Beiträge von Misttueck

    Ich mache das wirklich sehr individuell. Ideal sind Kurzurlaube mit und ohne Partner, bei denen Schamsituationen inszeniert werden. Mehr bitte persönlich.

    Warum lässt du uns nicht teilhaben bei solchen Sachen, dafür ist doch ein Forum da oder ?

    Immer dieses pn und so

    Das Wasser steht noch vor mir, das Glas kondensiert in der Wärme meiner Hand. Ich hebe es, trinke, und der kühle Strahl rinnt meinen Hals hinab wie eine Linie, die mich wieder zeichnet — mich zurückholt aus dem Nebel, in dem ich die letzten Minuten gestanden habe. Meine Knie schmerzen. Der Holzboden hat sich durch die Stoffhose in meine Haut gedrückt, und das Ziehen dort erinnert mich daran, dass es wirklich passiert ist. Ich habe auf dem Boden gekniet. Ich habe Latex geleckt. Meine Zunge hat den Geschmack von Gummi und Schweiß und etwas Scharfem getragen, das nicht verschwinden will.

    Die Barkeeperin poliert ein Glas hinter dem Tresen. Ihr Blick streift mich nicht einmal, als hätte ich nie existiert, und gleichzeitig weiß ich, dass das nicht stimmt. Sie hat mir diesen Blick zugeworfen, diese halbe Sekunde Anerkennung, und er sitzt in meiner Brust wie ein glühender Kern. Ich greife nach dem Weinglas, fühle die Wärme des Weins an meinen Lippen, trinke nicht. Statt dessen schaue ich zur Nische.

    Die Frau mit dem silbernen Haar sitzt dort, eine Zigarette zwischen den Fingern, den Rauch in langsamen Säulen aufsteigend. Die Jüngere kniet noch immer, ihre Hände auf den Oberschenkeln, den Kopf leicht gesenkt. Die Frau streicht ihr über das Haar, eine beiläufige Geste, als würde sie eine Katze berühren, und die Jüngere beugt sich in die Berührung wie selbstverständlich.

    Ich beobachte sie, und etwas in meinem Bauch zieht sich zusammen. Nicht die Scham von vorhin, nicht das Brennen der Tränen, die noch auf meinen Wangen trocknen. Etwas anderes. Ein Verlangen, das tiefer sitzt, das nicht nach dem Stiefel der Barkeeperin fragt, sondern nach etwas, das ich nicht benennen kann.

    Das Klacken von Absätzen auf dem Holzboden lässt mich zusammenzucken. Aber es sind nicht die Stiefel der Barkeeperin. Der Rhythmus ist anders — langsamer, weicher, der Schritt einer Frau, die Zeit hat. Ich drehe mich auf dem Hocker und sehe sie auf mich zukommen.

    Die Frau mit dem silbernen Haar.

    Sie bewegt sich mit einer Selbstverständlichkeit, als gehöre der Raum ihr. Ihr dunkles Kleid fällt in weichen Linien über ihre Hüften, und an ihren Füßen trägt sie schwarze Pumps mit spitzen Stilettoabsätzen, die bei jedem Schritt auf das lackierte Holz schlagen. Das Geräusch ist scharf und präzise, wie ein Metronom, das den Takt dieser Bar vorgibt. Ihre Haltung ist aufrecht, die Schultern zurück, das Kinn leicht gehoben, und das silberne Haar fällt in geraden Linien über ihre Schultern, fängt das gedimmte Licht wie poliertes Metall.

    Sie bleibt vor mir stehen. So nah, dass ich den Geruch ihrer Zigarette rieche — Tabak und etwas Blumiges, vielleicht Jasmin, und darunter der warme, dunkle Geruch von Haut, die den ganzen Abend in dieser Bar verbracht hat. Sie sieht mich an, und ihre Augen sind das Erste, was ich wirklich wahrnehme: ein helles Braun, fast bernsteinfarben, mit winzigen Lachfältchen an den Seiten, die nicht von Fröhlichkeit stammen, sondern von Jahren des Beobachtens.

    „Du hast gut gemacht", sagt sie.

    Ihre Stimme ist tief und rau, als hätte der Rauch sie über die Jahre geschliffen wie ein Stein im Fluss. Ich wische mir über das Gesicht, versuche die Reste von Tränen und Speichel zu entfernen, und meine Hand zittert dabei.

    Sie zieht eine Zigarette aus der Schachtel, die sie in der linken Hand hält. Eine schmale, weiße Zigarette mit goldenem Filter. Sie dreht sie zwischen den Fingern, einmal, zweimal, dann hält sie sie mir hin.

    „Rauchst du?"

    Ich schüttele den Kopf. „Nicht mehr. Seit Jahren nicht."

    Sie zieht die Schultern kaum merklich hoch. „Heute Abend ist ein guter Tag, wieder anzufangen."

    Sie steckt sich selbst eine Zigarette zwischen die Lippen, und das Feuerzeug schnippt in ihrer rechten Hand auf. Die Flamme zittert im Luftzug der Klimaanlage, dann berührt sie die Spitze der Zigarette. Sie zieht, die Wangen hohl, und das Glühen frisst sich durch das Papier wie eine langsame Verbrennung. Der Rauch steigt aus ihrem Mund und ihrer Nase, wickelt sich um ihr Kinn, sinkt auf mich herab, und ich atme ein, bevor ich darüber nachdenken kann.

    Der Geschmack von fremdem Atem, von Tabak, von Wärme. Mein Körper reagiert, ein Schauer, der von meinem Nacken über meine Arme läuft, und ich spüre, wie sich meine Brustwarzen unter dem grauen Pullover anspannen.

    Sie hält mir die Zigarette hin, die ungezündete, und ich nehme sie. Meine Finger sind klamm und dick, und die schmale Zigarette wirkt fast lächerlich zwischen ihnen, aber sie passt sich nicht an. Sie wartet.

    Ich lege sie zwischen die Lippen, und die Frau mit dem silbernen Haar beugt sich vor. Ihr Feuerzeug schnippt, die Flamme springt, und ich sauge die Luft an, bis die Spitze glüht und beißt. Der Rauch kratzt meinen Hals hinab, trocken und heiß, und ich huste — ein kurzes, beschämendes Geräusch, das in der stillen Bar wie ein Hilferuf klingt.

    Sie lacht. Es ist kein spöttisches Lachen. Es ist das Lachen einer Frau, die das schon tausendmal gesehen hat, und etwas daran lässt mich erröten, aber nicht vor Scham. Vor etwas anderem.

    „Langsam", sagt sie und stellt sich neben mich an die Bar. Sie lehnt mit der Hüfte gegen den Tresen, und ich sehe, wie ihr Kleid dabei spannt, wie der Stoff sich über ihren Oberschenkel legt und die Kurve einer Strumpfhalter durchblitzt. „Zieh nicht so tief. Lass den Rauch auf der Zunge liegen, bevor du schluckst."

    Ich versuche es. Der Rauch sammelt sich in meinem Mund, warm und dicht, und ich schmecke die Bitterkeit, aber auch etwas Süßliches, etwas, das an verbranntes Karamell erinnert. Ich atme aus, und der Rauch steigt zwischen uns auf wie ein Schleier.

