „Ich bin nach Frankreich gegangen. Dann nach Spanien. Dann zurück. Ich habe gearbeitet, habe gelebt, habe Fehler gemacht. Und irgendwann – ich weiß nicht genau, wann – hörte die Angst auf, das Erste zu sein, an das ich morgens dachte."

    Ich schaue sie an, und mein Herz schlägt schnell, schneller, als es sollte, für einen Morgenspaziergang am Strand. Meine Hände hängen an meinen Seiten, und ich spüre, wie meine Finger sich öffnen und schließen, als würden sie nach etwas suchen.

    „Das ist kein Rat", sagt Claire. „Ich gebe dir keinen Rat. Ich sage dir nur, dass es in Ordnung ist, nicht zu wissen. Dass es nicht schwach ist. Dass jeder, der dir sagt, du müsstest jetzt wissen, was du willst – dass derjenige vergessen hat, wie das ist."

    Ich nicke. Mein Hals ist trocken, und ich schlucke. Eine Welle kommt, und das Wasser schlägt gegen meine Knie, und ich zucke nicht zusammen, weil ich zu sehr damit beschäftigt bin, Claires Worte zu verarbeiten.

    „Wann hörst du auf, dich zu entscheiden?" frage ich. „Wann wusstest du, was du willst?"

    Claire lacht leise. Es ist ein kurzes, trockenes Geräusch, das im Wind zerstreut wird. „Ich weiß immer noch nicht", sagt sie. „Ich weiß nur, was ich nicht will. Und manchmal ist das genug."

    Sie dreht sich wieder zum Wasser, und ich schaue sie an – die Linie ihres Profils, die Art, wie der Wind eine Strähne aus ihrem Zopf löst und über ihr Gesicht weht, wie sie die Strähne mit einer ungeduldigen Handbewegung zurückstreicht. Ich spüre einen Drang in mir, etwas zu sagen, etwas zu tun, aber ich weiß nicht was.

    „Du bist achtzehn", sagt Claire. „Du hast Zeit."

    „Alle sagen das", antworte ich, und ich höre, wie meine Stimme schärfer klingt, als ich beabsichtige. „Aber was mache ich mit der Zeit?"

    Claire dreht sich zu mir um. Sie schaut mich an, und ihr Blick ist ruhig, geduldig, als hätte sie alle Zeit der Welt. „Du lebst", sagt sie. „Du machst Fehler. Du stehst auf. Du gehst weiter. Und irgendwann merkst du, dass du nicht mehr die bist, die Angst hatte. Sondern die, die Angst hatte und trotzdem weitergegangen ist."

    Eine Welle bricht näher am Ufer, und das Wasser spritzt gegen meine Oberschenkel, und ich spüre die Kälte durch den Stoff meines Rocks, der sich an meine Beine klammert. Ich schaue hinunter und sehe, wie der nasse Stoff sich um meine Waden wickelt, und dann schaue ich wieder zu Claire.

    Sie steht nah. Näher als vorhin. Der Wind hat den Abstand zwischen uns verringert, oder vielleicht waren wir schon immer näher, als ich dachte. Ich rieche sie – nicht Parfüm, nicht Shampoo, sondern etwas Erdigeres. Salz, Haut, etwas Warmes darunter, das nach Sonne schmeckt, auch wenn die Sonne hinter Wolken steht.

    „Claire", sage ich, und ich weiß nicht, warum ich ihren Namen sage, aber er kommt aus mir heraus wie ein Atemzug.

    Sie schaut mich an. Ihre Augen sind dunkel, und ich sehe die feinen Linien um ihre Augenwinkel, die sich vertiefen, wenn sie blinzelt. Ihr Mund ist leicht geöffnet, und ich sehe die Spur von Salz auf ihrer Unterlippe.

    „Ja?" sagt sie.

    Ich schaue sie an, und ich spüre, wie etwas in mir kippt – wie eine Welle, die sich aufbaut, zögert, und dann bricht. Ich weiß nicht, ob es Mut ist oder Verzweiflung oder beides, aber ich trete einen Schritt vor, und plötzlich ist der Abstand zwischen uns verschwunden.

    Claire hebt die Hand. Ihre Fingerspitzen berühren mein Kinn, leicht, fast wie eine Frage. Ich spüre die Kühle ihrer Haut, die Körnung ihrer Fingerspitzen, und mein Atem stockt. Ich schaue sie an, und sie schaut mich an, und dann – langsam, als hätte sie alle Zeit der Welt – beugt sie sich vor.

    Ihre Lippen berühren meine. Sanft. Nur eine Berührung, wie eine Welle, die den Sand streift und sich zurückzieht. Ich schmecke Salz. Ich schmecke Kaffee. Ich schmecke etwas, das nach Wärme schmeckt, nach Haut, nach dem, was ich gestern Abend in ihrem Gesicht gesehen habe, als das Kerzenlicht über ihre Wangenknochen strich.

    Dann zieht sie sich zurück. Nur ein paar Zentimeter. Ich spüre ihren Atem auf meiner Oberlippe, und ich sehe, wie ihre Augen sich öffnen, dunkel und suchend, als würde sie fragen: Ist das in Ordnung?

    Ich antworte nicht. Ich trete einen weiteren Schritt vor, und diesmal bin ich es, die ihre Lippen auf ihre presst. Fester. Offener. Meine Hände finden ihre Schultern, und ich spüre die glatte Feuchtigkeit des Badeanzugs unter meinen Fingern, die Wärme ihrer Haut darunter. Claire macht einen Laut – nicht ein Wort, nicht ein Seufzen, etwas dazwischen, etwas, das aus ihrer Kehle kommt wie ein Flüstern, das im Wind zerstreut wird.

    Ihre Hände finden meine Hüften. Ihre Finger greifen in den Stoff meines Rocks, und ich spüre, wie sie mich näher zieht, und unser Körper berührt sich – meine Brust an ihrer, mein Bauch an ihrem, die Feuchtigkeit meines nassen Rocks an dem glatten Stoff ihres Badeanzugs. Der Wind peitscht um uns, und das Wasser schlägt gegen unsere Beine, und ich schmecke sie – wirklich schmecke sie, nicht nur Salz und Kaffee, sondern etwas Tieferes, etwas, das nach Jahren schmeckt, nach Einsamkeit, nach dem, was sie gestern Abend gesagt hat, als sie sagte, sie komme hierher, um allein zu sein.

    Ich öffne meine Lippen, und ihre Zunge findet meine. Langsam. Tastend. Wie jemand, der einen Raum betritt, den er nicht kennt, und erst die Wände abtastet, bevor er sich setzt. Ich spüre ihre Zunge – warm, weich, mit der leichten Rauheit einer Kaffeetasse am Morgen – und ich dränge mich an sie, und meine Finger graben sich in ihre Schultern, und ich spüre, wie sich die Muskeln unter meiner Hand anspannen.

    Claire stöhnt leise, und der Ton geht direkt in meinen Bauch, in meinen Unterleib, in das Christina-Piercing, das kalt an meiner Haut liegt und plötzlich warm wird. Ich drücke mich an sie, und ich spüre, wie ihre Hände von meinen Hüften an meine Taille wandern, und dann weiter, hinauf, über meine Rippen, und ich zucke zusammen, weil ihre Fingerspitzen genau an der Stelle streifen, wo mein BH-Bügel endet.

    Wir küssen uns, und das Meer atmet um uns herum. Wellen kommen und gehen, und das Wasser umspült unsere Knöchel, und der Wind zieht an meinem Rock, an meinem Top, an Claires Zopf, der sich löst, und schwarze Strähnen wehen um ihr Gesicht und streifen meine Wange. Ich schmecke Salz auf ihren Lippen, und ich lecke es ab, und sie öffnet ihren Mund weiter, und ich spüre ihre Zunge tiefer, und ich nehme sie an, und mein ganzer Körper vibriert wie eine Saite, die gerade angeschlagen wurde.

    Ich weiß nicht, wie lange wir da stehen. Eine Welle. Hundert Wellen. Die Zeit verliert sich im Rauschen des Meeres und im Geschmack von Claires Mund. Ich spüre nur ihre Hände, ihre Lippen, ihre Zunge, und den Wind, der uns umkreist, und das Wasser, das unsere Füße umspült, und die Kälte, die mir egal ist, weil Claires Körper warm ist, so warm, und ich mich an sie dränge, als könnte ich die Wärme in mich aufnehmen.

    Dann löst sie sich. Langsam. Ihre Lippen gleiten von meinen, und ich spüre einen feuchten Schatten auf meiner Unterlippe, wo ihr Mund war. Ich öffne die Augen, und sie steht vor mir, und ihr Gesicht ist nah, und ihre Augen sind dunkel, und ihr Mund ist leicht geöffnet, und ich sehe, wie sich ihre Brust hebt und senkt, und ich weiß, dass ich genauso atme – schnell, flach, als hätte ich gerade einen langen Weg zurückgelegt.

    „Mareike", sagt sie. Mein Name in ihrem Mund klingt fremd und vertraut zugleich, und ich spüre, wie er in mir nachhallt, als hätte sie ihn nicht gesagt, sondern gesungen.

    Ich sage nichts. Ich schaue sie an, und ich spüre, wie meine Hände auf ihren Schultern zittern, und ich weiß, dass ich nicht will, dass sie sich von mir löst, dass ich nicht will, dass dieser Moment endet.

    Claire hebt die Hand und streicht mir eine nasse Haarsträhne aus dem Gesicht. Ihre Fingerspitzen gleiten über meine Schläfe, über mein Ohr, und ich schließe die Augen und beuge mich in ihre Berührung, wie eine Pflanze, die sich zur Sonne wendet.

    „Du musst nichts", sagt sie. „Nichts."