    Sie raucht schweigend, und ich rauche schweigend, und die Bar summt leise um uns herum. Das Cello ist verstummt, nur das Klirren von Gläsern und das gedämpfte Murmeln von Frauenstimmen. Ich sehe zur Nische, und die Jüngere kniet noch immer, den Blick auf die Frau mit dem silbernen Haar gerichtet, als wäre sie ein Ankerpunkt, der sie auf dem Boden hält.

    „Sie wartet auf dich", sagt die Frau mit dem silbernen Haar, und ich verstehe, dass sie nicht von mir spricht, sondern von der Jüngeren. „Sie wartet immer. Sie weiß, dass ich wiederkomme."

    Ich nicke, als würde ich verstehen, aber ich verstehe nicht. Noch nicht.

    Die Frau dreht sich zu mir, und ihre Zigarette ruht zwischen zwei Fingern, der Rauch aufsteigend in einer geraden Linie, die sich erst im Luftzug krümmt. Sie betrachtet mich, und ich spüre, wie ihr Blick über mein Gesicht wandert — über die kurzen grauen Haare, die noch zerzaust sind, über die Spuren von Tränen auf meinen Wangen, über meine Lesebrille, die schief auf der Nase sitzt.

    „Wie heißt du?"

    „Mistueck."

    „Mistueck." Sie kaut den Namen, als würde sie ihn proben, als würde sie sein Gewicht auf der Zunge tragen. „Ein Name, der zu dir passt. Etwas, das man ausspricht, wenn man es formen will."

    Ich weiß nicht, was ich darauf sagen soll, also sage ich nichts. Die Zigarette in meiner Hand glimmt, und ich ziehe wieder, diesmal langsamer, und der Rauch füllt meinen Mund, rinnt hinab, und ich lasse ihn entweichen.

    Sie beugt sich näher. Ihr Mund ist an meinem Ohr, und ich spüre den warmen Hauch ihres Atems, der nach Rauch und Wein und etwas Dunklem schmeckt. Die Haare an meinem Nacken sträuben sich.

    „Du hast der Barkeeperin bewiesen, dass du gehorchen kannst", flüstert sie, und ihre Stimme vibriert an meiner Haut. „Aber gehorchen ist das Minimum. Das ist das, was jede Frau hier kann. Das ist nicht genug."

    Mein Herz schlägt schneller. Ich greife nach dem Weinglas, aber meine Hand zittert zu sehr, und ich lasse es bleiben.

    „Was... was wäre genug?", frage ich, und meine Stimme bricht auf der letzten Silbe.

    Sie zieht sich zurück, aber nur ein Stück. Ihr Gesicht ist noch so nah, dass ich die feinen Poren ihrer Haut sehen kann, die leichte Rötung an den Wangen, die Falte zwischen ihren Augenbrauen, die erscheint, wenn sie konzentriert ist. Sie nimmt mir die Zigarette aus der Hand, zieht, und bläst den Rauch über mein Gesicht, langsam, dicht, wie ein Vorhang, der sich über mich legt.

    „Genug wäre, wenn du nicht nur gehorchst, sondern bittest. Wenn du nicht nur tust, was man dir sagt, sondern verlangst, dass man dir mehr sagt." Sie hält inne, und ihre Augen suchen meine. „Du hast ihre Stiefel geleckt. Gut. Aber hast du sie darum gebeten?"

    Ich schüttele den Kopf.

    „Hast du gewollt?"

    Ich nicke, langsam, und das Geständnis brennt in meiner Brust wie die Zigarette in ihrer Hand.

    „Dann sag es. Nächstes Mal sagst du es. Du sagst: ‚Darf ich?' Und wenn sie ja sagt, dankst du. Und wenn sie nein sagt, dankst du auch." Sie nimmt noch einen Zug, und die Glut frisst sich voran, das Papier schwarz werdend. „Das ist der Unterschied zwischen einer Frau, die kniet, weil sie dazu gezwungen wird, und einer, die kniet, weil sie es nicht anders will."

    Ich spüre, wie sich mein Atem vertieft, wie sich meine Brust ausdehnt, und etwas in mir kippt, eine Platte, die sich verschiebt, und plötzlich sitzt alles anders. Die Scham von vorhin ist noch da, aber sie hat sich verwandelt, ist nicht mehr Brennen, sondern Wärme, die von meinem Bauch in meine Lenden sinkt, und ich spüre, wie sich Feuchtigkeit zwischen meinen Schenkeln sammelt, langsam, ungebremst.

    Die Frau mit dem silbernen Haar bemerkt es. Natürlich bemerkt sie es. Ihre Augen wandern über meinen Körper, über den grauen Pullover, der meine harten Brustwarzen verbirgt, über die schwarze Hose, die über meinen breiten Oberschenkeln spannt, und sie lächelt, als hätte sie alles gesehen, was sie sehen musste.

    „Du wirst zurückkommen", sagt sie, und es ist keine Frage.

    „Ja."

    „Und wenn du zurückkommst, wirst du nicht an der Bar sitzen und zusehen." Sie drückt die Zigarette im Aschenbecher aus, der auf dem Tresen steht, und die Bewegung ist präzise, endgültig. „Du wirst zu ihr gehen. Zur Barkeeperin. Und du wirst sie fragen, was du tun kannst. Nicht warten, bis sie es dir sagt. Fragen."

    Ich spüre, wie mein Mund trocken wird. „Und wenn sie mich abweist?"

    Die Frau mit dem silbernen Haar lacht, leise, und der Klang ist wie der des Eiswürfels in meinem Wasserglas. „Sie wird dich nicht abweisen. Sie hat dich heute Abend auf die Knie gebracht. Das hat sie nicht mit jeder gemacht." Sie macht eine Pause. „Aber sie wird dich testen. Sie wird dich fragen, warum du kommst, was du willst, und du wirst es ihr sagen. Nicht stottern. Nicht flüstern. Sagen."

    Ich nicke, aber mein Hals ist eng, und ich weiß nicht, ob ich das kann.

    Die Frau legt ihre Hand auf meinen Unterarm. Ihre Finger sind lang und kühl, und der Druck ist fest, aber nicht hart. Eine Berührung, die nicht fordert, sondern hält.

    „Du hast Angst", sagt sie, und es ist keine Frage, sondern eine Feststellung. „Gut. Angst ist nicht dein Feind. Angst ist das Zeichen, dass du an einer Grenze stehst. Und Grenzen sind dazu da, überschritten zu werden."

    Ich schlucke. Die Zigarette in meiner Hand ist fast heruntergebrannt, und ich ziehe noch einmal, den Rauch tief in die Lungen, bis er brennt, und lasse ihn entweichen. Der Geschmack von Tabak sitzt auf meiner Zunge, bitter und scharf, und ich weiß, dass ich ihn morgen noch schmecken werde.

    Sie beugt sich wieder an mein Ohr, und diesmal legt sie ihre freie Hand auf meinen Oberschenkel, und der Druck ihrer Finger durch den Stoff ist wie ein Brandzeichen. Mein Muskel spannt sich unter ihrer Berührung an, und ich spüre, wie mein Becken sich nach vorne drückt, als würde mein Körper nach etwas suchen, das ich nicht benennen kann.