    Ich öffne die Augen. Ich nicke. Und dann lehne ich mich vor, und ich küsse sie wieder, und diesmal ist es langsamer, tiefer, und ich spüre, wie sich alles in mir öffnet, als würde eine Tür aufgestoßen, die ich jahrelang verschlossen gehalten habe, und das Licht, das hereinfällt, ist grell und warm und blendet mich.

    Claire nimmt mein Gesicht in ihre Hände. Ihre Handflächen liegen an meinen Wangen, und ihre Daumen streichen über meine Schläfen, und ich spüre, wie sie mich hält, als wäre ich etwas Zerbrechliches, und gleichzeitig spüre ich die Kraft in ihren Händen, die Stille, die Sicherheit, als würde sie sagen: Ich habe dich. Du fällst nicht.

    Der Wind kommt von See, und er trägt den Geruch von Salz und Tang und Weite, und ich spüre, wie er an meiner Haut klebt, wie er den nassen Rock an meine Beine presst, wie er durch mein Top dringt und meine Brust berührt, und ich zittere, nicht vor Kälte, sondern vor etwas, das größer ist als Kälte, das größer ist als alles, was ich bisher gespürt habe.

    Claire löst sich. Wieder. Und diesmal lächelt sie, und es ist ein echtes Lächeln, nicht das kurze, bestätigende Heben ihres Mundwinkels von vorhin, sondern ein volles, warmes Lächeln, das ihre Augen erreicht und sie weicher macht, jünger, als hätte der Kuss etwas in ihr gelockert, das sich jahrelang verspannt hatte.

    „Komm", sagt sie. „Wir frieren sonst."

    Ich nicke. Wir drehen uns um, und wir gehen zurück, über den nassen Sand, über den trockenen Sand, über die Dünen, den schmalen Pfad entlang, und Claire geht voraus, und ich folge ihr, und ich spüre den Sand unter meinen Füßen, und den Wind in meinem Haar, und den Geschmack von Salz und Kaffee und Claire auf meinen Lippen, und ich weiß, dass sich etwas verändert hat, dass ich nicht mehr die bin, die gestern Abend im Bett lag und nicht wusste, was sie will.

    Ich bin die, die Claire geküsst hat. Am Wasser. Im Wind. Mit dem Rauschen des Meeres in den Ohren.

    Und ich will mehr.

    Dankeschön. ☺️

    Meine Gefühlslage?

    Versuche ich ja.

    Aber da bin ich halt nicht so gut.🫣

    das merkt man ja dass Du es versuchst, mir gefällt das sehr sehr gut und ich denke Dein Herr kann auch Stolz auf Dich sein und du auch auf Dich!


    Du wirst besser, je mehr Du schreibst und unter Umständen auch mit kleinen Details oder zwischen Aufgaben ... ach lassen wir das smile

    mach weiter so ich freue mich auf deinen nächsten Bericht

    Das Klappern der Kofferrollen auf dem Schotterweg ist das einzige Geräusch weit und breit. Ich ziehe meinen Koffer hinter mir her, über den unebenen Weg, der zwischen dürrem Strandhafer und niedrigen Dünenbüschen hindurchführt. Die Sonne brennt auf meine Schultern, und ich spüre, wie der Schweiß zwischen meinen Schulterblättern hinabläuft. Der salzige Geruch der Nordsee liegt schwer in der Luft, vermischt mit dem süßlichen Aroma der trockenen Dünengräser. Vor mir taucht das Ferienhaus auf – klein, rotbraun gestrichen, mit weißen Fensterläden, die im Wind leicht klappern.

    Es ist kleiner, als ich es mir auf den Fotos vorgestellt habe. Aber das ist gut so. Genau das brauche ich. Einfachheit. Stille. Nichts, was mich an die letzten Monate erinnert – an die endlosen Lernnächte, die Prüfungshefte, das drückende Gefühl in der Brust, wenn ich an die Zukunft dachte.

    Ich lasse den Koffer stehen und drehe mich einmal um die eigene Achse. Hinter mir liegt der schmale Pfad, der zurück zur Landstraße führt. Vor mir das Haus. Links, vielleicht zwanzig Meter entfernt, steht ein weiteres Ferienhaus, etwas größer, in einem blassen Blaugrau gestrichen. Ansonsten: Dünen, Himmel, das ferne Rauschen des Meeres. Der Strand ist etwa dreihundert Meter entfernt, schätze ich. Man kann ihn nicht sehen, aber man hört ihn – ein leises, gleichmäßiges Rauschen, wie Atmen.

    Ich fische den Schlüssel aus meiner Jackentasche – ein alter, schwerer Messingschlüssel, der an einem ledernen Anhänger mit der Aufschrift „Duinrust" baumelt. Dünenruhe. Passt. Das Schloss klemmt ein wenig, dann gibt es nach, und die Tür schwingt nach innen auf.

    Drinnen riecht es nach geputztem Holz und Feuchtigkeit. Ein kleiner Flur, dann der Hauptraum: eine winzige Küchenzeile, ein Tisch aus hellem Holz, zwei Stühle, ein Sofa, das wahrscheinlich schon bessere Tage gesehen hat. Ein Fenster zur Vorderseite, eins zur Seite – beide mit weißen Gardinen, die im Luftzug zittern. Ich schiebe das Fenster zur Seite auf, und sofort strömt die salzige Luft ein, bringt das leise Rauschen des Meeres näher.

    Ich öffne die Gardinen, und das Licht flutet den Raum. Das Holz des Fußbodens ist hell, fast weiß. An der Wand hängt ein gerahmtes Foto von den Dünen bei Sonnenuntergang, daneben ein Regal mit drei Büchern – zwei auf Niederländisch, einer auf Deutsch. Ein Reiseführer für die Region. Ich blättere nicht einmal hinein.

    Ich bringe den Koffer ins Schlafzimmer. Ein Doppelbett, bezogen mit weißer Bettwäsche, ein Nachttisch mit einer kleinen Lampe. Das Fenster hier geht zum Seitenweg hinaus, zum Nachbarhaus. Die Gardinen sind hier dicker, dunkler. Ich lasse sie geschlossen.

    Zurück im Hauptraum öffne ich die Terrassentür. Eine kleine Holzterrasse, gerade groß genug für zwei Liegestühle und einen kleinen Tisch. Davor eine niedrige Hecke, die den Blick auf das Nachbarhaus teilweise verdeckt. Aber nicht ganz. Von hier aus sehe ich die Terrasse des blaugrauen Hauses, einen Teil des Gartens, und eine Fenstertür, die derzeit geschlossen ist.

    Ich setze mich auf einen der Liegestühle, lasse mich in das durchhängende Gestell sinken, und schließe die Augen. Das Rauschen des Meeres ist wie ein weißes Rauschen, das alles andere überdeckt. Die Sonne wärmt mein Gesicht, meine Arme, meine nackten Beine. Ich trage einen einfachen weißen Baumwollrock, der bis über die Knie reicht, ein hellblaues Top, Sandalen. Mein Haar – kurz, blond, fast pixie-artig geschnitten – trocknet in der Sonne, nachdem ich es auf der Fahrt hierher noch feucht vom Waschen gehabt hatte.

    Ich streiche mit der Hand über meinen Oberschenkel. Die Haut ist warm, leicht braun vom letzten Sommer, der nie ganz verblasst ist. Meine Finger wandern hinab zum Knie, dann zurück. Ich strecke mich, lasse den Atem langsam ausströmen. Zum ersten Mal seit Wochen fällt mir das Atmen leicht.

    Die ersten Stunden vergehen mit Ankommen. Ich packe meinen Koffer aus – nicht viel, was ich dabei habe. Ein paar Shirts, zwei Röcke, eine Jeans, Badesachen, Unterwäsche, ein Buch, Sonnencreme, Zahnbürste. Alles findet seinen Platz in dem kleinen Schrank im Schlafzimmer oder auf der Ablage im Bad. Das Bad ist winzig: eine Dusche, ein Waschbecken, ein Spiegel über dem Waschbecken. Ich betrachte mein Spiegelbild: kurze blonde Haare, die in alle Richtungen abstehen, Sommersprossen auf der Nase, die Augen – graublau – etwas gerötet vom zu wenig Schlaf der letzten Nächte.

    Ich ziehe mir das Top aus und stehe im BH vor dem Spiegel. Ein schlichter weißer Baumwoll-BH, 70B, nichts Besonderes. Meine Brüste sind nicht groß, aber sie passen zu meinem Körper – proportioniert, mit kleinen, hellrosa Brustwarzen, die sich in der kühlen Luft des Bads leicht zusammenziehen. Ich streiche mit dem Daumen über die linke Brustwarze, nur so, ohne Grund. Ein kleiner Schauer läuft über meine Haut. Dann ziehe ich das Top wieder an.

    Unten am Bauch, knapp über der Scham, glänzt das kleine Metall meines Christina-Piercing – ein winziger Zirkoniastein in einer gebogenen Stange, der durch die Haut über meinem Schambein gestochen ist. Ich habe es mir vor einem halben Jahr machen lassen, kurz nach meinem achtzehnten Geburtstag. Ein kleiner Akt der Rebellion, der Kontrolle über meinen eigenen Körper. Ich betrachte es im Spiegel, wie es das Licht einfängt. Die Haut drumherum ist leicht pigmentiert, ein Schatten heller als der Rest meines Bauchs.

    Ich ziehe den Rock gerade, trete zurück. Das genügt für jetzt.