    „Es gibt drei Dinge, die eine devote Frau beweisen müssen", flüstert sie, und ihre Stimme ist so leise, dass ich mich anstrengen muss, um jedes Wort zu hören. „Erstens: Sie muss zeigen, dass sie beobachtet. Nicht starrt, nicht glotzt — beobachtet. Mit dem Bewusstsein, dass alles, was sie sieht, sie lehrt."

    Ich nicke, und ich spüre, wie meine Haut unter ihrer Hand heiß wird.

    „Zweitens: Sie muss um Erlaubnis bitten, nicht um Bestätigung. Es gibt einen Unterschied. ‚Darf ich?' ist eine Frage, die sich der Dominanten unterordnet. ‚War das gut?' ist eine Frage, die sich selbst bestätigt. Du fragst nicht für dich. Du fragst für sie."

    Ich atme aus, und mein Atem geht zittrig.

    „Drittens..." Sie macht eine Pause, und ihre Hand auf meinem Oberschenkel bewegt sich einen Zentimeter nach oben, und der Druck bleibt, und ich spüre, wie sich mein Körper unter der Berührung aufrichtet, als würde sie an einer Schnur ziehen, die tief in mir verankert ist. „Drittens muss sie zeigen, dass sie bereit ist, mehr zu empfangen, als sie glaubt, tragen zu können."

    Sie zieht sich zurück, und die Kälte, die ihre Hand hinterlässt, ist wie ein Abdruck. Ich schaue sie an, und sie schaut mich an, und ich sehe in ihren bernsteinfarbenen Augen etwas, das nicht nur Dominanz ist, sondern auch... Wärme. Eine Wärme, die nicht von Befehlen oder Strafen kommt, sondern von etwas, das tiefer liegt, etwas, das ich nicht erwartet habe.

    „Du bist nicht wie die anderen hier", sagt sie. „Du kommst nicht für das Spiel. Du kommst, weil du etwas suchst, das du nicht benennen kannst." Sie macht eine Pause, und ihre Zigarette ist heruntergebrannt, und sie drückt sie im Aschenbecher aus. „Ich kenne das. Ich war auch einmal so."

    Ich nicke, und etwas in mir weitet sich. Nicht die Erregung von vorhin, nicht das Brennen zwischen meinen Schenkeln, sondern etwas, das noch tiefer liegt, ein Gefühl, als würde jemand eine Tür aufschließen, die ich seit Jahren verschlossen halte.

    „Ich habe sie gefunden", sagt die Frau mit dem silbernen Haar, und ihre Stimme ist weicher als zuvor. „Nicht hier. Nicht in einer Nacht. Aber ich habe sie gefunden, weil jemand mir gesagt hat, was ich dir jetzt sage: Sei mutiger. Nicht lauter. Mutiger."

    Ich nicke, und ich spüre, wie meine Augen brennen, aber es sind nicht die Tränen von vorhin, nicht die Tränen der Scham und der Überwältigung. Es sind andere Tränen, und ich blinzle sie weg, bevor sie fallen können.

    Sie zieht eine weitere Zigarette aus der Schachtel, aber sie zündet sie nicht. Sie legt sie vor mich auf den Tresen, neben das Weinglas und das Wasserglas, und die schmale weiße Form liegt dort wie ein Versprechen.

    „Für später", sagt sie.

    Ich schaue zur Nische, und die Jüngere kniet noch immer, und ich frage mich, ob sie das alles gehört hat, ob sie unsere Worte getragen hat wie ich, ob ihre Knie auf dem Holzboden schmerzen wie meine.

    Die Frau mit dem silbernen Haar bemerkt meinen Blick. „Sie gehört mir", sagt sie, und die Worte sind schlicht und endgültig wie ein Stempel. „Sie hat sich entschieden, und sie wird die Nacht hier verbringen. Aber du..." Sie dreht sich zu mir, und ihr Blick ist wieder scharf, fokussiert, wie eine Klinge, die auf einer Schleife gewetzt wurde. „Du gehst nach Hause. Du denkst nach. Und du kommst wieder."

    „Wann?"

    „Wenn du bereit bist. Nicht vorher. Nicht nachher." Sie richtet sich auf, und ihre Stöckelschuhe klacken auf dem Holzboden, als sie einen Schritt zurücktritt. „Und wenn du kommst, trägst du keine flachen Schuhe."

    Ich blicke an meinen Füßen hinab, auf die bequemen, grauen Schuhe, die ich aus Bequemlichkeit gewählt habe, und erröte.

    „Du kaufst dir Schuhe mit Absatz", sagt sie, und ihre Stimme ist nicht hart, aber unmissverständlich. „Nicht weil sie schön sind. Weil sie dich verändern. Weil du anders gehst, anders stehst, anders fühlst, wenn du auf Absätzen läufst. Und wenn du anders fühlst, bittest du anders. Und wenn du anders bittest, bekommst du anders."

    Ich nicke, und das Nicken ist dieses Mal nicht zögerlich. Es ist ein Versprechen.

    Die Frau mit dem silbernen Haar wendet sich ab, aber bevor sie geht, dreht sie sich noch einmal um. Ihr Mundwinkel hebt sich, und das Lächeln ist nicht das kühle, beiläufige von vorhin, sondern etwas, das Wärme trägt, die nicht von der Zigarette oder dem Wein kommt.

    „Mistueck", sagt sie, und mein Name in ihrem Mund klingt wie etwas, das sie formt, wie Ton unter Händen, der weiß, was er werden will. „Du warst mutig heute Abend. Das war nicht nichts."

    Dann geht sie, und die Absätze klacken auf dem Holzboden, und ich schaue ihr nach, wie sie durch die Bar schreitet, die Schultern zurück, das silberne Haar schwingend, und die Jüngere in der Nische hebt den Kopf, als sie sie kommen hört, und ihr Gesicht verändert sich, wird weich, offen, wie eine Blume, die sich der Sonne zuwendet.

    Ich sitze an der Bar, die Zigarette vor mir, das Weinglas, das Wasserglas, und der Geschmack von Rauch auf meiner Zunge. Die Barkeeperin steht hinter dem Tresen, und ich spüre ihre Anwesenheit wie einen Druck in meinem Rücken, warm und beständig, und ich weiß, dass die Frau mit dem silbernen Haar recht hat.

    Ich werde wiederkommen. Und wenn ich wiederkomme, werde ich nicht an der Bar sitzen und zusehen. Ich werde auf die Absätze treten, die ich noch kaufen werde, und ich werde zu ihr gehen, und ich werde fragen, und ich werde nicht flüstern.

    Ich greife nach der Zigarette, wende sie zwischen meinen Fingern, und das Papier ist glatt und kühl, und ich lege sie in die Brusttasche meines Pullovers, nah am Herzen, wie ein Talisman, den ich tragen werde, bis ich zurückkehre.

    Die Bar summt um mich herum, und das Licht ist warm und gedimmt, und ich sitze auf meinem Hocker, und meine Knie schmerzen, und mein Gesicht ist noch feucht, und zwischen meinen Beinen ist es warm und nass, und ich weiß, dass dieser Abend erst beginnt.

    Aber nicht heute. Heute gehe ich nach Hause. Und ich denke nach. Und ich komme wieder.