    Am späten Nachmittag gehe ich zum ersten Mal zum Strand. Der Weg führt durch die Dünen, über einen schmalen Holzsteg, der über das weiche Sand führt. Das Strandhafer wiegt sich im Wind, und die kleinen gelben Blüten der Dünenrose leuchten dazwischen. Der Sand wird weicher, je näher ich ans Wasser komme. Dann öffnet sich der Blick: ein breiter, leerer Strand, grauer Himmel über einer graublauen See, die sich in langen, gleichmäßigen Wellen am Ufer bricht. Niemand weit und breit.

    Ich ziehe meine Sandalen aus und laufe barfuß zum Wasser. Der Sand ist kühl und feucht, dort, wo die letzte Welle zurückgezogen ist. Das Wasser ist kalt, als es meine Zehen erreicht, dann meine Knöchel. Ich bleibe stehen, lasse die Wellen über meine Füße rollen, ziehe den Atem tief ein. Die salzige Luft füllt meine Lunge, und der Wind drückt mir den Rock gegen die Beine.

    Ich gehe zurück zum Haus, meine Füße sandig und nass. Auf der Terrasse wische ich sie mit einem Handtuch ab. Dann fällt mein Blick auf das Nachbarhaus.

    Auf der Terrasse des blaugrauen Hauses steht eine Frau.

    Sie ist vielleicht Mitte vierzig, schätze ich – oder Ende dreißig, schwer zu sagen aus dieser Entfernung. Sie trägt einen hellen Leinenrock, der bis über die Knöchel reicht, und ein schwarzes Trägertop. Ihr Haar ist dunkel – braun oder schwarz, zu einem losen Zopf gebunden, der über ihre Schulter fällt. Sie steht an der Brüstung der Terrasse, den Rücken zu mir gewandt, und blickt auf die Dünen hinaus. Eine Zigarette in der rechten Hand, der Rauch vom Wind verweht.

    Ich beobachte sie, ohne es recht zu merken. Die Art, wie sie steht – eine Hüfte angehoben, das Gewicht auf einem Bein, der Oberkörper leicht gedreht. Eine Hand auf der Holzbrüstung. Sie bewegt sich mit einer Selbstverständlichkeit, die mir auffällt. Nichts Zögerliches, nichts Suchendes. Sie steht, als gehöre der Ort ihr.

    Dreht sie sich um.

    Ich zucke zusammen, als würde ich erwischt, und wende meinen Blick ab. Aber nicht schnell genug. Sie hat mich gesehen. Ihre Augen – ich kann die Farbe nicht erkennen, zu weit weg – finden meine. Einen Moment lang stehen wir beide still, einander zugewandt, zwanzig Meter und eine niedrige Hecke zwischen uns. Dann hebt sie eine Hand. Eine kurze, lockere Geste, nicht mehr als ein Anheben der Finger, die noch die Zigarette halten. Hallo.

    Ich hebe meine Hand ebenfalls. Hallo.

    Sie sagt etwas, das ich nicht verstehe – der Wind trägt es weg, oder es ist Niederländisch. Dann dreht sie sich zurück zu den Dünen, als wäre ich bereits wieder vergessen.

    Ich gehe ins Haus.

    Der Abend kommt langsam. Die Sonne sinkt hinter die Dünen, und das Licht wird wärmer, oranger, weicher. Ich mache mir etwas zu essen – Nudeln mit Tomatensoße, aus dem kleinen Vorrat, den ich im Supermarkt auf der Fahrt hierher gekauft habe. Die Pfanne auf dem kleinen Gasherd, das Wasser im Topf. Einfache Handgriffe, die mich beruhigen. Ich esse am Tisch, das Fenster offen, den Blick auf die dunkelnden Dünen.

    Danach wasche ich ab. Stelle die Teller auf das Abtrockengitter. Wische die Arbeitsplatte. Jede Handlung klein, überschaubar. Nichts, was Denken erfordert.

    Ich ziehe mir einen Schlafanzug an – eine kurze Baumwollhose und ein altes Shirt, das schon oft gewaschen ist und weich vom Tragen. Ich setze mich auf das Sofa, schlage das Buch auf, lese zwei Seiten, lese dieselbe Seite noch einmal. Der Text rutscht ab, wie Wasser auf Glas.

    Ich lege das Buch weg und gehe zum Fenster. Die Dünen sind jetzt dunkle Formen gegen den tieforange Horizont. Das Rauschen des Meeres ist lauter geworden, oder bilde ich mir das ein. Die Luft ist kühler, feuchter. Ich lege die Stirn gegen das Glas.

    Zwanzig Meter entfernt brennt Licht im Nachbarhaus. Die Terrassentür steht noch offen, und durch die Fenstertür sehe ich einen Streifen Innenraum – warmes Licht, eine Wand, etwas, das wie ein Bücherregal aussieht. Eine Bewegung. Die Frau geht durch den Raum, ich sehe nur den Umriss, eine Silhouette gegen das Licht. Sie trägt jetzt etwas anderes – ein langes, dunkles Gewand, vielleicht ein Bademantel. Ihr Haar ist offen, fällt über die Schultern. Sie verschwindet aus dem Blickfeld.

    Ich bleibe am Fenster stehen, länger als nötig. Dann fällt mir auf, dass ich stehe. Ich trete zurück, ziehe die Gardinen zu.

    Die Nacht ist dunkel und still. Ich liege im Doppelbett, die Bettwäsche kühl gegen meine Haut, und höre den Wind um das Haus. Ein leises Klappern der Fensterläden, ein Schieben der Hecke. Ich drehe mich auf die Seite, dann auf den Rücken. Meine Hände liegen auf dem Bauch, die Fingerspitzen berühren den Rand meines Piercing, das kleine Metall, das sich warm angefühlt hat unter der Decke.

    Ich schließe die Augen. Der Atem geht langsam, gleichmäßig. Aber der Schlaf kommt nicht.

    Gedanken kommen. Das Abitur, die Noten, die Frage, die jeder stellt: Und was jetzt? Das Studium, die Bewerbungen, der Druck, der sich wie eine Faust um meine Brust legt, wenn ich zu lange darüber nachdenke. Die Stimmen meiner Eltern, meiner Freunde, der Lehrer. Alle erwarten etwas, und ich weiß nicht, was ich will.

    Ich drehe mich auf die Seite. Das Rauschen des Meeres füllt den Raum, dringt durch die geschlossenen Fenster. Ich ziehe die Decke höher, bis sie bis zum Kinn reicht.

    Am Morgen wache ich auf, bevor der Wecker klingelt. Das Licht ist grau, die Sonne noch nicht über den Dünen. Ich liege still und höre auf mein Atmen. Dann stehe ich auf, ziehe mir eine Shorts und ein Shirt an, gehe barfuß in den Hauptraum.

    Die Kaffeemaschine ist klein und alt, aber sie funktioniert. Ich fülle Wasser ein, setze einen Filter, schließe gemahlenen Kaffee ein. Während die Maschine gluckert und zischt, öffne ich die Terrassentür und trete hinaus.

    Die Morgenluft ist kühl und feucht, der Sand auf der Terrasse noch taufrisch. Die Dünen liegen im Halbdunkel, das Strandhafer regungslos, der Wind noch nicht erwacht. In der Ferne höre ich das Meer.

    Ich lege mich auf einen der Liegestühle, ziehe die Beine an, schlinge die Arme um die Knie. Der Kaffee dampft in der Tasse, die ich auf den kleinen Tisch gestellt habe. Ich warte auf den Tag.

    Ein Geräusch vom Nachbarhaus. Eine Tür, die aufgeschoben wird. Schritte auf der Terrasse. Ich drehe den Kopf.

    Die Frau kommt heraus, eine Tasse in der Hand. Sie trägt einen Bademantel aus dunkelgrünem Frottee, locker gebunden, die Haare noch zerzaust vom Schlaf. Sie setzt sich auf einen Stuhl auf ihrer Terrasse, die Beine übereinandergeschlagen, und blickt auf die Dünen.

    Ich räuspere mich. Sie blickt auf.

    „Guten Morgen", sage ich.

    Sie lächelt, ein kurzes, waches Lächeln. „Guten Morgen." Ihr Deutsch hat einen leichten Akzent, die Vokale etwas weicher, die Konsonanten etwas schärfer. Niederländisch, denke ich. Oder vielleicht Flämisch.

    „Schön hier", sage ich, und es klingt banal, aber mir fällt nichts Besseres ein.

    „Ja." Sie trinkt aus ihrer Tasse. „Sehr ruhig. Bist du allein hier?"

    „Ja. Nach dem Abitur... einfach mal raus."

    Sie nickt, als verstünde sie. „Erste Mal hier?"

    „Ja. Du?"

    „Nein. Drittes Jahr." Sie stellt die Tasse ab. „Ich komme immer im Juni. Wenn es noch leer ist."

    Wir schweigen. Der Wind kommt auf, schiebt das Strandhafer hin und her. Die Sonne steigt über die Dünen, und das Licht fällt golden über die Landschaft, wirft lange Schatten.

    „Ich bin Mareike", sage ich.

    „Claire." Sie hebt ihre Tasse leicht, eine Geste, die gleichzeitig Gruß und Anerkennung ist. Dann wendet sie sich den Dünen zu, und das Gespräch ist beendet.

    Ich verbringe den Vormittag am Strand. Das Wasser ist zu kalt zum Schwimmen, aber ich watte bis zu den Knien ein, lasse das Salzwasser meine Haut trocknen, den Sand zwischen meinen Zehen. Ich lese, halb auf einem Handtuch liegend, das Buch, das gestern Abend noch nicht funktionieren wollte. Jetzt, im Sonnenlicht, mit dem Rauschen der Wellen, fließen die Sätze leichter.

    Gegen Mittag gehe ich zurück. Der Weg durch die Dünen ist warm, der Sand trocken unter meinen Füßen. Ich trage meine Badesachen – ein einfaches schwarzes Zweiteiler, nichts Auffälliges. Der obere Teil sitzt fest über meiner Brust, der untere Teil hüfttief. Das Piercing glänzt im Sonnenlicht, wenn ich das Top hebe, um mich die Sonne auf den Bauch lassen.