    Das Weinglas steht noch halbvoll vor mir, die Kondensation perlt am Stiel hinab, und ich wickle das feuchte Glas zwischen meinen Fingern, als wäre es ein Anker. Der Jazz hat gewechselt — ein langsames Cello stottert durch den Raum, jede Note schwer und zögerlich, als wüsste sie nicht, ob sie erklingen oder verstummen will. Ich beobachte die Frau mit dem silbernen Haar in der Nische, wie sie ihre Zigarette zwischen Zeigefinger und Daumen rollt, den Glutpunkt betrachtet, als läse sie darin etwas, und dann den Rauch in einem dünnen, gezielten Strahl über das Gesicht der Knienden gleiten lässt. Die Jüngere schließt die Augen, ihre Lippen öffnen sich einen Spalt, und etwas in meiner Brust zieht sich zusammen — nicht Angst, nicht Ekel, etwas anderes, etwas das nach unten zieht, in meinen Bauch, zwischen meine Beine, wo es warm und nass wird gegen den Stoff meines Slips.

    Ich nehme einen Schluck Weißwein. Trocken, mit einem Hauch von Aprikose. Stelle das Glas ab. Die Mandeln auf der Schale rutsche ich mit dem Finger hin und her, ohne eine zu nehmen.

    Das Klacken kommt näher. Nicht das diffuse, allgegenwärtige Klacken der Stiefel auf dem schwarz lackierten Holzboden, das den ganzen Abend über wie ein zweiter Herzschlag unter der Musik liegt. Nein, dieses Klacken ist gerichtet. Es kommt auf mich zu. Scharf, rhythmisch, jeder Auftritt ein Satz, jeder Satz eine Ankündigung. Ich wende den Kopf, und da ist sie — die Barkeeperin, die hinter mir steht, ihre Latexstiefel mit den spitzen Absätzen, die das Licht fangen wie nasser Stein. Ihr Korsett schnürt ihren Oberkörper in ein Korsett aus schwarzem Gummi, jede Atmung ein leises Knarzen des Materials, und ihr strenger Chignon glänzt im gedimmten Rot der Barbeleuchtung.

    Sie steht jetzt direkt neben mir. Ich rieche sie — Gummi, Schweiß darunter, ein Hauch von etwas Bitterem, vielleicht Tabak, der in ihren Kleidern hängt. Sie legt ihre Hand auf die Bartheke, neben mein Weinglas. Ihre Finger sind lang, die Nägel kurz und ungepflegt, nicht die eines Models, sondern einer Frau, die mit ihren Händen arbeitet. Gläser poliert, Flaschen öffnet, Menschen führt.

    „Du sitzt hier schon eine Weile“, sagt sie. Keine Frage. Eine Feststellung.

    „Ja.“ Meine Stimme ist leiser, als ich möchte. Ich räusper mich. „Ja, ich — es gefällt mir hier. Die Atmosphäre.“

    Sie nickt einmal, kaum merklich. Ihre dunklen Augen mustern mich, nicht unwohl, aber mit einer Genauigkeit, die mich das Gefühl gibt, durchblättert zu werden — wie ein Buch, dessen Seiten sie einzeln umblättert und jeden Absatz prüft. Ich spüre, wie meine Schultern sich leicht anspannen, wie mein Kiefer sich festzieht.

    „Du hast zugesehen“, sagt sie. Wieder keine Frage.

    Ich nicke. Meine Zunge ist trocken. Ich greife nach dem Wasserglas, trinke einen Schluck, und das Wasser rinnt kalt meine Kehle hinab, aber es löscht nicht, was dort brennt.

    Die Barkeeperin beugt sich vor. Ihr Latexkorsett knarrt, als sich ihr Oberkörper senkt, und ihr Mund kommt nahe an mein Ohr, so nah, dass ich ihren Atem spüre — warm, nach Kaffee und etwas Süßem, vielleicht Lippenbalsam. Ihre Haarspitze am Chignon streift meine Wange, und meine Haut prickelt, als hätte jemand einen Streichholz an mir entlanggezogen.

    „Ich habe eine Aufgabe für dich“, flüstert sie.

    Die Worte sind leise, aber sie füllen meinen ganzen Schädel. Mein Puls beschleunigt sich, ich spüre ihn im Hals, in den Handgelenken, zwischen den Beinen. Die Aufgabe. Ich weiß, was das bedeutet. Ich habe es in der Nische gesehen, bei der Knienden und der Frau mit dem silbernen Haar. Ich habe es gespürt, als ich durch die Tür kam und das Klacken der Absätze mich traf wie ein Befehl. Diese Bar hat Regeln, die nicht an den Wänden hängen, sondern in der Luft liegen, im Rauch, im Gummi, im Rhythmus der Schritte.

    „Du wirst aufstehen“, flüstert sie weiter, ihre Lippen fast an meinem Ohr, „und du wirst dich vor den Frauen aufstellen, da drüben, bei der Nische. Du wirst dich vorstellen. Nicht mit Namen. Mit dem, was du bist.“

    Ich schlucke. Meine Finger umklammern den Stiel des Weinglasses.

    „Und was bin ich?“, frage ich. Meine Stimme bricht am Ende, ein hauchdünner Riss.

    Sie zieht sich zurück, gerade so weit, dass ich ihr Gesicht sehe. Ein Lächeln, aber kein warmes. Ein diagnostisches. Wie jemand, der einen Schmerzpunkt gefunden hat und prüft, wie tief er geht.

    „Das“, sagt sie, „solltest du herausfinden.“

    Der Jazz spielt. Das Cello stottert. Die Frau mit dem silbernen Haar hat ihre Zigarette abgestellt, im Kristallaschenbecher, und beobachtet uns. Die Jüngere kniet noch immer, aber ihr Kopf hat sich gedreht, ihre Augen sind auf mich gerichtet. Und ich merke, dass nicht nur sie schauen — die ganze Bar hat sich verlangsamt, die Gespräche leiser, die Bewegungen weniger. Als hätte jemand die Lupe zugedreht und alles durch einen schmalen Spalt gepresst, durch den nur noch ich und die Barkeeperin passen.

    Ich sollte aufstehen. Ich sollte meine Hände auf die Bartheke stützen und mich hochschieben und durch den Raum gehen, vorbei an den roten Ledersesseln, vorbei an den Frauen in Latex und Absätzen, bis ich vor der Nische stehe und sage, was ich bin. Devot. Unterwürfig. Eine, die Aufgaben mag, die Demütigung sucht, die es braucht, geprüft zu werden.

    Aber meine Beine sind schwer. Mein rechter Fuß hat sich um den Stuhlbein meines Barhockers gehakt, als wüsste mein Körper etwas, das mein Kopf noch nicht zugeben will. Die Wärme zwischen meinen Beinen pulst, ein rhythmisches Ziehen, das sich mit dem Klacken der Stiefel synchronisiert, und ich spüre, wie mein Slip sich weiter befeuchtet, wie der Stoff sich an meine Schamlippen legt, kühl und nass zugleich.

    Ich öffne den Mund. Schließe ihn wieder.

    „Ich — ich weiß nicht, ob —“, beginne ich.

    Mehr brauche ich nicht zu sagen. Die Barkeeperin sieht es. Sie sieht das Zögern, das Zittern in meiner Stimme, die Art, wie meine Finger das Weinglas loslassen und nach der Bartheke greifen, als bräuchten sie Halt. Und sie reagiert nicht mit Worten.

    Ihre Hand greift in mein Haar.

    Es ist ein fester Griff, kein grober. Ihre Finger gleiten unter meinen grauen Bürstenschnitt, finden den Hinterkopf, den Ansatz am Nacken, und ziehen. Nicht stark genug, um Schmerz zu verursachen — aber stark genug, um meinen Kopf nach hinten zu neigen, stark genug, um mir klar zu machen, dass sie es ist, die jetzt bestimmt, wo mein Gesicht hinguckt. Mein Nacken streckt sich, mein Kinn hebt sich, und ich starre in die Decke der Bar, die aus dunklem Holz besteht, mit Rissen, die wie Adern aussehen.

    „Du zögerst“, sagt sie. Ihre Stimme ist jetzt nicht mehr leise. Sie trägt, nicht laut, aber mit einer Klarheit, die den ganzen Raum füllt. „Du zögerst, und das ist nicht, was wir hier tun.“

    Ihre Hand dreht meinen Kopf, bis ich sie ansehe. Ihre dunklen Augen sind nah, sehr nah, und ich rieche den Latex ihres Korsetts, den warmen Gummi, der sich spannt und entspannt mit jedem ihrer Atemzüge.

    „Auf die Knie“, sagt sie.

    Die Worte treffen mich wie ein Schlag in den Bauch — nicht hart, aber genau. Mein Atem stockt, und ich spüre, wie sich meine Schenkel zusammenziehen, wie meine Muschi unter dem nassen Slip weiter pocht, ein Zustimmen, ein Ja, das mein Kopf noch nicht formuliert hat.

    Ich zögere. Noch immer. Noch einen Moment. Meine Hände liegen auf der Bartheke, die Finger gespreizt, als könnte ich mich festhalten, als könnte ich verhindern, was kommt. Aber ich will es nicht verhindern. Ich will es. Und genau das — dieses gleichzeitige Wollen und Nicht-Können, dieses Ziehen in zwei Richtungen — ist es, was mich lähmt.

    Da ist ein Lächeln auf ihrem Gesicht. Nichts Freundliches. Ein Lächeln, das sagt: Ich kenne das. Ich habe das hundertmal gesehen. Und ich habe Zeit.

    Ihr Griff in meinem Haar festigt sich. Sie zieht mich vom Barhocker, und meine Füße finden den Boden, die flachen Schuhe, die jetzt so falsch wirken, so blass und gewöhnlich zwischen all den Stiefeln und Absätzen, die auf dem schwarz lackierten Holz klacken. Sie führt mich, nicht grob, aber unerbittlich, vom Hocker weg, und ich gehe, mein Körper folgt ihrem Griff, meine Beine bewegen sich, als wären sie an Schnüren gezogen, und ich stolpere einen halben Schritt, als mein Fußgelenk sich nicht schnell genug dreht.

    Dann hält sie an. Mitten im Raum. Zwischen der Bar und der Nische, in der die Frau mit dem silbernen Haar und die Kniende sitzen. Ich kann die Zigarette riechen, die im Aschenbecher liegt, und den süßlichen Tabak, der sich mit dem Latex und dem Parfüm mischt. Die Bar ist still geworden, bis auf das Cello, das noch immer stottert, und das Klacken der Absätze, das jetzt langsam ist, als würden die Frauen näherkommen, sich um uns sammeln, einen Kreis bilden.

    „Auf die Knie“, sagt die Barkeeperin wieder. Und dieses Mal drückt ihre Hand nach unten, während sie meinen Kopf hält, und meine Knie geben nach, einer nach dem anderen, bis sie den Holzboden berühren. Der Lack ist kalt durch den Stoff meiner schwarzen Hose, und ich spüre jeden einzelnen Riss im Holz unter meinen Kniescheiben, jede Unebenheit, als würde der Boden mir sagen: Hier gehörst du hin. Hier, auf dem Boden, zwischen den Stiefeln.

    Die Barkeeperin tritt einen Schritt zurück. Ihre Stiefel sind jetzt direkt vor meinem Gesicht — schwarz glänzender Latex, der über ihre Waden und Knie reicht, die Spitzen der Absätze wie Nadeln auf dem Holz, die Sohlen leicht abgenutzt, eine Spur von Staub am Spann. Der Latex glänzt im gedimmten Licht, und ich rieche ihn jetzt deutlich — Gummi, warm von ihrer Körperwärme, mit einem Hauch von Schuhcreme darunter.

    „Lecke“, sagt sie.

    Ein Wort. Nicht mehr. Aber es reicht, um meine Wangen brennen zu lassen, um mein Herz bis in die Kehle zu schlagen, um meine Hände, die jetzt auf meinen Oberschenkeln liegen, leicht zittern zu lassen.

    Ich beuge mich vor. Langsam. Mein grauer Pullover spannt sich über meinen Schultern, und meine kurzen grauen Haare fallen über meine Stirn. Ich strecke die Zunge aus — zögerlich, wie jemand, der eine fremde Frucht probiert — und berühre den Latex.

    Der Geschmack trifft mich zuerst. Gummi, bitter und chemisch, mit einem Salzigen darunter, das von ihrer Haut kommt, von dem Schweiß, der sich unter dem Latex sammelt, den ganzen Abend, in der Wärme der Bar. Ich lecke eine Linie von der Sohle nach oben, über den Spann, und der Latex ist glatt und warm unter meiner Zunge, und ich spüre, wie sich meine Muschi zusammenzieht, ein pulsierender Krampf, der mich nasser macht, als ich schon bin.

    Ich lecke wieder. Länger diesmal, mit mehr Zunge, mit mehr Fläche, und der Latex quietscht leise unter meiner Spur. Ich schließe die Augen, und die Welt schrumpft zusammen auf diese Berührung — meine Zunge auf schwarzem Gummi, der Geruch von Latex und Schweiß, das Klacken der anderen Stiefel um mich her, das Raunen der Frauen, die zuschauen.

    „Schaut euch das an.“ Die Stimme kommt von links, von einer Frau, die ich nicht gesehen habe, als ich hereinkam. Eine Altstimme, rauchig. „Die kleine graue Maus, die die Stiefel leckt.“

    Gelächter. Nicht böses, aber spöttisches. Ein leises, amüsiertes Kichern, das durch den Raum wandert, von Frau zu Frau, wie eine Welle.

    „Wirklich devot, oder?“, sagt eine andere Stimme, jünger, mit einem Akzent, den ich nicht einordnen kann. „Schau, wie sie leckt. Als wäre es ein Eis.“

    Mehr Gelächter. Meine Wangen brennen, und ich spüre die Hitze in meinem Gesicht, die sich nach unten ausbreitet, über meinen Hals, in meine Brust, und meine Brustwarzen spannen sich gegen den Stoff meines BHs, hart und empfindlich, und ich lecke weiter, über das Knie der Stiefel, wo der Latex dicker ist und der Geschmack intensiver, bitterer, mehr Gummi, mehr Schweiß.