    Auf der Terrasse meines Hauses trockne ich mich ab, ziehe mir den Rock über die Badehosen an, lasse das Top an. Die Sonne wärmt meine Schultern, und ich lehne mich zurück, die Augen geschlossen.

    Ein leises Klappen. Ich öffne die Augen. Claire steht auf ihrer Terrasse, eine Sonnenbrille auf der Nase, ein Buch in der Hand. Sie trägt einen Badeanzug – einteilig, dunkelblau, der ihren Körper straff umschließt. Ihr Körper ist... ich betrachte ihn, ohne recht zu wissen, warum. Sie ist schlank, aber nicht mager. Die Schultern gerade, die Taille deutlich, die Hüften weich gerundet. Der Badeanzug betont die Linie ihres Körpers, ohne viel zu zeigen. Ihre Beine sind lang, die Waden muskulös, als ginge sie viel zu Fuß.

    Sie setzt sich auf einen Liegestuhl, schlägt das Buch auf. Sie scheint mein Betrachten nicht zu bemerken. Oder sie ignoriert es.

    Ich wende den Blick ab, schließe die Augen wieder. Aber hinter meinen Lidern bleibt das Bild: die gerade Haltung, die Linie der Schultern, die Art, wie das Sonnenlicht auf ihrer Haut lag.

    Der Nachmittag vergeht langsam. Ich gehe spazieren, entlang der Küste, über den Strand, bis die Häuser klein in der Ferne stehen. Der Wind frischt auf, und die Wellen brechen höher, weißer, lauter. Ich gehe bis zu einer kleinen Bucht, setze mich auf einen Felsen, ziehe die Knie an. Das Salzwasser sprüht mir ins Gesicht, und ich schmecke es auf den Lippen.

    Ich denke an nichts. Zum ersten Mal denke ich an nichts.

    Auf dem Rückweg treffe ich Claire. Sie kommt mir entgegen, auf dem Strand, barfuß, die Schuhe in der Hand. Sie trägt eine weite Leinenhose und ein weißes Shirt, das im Wind flattert. Ihr Haar ist offen, dunkel, windzerzaust.

    „Du warst lange weg", sagt sie, als wir nebeneinander gehen.

    „Ich habe nicht auf die Uhr geschaut."

    Sie lacht, ein kurzes, helles Lachen. „Das ist der beste Grund."

    Wir gehen schweigend nebeneinander, den nassen Sand unter den Füßen, die Wellen neben uns. Die Sonne steht tief, färbt den Himmel orange und rosa. Unsere Wege trennen sich an den Dünen, sie geht voraus, ich folge. Am Haus angekommen, hält sie kurz.

    „Wenn du Lust hast – ich koche abends immer zu viel. Du kannst gerne mitessen."

    Ich zögere. Dann nicke ich. „Gerne."

    „In einer Stunde? Bei mir?"

    „In Ordnung."

    Sie geht in ihr Haus, und ich bleibe auf meiner Terrasse stehen, die Hand an der Tür, und blicke ihr nach.

    Ich dusche, ziehe mir ein sauberes Top und eine Jeans an. Ich kämme mein Haar – was nicht viel bedeutet bei der Länge. Ich betrachte mich im Spiegel, ziehe das Top gerade, das den Bauch frei lässt. Das Piercing glänzt. Ich lege eine Hand auf meinen Unterbauch, die Fingerspitzen berühren den kühlen Stein. Dann lasse ich die Hand fallen und gehe hinaus.

    Es ist dunkel geworden, nur die Lichter der beiden Häuser erhellen die Dünenlandschaft. Der Weg zwischen den Häusern ist kurz – zwanzig Schritte über den weichen Boden, vorbei an der Hecke, die die Grundstücke trennt. Ich trete an ihre Terrassentür und klopfe.

    „Herein", ruft sie.

    Ich schiebe die Tür auf und trete ein.

    Das Innere ihres Hauses ist größer als meines, aber ähnlich eingerichtet. Holzfußboden, weiße Wände, eine offene Küche. Der Tisch ist gedeckt – zwei Teller, zwei Gläser, eine Flasche Wein. Es riecht nach Knoblauch, Tomaten, Basilikum. Claire steht am Herd, eine Pfanne in der Hand, und wendet etwas, das nach Fisch aussieht.

    „Rotbarsch", sagt sie, ohne sich umzudrehen. „Frisch heute Morgen vom Markt in Callantsoog."

    „Ich kenne Callantsoog nicht."

    „Das nächste Dorf. Zehn Minuten mit dem Auto. Da gibt es einen kleinen Fischmarkt am Hafen." Sie dreht sich um, lächelt. „Setz dich. Es ist gleich fertig."