    „Nicht so hastig“, sagt die Barkeeperin, und ihre Hand legt sich in meinen Nacken, hält mich fest. „Nimm dir Zeit. Zeig uns, dass du es ernst meinst.“

    Ich verlangsame. Meine Zunge gleitet nun in breiten, weiten Strichen über den Latex, von der Sohle bis zur Wade, und ich schmecke jeden Zentimeter — den Staub der Bar, den Gummi, die Spur ihres Fußpuders, das sich mit dem Latex vermischt hat. Meine Hände liegen jetzt auf dem Boden, auf beiden Seiten ihrer Stiefel, und ich spüre das Holz unter meinen Handflächen, kühl und rau, und meine Knie drücken in den Lack, und mein Rücken ist gekrümmt, mein Po in die Höhe gestreckt, und ich weiß, dass die Frauen hinter mir meine Form sehen, die weiche Rundung unter der schwarzen Hose, und ich spüre ihre Blicke wie Finger, die über mich gleiten.

    „Sie hat eine schöne Haltung“, sagt die Frau mit dem silbernen Haar. Ich erkenne ihre Stimme jetzt — tief, mit einer Autorität, die nicht laut sein muss. „Gebückt, demütig. So gehört es sich.“

    „Aber sie hat noch immer die flachen Schuhe an“, sagt die Jüngere aus der Nische. „Schau ihre Füße an. Flache Schuhe. In dieser Bar.“

    Ein Raunen geht durch den Raum. Abscheu. Amüsiertes Entsetzen. Als hätte jemand ein falsches Kleidungsstück in einen Tempel getragen. Ich schaue auf meine eigenen Füße — die flachen, schwarzen Schuhe, die so gewöhnlich aussehen, so blass und nichtig neben den Stiefeln der Barkeeperin — und mir wird klar, was ich bin: ein Fremdkörper. Eine, die nicht hierher gehört, nicht in diesen Schuhen, nicht in diesen Kleidern, nicht mit diesem Zögern.

    Die Barkeeperin zieht mich an den Haaren hoch, bis mein Gesicht vor ihrem Knie ist, und ich sehe von unten in ihr Gesicht — die dunkle Haut, die im roten Licht glänzt, die strengen Augen, den Mund, der nicht lächelt.

    „Du leckst gut“, sagt sie. „Aber lecken allein reicht nicht. Sag mir, was du bist.“

    Ich öffne den Mund. Meine Zunge ist noch nass von Latex und Schweiß, und die Worte stecken in meiner Kehle, fest und schwer, wie ein Klumpen, der nicht hinunter will.

    „Ich — ich bin —“, stottere ich, und meine Stimme bricht, und ich spüre, wie mir heiß in den Augen wird, und ich blinzle, und eine Träne löst sich, rollt über meine Wange, und ich schäme mich, und ich bin erregt, und ich will mehr, und ich will fliehen, und ich bleibe.

    „Sprich“, sagt die Barkeeperin. Ihr Griff in meinem Haar festigt sich, ein kurzer Zug, der meinen Kopf nach hinten reißt, bis mein Hals gestreckt ist und ich die Decke sehe, die Adern im Holz, die Risse, die wie Linien einer Hand lesen.

    „Ich bin devot“, sage ich. Die Worte kommen leise, fast tonlos, aber sie sind da, und sie hängen in der Luft wie Rauch.

    „Lauter“, sagt die Barkeeperin.

    „Ich bin devot.“ Lauter diesmal, und meine Stimme zittert, aber sie trägt, und ich spüre, wie die Worte durch den Raum gehen, wie die Frauen sie hören, wie sie nickend, lächelnd, spöttisch reagieren.

    „Und was machen devote Frauen in meiner Bar?“, fragt die Barkeeperin.

    Sie zieht meinen Kopf wieder nach unten, bis mein Gesicht vor ihren Stiefeln ist, und ich verstehe. Ich beuge mich vor, meine Zunge findet den Latex, und ich lecke — langsam, gründlich, von der Sohle über den Spann bis zur Wade — und während ich lecke, sage ich es, die Worte nass und verschwommen gegen den Gummi:

    „Sie gehorchen.“

    Gelächter. Aber auch ein Murmeln, ein Anerkennen. Die Frau mit dem silbernen Haar hat ihre Zigarette wieder angezündet, und ich rieche den Rauch, der über mich hinwegzieht, und ich huste leise, und die Barkeeperin hält mich fest, und ich lecke weiter, über das Knie, bis zum Oberschenkel, wo der Latex enger anliegt und wärmer ist, und ich spüre die Wärme ihrer Haut darunter, und mein Mund ist voll von Geschmack — Gummi, Schweiß, Tabak aus der Luft — und meine Muschi pocht, nass und heiß, und ich presse meine Schenkel zusammen, aber es hilft nicht, es macht es schlimmer, das Reiben des nassen Slips gegen meine Schamlippen, und ich keuche leise, ein Laut, der nicht laut ist, aber die Frauen um mich herum hören ihn.

    „Sie ist nass“, sagt jemand hinter mir. Eine Feststellung, kein Spott. „Schaut ihre Haltung. Sie presst die Beine zusammen.“

    „Natürlich ist sie nass“, sagt die Barkeeperin. „Sie leckt meine Stiefel vor aller Augen. Was soll sie sonst sein?“

    Ihre Hand löst sich aus meinem Haar. Sie streicht mir stattdessen über den Kopf, eine kurze, fast zärtliche Geste, und ich bebe, und eine weitere Träne löst sich, und ich lecke weiter, in langsamen, breiten Strichen, und der Latex glänzt jetzt, wo meine Zunge ihn benetzt hat, eine Spur von Speichel, die im Licht schimmert.

    „Gut“, sagt die Barkeeperin. „Genug.“

    Ich halte inne. Meine Zunge liegt noch am Latex, aber ich bewege sie nicht mehr. Ich warte. Mein Atem geht flach und schnell, und ich spüre, wie sich mein Brustkorb hebt und senkt, und meine Knie schmerzen auf dem Holzboden, und mein Gesicht ist nass — von Tränen, von Speichel, von Schweiß — und ich weiß nicht, was ich tun soll, wo ich hingucken soll, wie ich aufstehen soll.

    Die Barkeeperin tritt einen Schritt zurück. Ihre Stiefel verlassen mein Gesichtsfeld, und ich bleibe knien, auf dem Boden, zwischen den Frauen, die mich umringen, und ich sehe ihre Beine — Latex, Nylon, nackte Haut, Stiefel, Pumps, Sandalen mit Riemen — und ich bin klein, hier unten, auf dem Boden, und die Welt ist groß und warm und riecht nach Gummi und Tabak und Wein.

    „Du darfst aufstehen“, sagt die Barkeeperin.

    Ich stütze mich auf die Bartheke, ziehe mich hoch. Meine Knie zittern, und ich muss mich festhalten, bis ich stehe, und mein Pullover ist verschoben, hat sich aus meiner Hose gelöst, und meine Haare stehen in alle Richtungen, und ich wische mir über das Gesicht, aber es bringt nichts, die Tränen und der Speichel verschmieren sich nur, und ich fühle mich — ich fühle mich — ich fühle.

    Die Frau mit dem silbernen Haar lächelt mich an. Hebt ihr Glas, ein stummes Anstoßen, und die Jüngere neben ihr, die noch immer kniet, nickt mir zu, und in ihrem Blick ist etwas, das ich kenne, etwas, das sagt: Ich war, wo du bist. Es geht vorbei. Und es geht nicht vorbei.

    Ich setze mich zurück auf meinen Barhocker. Das Weinglas steht noch da, halbvoll, warm geworden. Ich nehme einen Schluck. Der Wein schmeckt nach nichts, nach Wasser mit Farbe, und ich stelle das Glas ab und greife nach dem Wasserglas, und das Wasser ist kalt und klar, und ich trinke es in einem Zug, und es rinnt meine Kehle hinab und kühlt, was brennt.

    Die Barkeeperin steht hinter der Bar, poliert ein Glas, als wäre nichts gewesen. Aber als ich aufsehe, fängt sie meinen Blick, und für einen Moment — einen einzigen, schmalen Moment — ist da etwas in ihren Augen, das nicht diagnostisch ist, nicht streng, nicht prüfend. Etwas, das aussieht wie Anerkennen. Wie ein stummes: Gut gemacht.

    Dann wendet sie sich ab, und ich sitze auf meinem Barhocker, in meinem grauen Pullover und meinen flachen Schuhen, und der Jazz spielt, und das Cello stottert, und die Frau mit dem silbernen Haar bläst Rauch über die Kniende, und ich schmecke noch immer Latex auf meiner Zunge — bitter, chemisch, salzig — und ich weiß, dass ich wiederkommen werde. Dass ich wiederkommen muss. Dass dieser Abend nicht endet, sondern beginnt.

    Der Wein ist warm. Ich trinke ihn trotzdem

    Die Abendluft liegt schwer auf der Innenstadt, als ich die Haustür hinter mir schließe. Ein feuchter Sommerabend, einer von denen, an denen der Asphalt noch die Hitze des Tages ausatmet und die Luft nach Abkühlung lechzt. Ich brauche das. Einfach raus, einfach gehen, einfach irgendwo sitzen und ein Glas trinken. Nichts weiter. Mein Kopf ist voll von Sätzen, die ich heute geschrieben und wieder verworfen habe, von Halbgedanken, die sich wie Wollfäden verheddern, wenn man zu lange am Ende zieht. Ich brauche Abstand.

    Ich gehe die Fußgängerzone entlang, an den geschlossenen Schaufenstern vorbei, in denen sich die Straßenlaternen wie trübe Augen spiegeln. Ein paar vereinzelte Passanten kreuzen meinen Weg – ein Pärchen, Hand in Hand, ein Mann mit Hund, eine junge Frau, die auf ihr Handy starrt und dabei fast in eine Laterne läuft. Ich selbst laufe ohne Ziel. Links, rechts, einfach da entlang, wo die Füße mich hintragen. Meine flachen Schuhe – bequem, schwarz, nichts Besonderes – machen kaum ein Geräusch auf dem Pflaster. Ich habe meine Lesebrille in der Jackentasche, zusammen mit dem Hausschlüssel und einem zerlesenen Taschenbuch, das ich für solche Momente immer dabei habe. Ich weiß, dass ich es wahrscheinlich nicht aufschlagen werde. Aber es beruhigt mich, wenn die Finger beim Gehen den gerundeten Rücken spüren.

    Ich trage einen dunkelgrauen Pullover, weich und fließend, über einer schwarzen Hose. Gedeckte Farben, wie immer. Ich habe nie viel Aufhebens um mein Äußeres gemacht. Meine kurzen grauen Haare – der Buzzschnitt, den ich mir vor zwei Jahren zugelegt habe und seither nicht mehr missen möchte – sitzen glatt an meinem Kopf. Ich streiche gelegentlich mit der Hand darüber, wenn ich nachdenke. Eine alte Gewohnheit. Die kühle Brise auf dem Schädel ist angenehm. Ich bin einundsechzig – nein, siebenundfünfzig, korrigiere ich mich im Stillen, siebenundfünfzig, und mir egal, was man in meinem Alter trägt oder nicht trägt. Ich habe aufgehört, mich danach zu richten.

    Die Stadt atmet. Irgendwo schlägt eine Kirchturmuhr, halb zehn, der Ton zerfasert in der feuchten Luft. Ich biege in eine Seitenstraße ein, eine, die ich nicht kenne. Hier ist es ruhiger. Die Läden sind kleiner, älter, nicht diese polierten Kettenläden, die überall gleich aussehen. Ein Antiquariat – geschlossen. Eine Tabakhandlung – geschlossen. Ein Lokal mit heruntergelassenem Rolladen, vor dem eine Katze sitzt und mich mit gelben Augen mustert. Ich nicke ihr zu. Sie blinzelt. Mehr nicht.

    Dann bleibe ich stehen.

    Es ist keine auffällige Tür. Dunkles Holz, kein Leuchtschild, keine Plakate, keine aufdringliche Musik, die nach draußen dröhnt. Nur eine schmale Fassade, die sich zwischen den Nachbargebäuden einklemmt wie ein vergessenes Buch zwischen zwei dicken Wälzern. Ein Schild hängt schief neben dem Eingang, Messing oder etwas, das so aussehen soll, mit eingravierter Schrift, die im Laternenlicht nur halb lesbar ist. Ich trete näher.

    Eintritt ab 18 Jahren.

    Ich schnalze mit der Zunge. Siebenundfünfzig. Da bin ich locker drüber – fast vierzig Jahre drüber, wenn man es genau nimmt. Aber das Schild bedeutet etwas anderes, etwas, das mich sofort interessiert: Wenn es eine Altersbeschränkung gibt, bedeutet das, dass hier geraucht werden darf. In dieser Stadt, in der jeder noch so kleine Laden längst zur rauchfreien Zone erklärt wurde, in der man schon angestarrt wird, wenn man draußen auf der Straße eine Zigarette dreht – hier, hinter dieser unscheinbaren Tür, ist Rauchen erlaubt.

    Das gefällt mir.

    Ich habe nie viel geraucht. Gelegentlich, in jungen Jahren, auf Partys, wenn der Wein floss und die Nächte lang waren. Aber der Geruch – der Geruch hat mich immer umgehauen. Der schwere, süßlich-herbe Duft von Tabak, vermischt mit dem Aroma von Alkohol und Parfüm und Körperwärme, das ist für mich der Geruch von etwas, das es nicht mehr gibt: von Räumen, in denen Menschen sich gehen lassen, in denen die Masken fallen, in dem man sein darf, wie man ist, ohne dass jemand den Finger hebt und sagt: Das ist ungesund. Das ist verboten. Das gehört sich nicht.

    Ich lausche. Leise Musik dringt durch die Tür, gedämpft, ein langsamer Bass, ein paar Saxophon-Töne, die sich wie Rauchschwaden durch das Holz winden. Jazzmusik, oder etwas Ähnliches. Nicht aufdringlich. Einladend.

    Na dann, denke ich. Schau ich doch mal.

    Ich drücke die Klinke herunter. Die Tür gibt nach, schwerer als erwartet, und ein Schwall warmer Luft schlägt mir entgegen. Der Geruch trifft mich zuerst: Tabak, nicht Zigarette, etwas Schwereres, vielleicht Zigarre, vermischt mit Alkohol und einem süßlich-scharfen Unterton, den ich nicht sofort zuordnen kann. Es riecht nach – ich kenne das Wort nicht. Es riecht nach etwas, das man nicht benennen muss, um es zu kennen. Nach einem Raum, in dem Dinge geschehen, die draußen vor der Tür keine Bedeutung haben.