    Ich setze mich an den Tisch. Sie schenkt mir Wein ein – ein Weißer, kühl, trocken. Ich trinke einen Schluck, und der Wein ist gut, leicht, fruchtig.

    Sie stellt die Pfanne auf den Tisch, dazu eine Schüssel mit Salat, Brot, Olivenöl. Sie setzt sich mir gegenüber.

    „Zum Wohl."

    „Zum Wohl."

    Wir essen. Der Fisch ist zart, der Salat frisch, das Brot knusprig. Wir reden wenig, aber das Schweigen ist nicht unangenehm. Es ist das Schweigen zweier Menschen, die einander noch nicht kennen, aber die Stille teilen können.

    Nach dem Essen lehnt sie sich zurück, das Glas in der Hand, und betrachtet mich. Ihre Augen sind dunkel – braun, fast schwarz im Kerzenlicht. Zwei Kerzen stehen auf dem Tisch, werfen warmes Licht auf ihr Gesicht.

    „Was machst du, wenn du nicht in den Dünen liegst?" fragt sie.

    „Ich... weiß es nicht. Ich habe gerade Abitur gemacht. Ich weiß nicht, was ich studieren soll. Oder ob ich studieren soll. Ich weiß überhaupt nichts."

    Sie nickt langsam. „Das ist nicht schlimm."

    „Es fühlt sich schlimm an."

    „Alles, was man nicht weiß, fühlt sich schlimm an. Bis man es weiß." Sie trinkt. „Oder bis man aufhört, es wissen zu müssen."

    Ich betrachte sie über den Rand meines Glases. Das Kerzenlicht zeichnet Schatten auf ihr Gesicht, und ich sehe Linien, die mir am Morgen nicht aufgefallen waren – feine Fältchen um die Augen, eine leichte Zeichnung um den Mund. Sie ist älter, als ich geschätzt habe. Mitte vierzig, vielleicht mehr. Aber das Licht fällt günstig, und die Linien geben ihrem Gesicht etwas, das mir an meinem eigenen fehlt – Tiefe, vielleicht. Bestimmtheit.

    Sie steht auf, nimmt die Teller, stellt sie in die Spüle. Ich helfe ihr, und unsere Hände berühren sich, als ich ihr ein Glas abnehme. Ein kurzer Kontakt, ihre Haut kühl vom Wasser, meine warm. Ich ziehe die Hand nicht sofort zurück.

    Sie blickt auf unsere Hände. Dann auf mein Gesicht. Einen Moment lang steht die Zeit still, das Wasser rauscht leise im Hintergrund, und ihre Augen halten meinen Blick fest. Dann wendet sie sich ab, trocknet die Hände ab.

    „Es wird spät", sagt sie. „Du solltest schlafen."

    Ich nicke. „Danke für das Essen."

    „Gern."

    Ich gehe zur Tür, trete hinaus, in die kühle Nachtluft. Der Himmel ist voller Sterne, mehr als ich je gesehen habe. Ich bleibe stehen, blicke hinauf, atme tief ein.

    Hinter mir schließt sich ihre Tür. Ich höre ihre Schritte im Haus, das Licht geht aus. Nur das Licht im Schlafzimmer brennt noch, hinter Gardinen, die nicht ganz geschlossen sind. Ein schmaler Streifen Licht fällt auf den Weg zwischen den Häusern.

    Ich gehe zurück zu meinem Haus, schließe die Tür hinter mir. Im Schlafzimmer ziehe ich mir die Jeans aus, das Top, lege mich in Bett. Die Bettwäsche ist kühl, und ich zittere leicht, obwohl es nicht kalt ist.

    Ich liege auf dem Rücken, die Hände auf dem Bauch, die Fingerspitzen auf dem Piercing. Meine Haut ist warm, und ich spüre mein Herz schlagen, langsam, gleichmäßig. Das Rauschen des Meeres draußen. Das Licht im Nachbarhaus, das durch den schmalen Spalt der Gardinen fällt.

    Ich schließe die Augen. Meine Finger bewegen sich langsam, zeichnen Kreise um das kleine Metall. Ich spüre die Wärme unter meiner Haut, das leise Pulsieren, das sich ausbreitet. Ich atme tief ein, aus. Meine Oberschenkel pressen sich zusammen, entspannen sich wieder.

    Dann ziehe ich die Hand weg, drehe mich auf die Seite, schließe die Augen fester. Der Schlaf kommt langsam, zögernd, und die Bilder des Tages – die Dünen, das Meer, Claires Augen im Kerzenlicht – fließen ineinander, bis alles verschwimmt und still wird.

    Findest du?

    Na ja. Jedem das Seine. 🙂

    Das mit dem Verschieben. Wie geht das?

    mir gefällt dein Bericht sehr gut,

    mir würde es noch besser gefallen, wenn mehr von Deiner Gefühlslage beschreiben würdest :-) aber ich mag solche Berichte halt auch sehr, meine Subs dürfen das auch für mich oft machen