    Ich trete ein.

    Die Bar ist kleiner, als ich erwartet habe, und das ist gut so. Sie ist urig – das Wort fällt mir ein, bevor ich überhaupt den Raum überblicke. Urig wie eine Kneipe, in der die Zeit stehen geblieben ist, aber nicht auf eine staubige, traurige Weise, sondern auf eine, die sagt: Hier haben wir uns eingerichtet. Hier bleiben wir, wie wir sind. Der Boden ist aus schwarz lackiertem Holz, das im gedimmten Licht glänzt, als wäre er frisch gebohnert. An den Wänden hängen keine Bilder, sondern Regale mit Flaschen, die im Halbdunkel bernsteinfarben und rubinrot leuchten. Das Licht ist warm und so niedrig, dass die Ecken des Raumes im Dunkeln verschwimmen.

    Und welche Ecken. Diverse kleine Nischen sind in die Wände eingelassen oder durch Wandvorsprünge und Vorhänge geschaffen, halbrunde Sitzgelegenheiten mit roten Ledersesseln, die so tief sind, dass man darin versinkt wie in einer Umarmung. Manche Nischen sind durch schwere, dunkle Vorhänge halb verschlossen, aus denen nur ein Schimmer von Licht und ein Flüstern von Stimmen dringt. Andere sind offen, und ich erkenne Umrisse von Frauen, die einander zugewandt sitzen, Gläser in den Händen, Köpfe nah beieinander. Ich blinzle. Es ist dunkel hier, und ich brauche einen Moment, bis meine Augen sich anpassen.

    In der Mitte des Raumes gibt es eine kleine Tanzfläche – das Wort ist fast zu groß für das, was ich sehe. Ein Quadrat, vielleicht drei mal drei Meter, mit einem leicht reflektierenden Boden, auf dem das Licht einer einzelnen Spot tanzt, der an der Decke montiert ist. Niemand tanzt. Die Fläche liegt da wie eine leere Bühne, wartend.

    Dann die Bar. Sie ist das Herz des Raumes, ein langes, geschwungenes Möbelstück aus dunklem Holz, das sich wie ein Fluss durch den vorderen Teil des Raumes zieht. Nicht gerade, nicht winklig, sondern mit einer sanften Kurve, die den Blick führt und die Schwere des Holzes aufhebt. Die Bartheke ist poliert, glatt, und dahinter erhebt sich ein Regal, das bis zur Decke reicht, voller Flaschen in allen Farben und Größen. Am Rand der Bar, an der freien Ecke der Kurve, steht ein Barhocker aus dunklem Leder, der frei ist.

    Ich gehe darauf zu. Meine Schritte hallen leise auf dem Holzboden nach, und mir fällt auf, dass ich die einzige bin, deren Schuhe kein Klacken verursachen. Überall sonst im Raum – das registriere ich im Vorbeigehen – ist das Geräusch von Absätzen auf Holz zu hören. Spitz, rhythmisch, bestimmend. Das Klicken und Klacken von Stöckelschuhen, Stiefeln, Pumps. Es ist ein Geräusch, das den Raum wie ein Herzschlag durchzieht, gleichmäßig und unaufhörlich. Meine flachen Schuhe sind eine Ausnahme. Mir ist das recht so.

    Ich setze mich an die freie Ecke der Bar. Der Barhocker ist bequemer, als er aussieht, das Leder gibt nach, als ich mich hineinlasse. Ich stütze die Ellbogen auf die Bartheke und schaue mich um. Jetzt, wo ich sitze und meine Augen sich an das Halbdunkel gewöhnt haben, beginne ich, Details wahrzunehmen.

    Hinter der Bar steht eine Frau. Sie ist groß – nein, nicht groß, das ist es nicht. Sie trägt Stiefel. Schwarze, glänzende Stiefel, die über das Knie reichen und Absätze haben, die so spitz sind, dass sie wie Waffen aussehen. Die Stiefel glänzen im Licht, und es dauert einen Moment, bis ich erkenne, dass es kein Leder ist. Es ist Latexgummi. Das süßlich-scharfe Aroma, das ich beim Eintreten wahrgenommen habe – das ist es. Latexgummi. Der Geruch von Gummi und Hitze und etwas, das ich nicht benennen will, weil es mich irritiert und gleichzeitig an etwas erinnert, das ich lange nicht mehr gespürt habe.

    Die Frau hinter der Bar trägt ein Korsett. Schwarz, glänzend, aus demselben Material wie die Stiefel, das sich um ihren Oberkörper legt wie eine zweite Haut. Es schnürt sich vorne, und die Schnürung zieht das Material so eng an, dass jede Kurve ihres Körpers darunter hervortritt. Ihre Haut schimmert im Licht, warm und dunkel, und ihre Haare sind zu einem strengen Knoten gebunden. Sie sieht mich an, und ihre Augen sind dunkel, beobachtend, als würde sie mich taxieren. Ich nicke ihr zu. Sie nickt zurück, langsam, und stellt ein Glas, das sie gerade poliert hat, vor mir ab.

    „Was darf's sein?", fragt sie. Ihre Stimme ist tief, ruhig, mit einem Unterton, der nicht fragt, sondern auffordert.

    Ich überlege. Ich bin nicht hier, um mich zu betrinken. Ich bin hier, weil ich raus musste, weil die Wände meiner Wohnung zu eng wurden und die Sätze in meinem Kopf zu laut. Ein Glas Wein. Und Wasser, weil ich klaren Kopf behalten möchte. Ich muss nicht mehr fahren – der Bus fährt noch bis Mitternacht, und die Haltestelle ist zwei Straßen weiter.

    „Ein Glas Wein", sage ich. „Rot, wenn Sie haben. Trocken. Und ein Wasser dazu."

    Sie dreht sich um, und ich beobachte, wie sich das Latexgummi über ihren Rücken spannt, wie das Licht in feinen Streifen über das Material gleitet. Sie greift nach einer Flasche, gießt ein, stellt das Glas vor mich, dann das Wasser. Beide auf einem kleinen, runden Untersetzer aus Kristall. Neben dem Glas Wein steht ein Aschenbecher. Ebenfalls Kristall, schwer, mit geschliffenem Rand. Ich rauche nicht. Aber der Aschenbecher ist da, selbstverständlich, wie ein Besteckteil, das auf seinen Gebrauch wartet.

    Ich nehme einen Schluck Wein. Er ist gut – kräftig, trocken, mit einem Hauch von Brombeere und etwas Erdigem, das auf der Zunge liegen bleibt. Ich stelle das Glas ab und schaue mich um.

    Jetzt, da ich sitze und den Raum überblicke, fällt mir auf, was mir beim Eintreten noch nicht bewusst war. Ich schaue noch einmal. Und noch einmal. Ich zähle. An der Bar, in den Nischen, auf den Ledersesseln, in der Ecke beim Fenster – überall Frauen. Ich sehe keine Männer. Keinen einzigen. Zwanzig, vielleicht dreißig Personen, und alle sind weiblich. Verschiedene Altersgruppen, verschiedene Typen – einige jung, mit glatten Gesichtern und langen Haaren, andere reifer, mit Linien um die Augen und dem sicheren Auftreten von Frauen, die wissen, wer sie sind. Einige tragen Latexgummi – Kleider, Korsetts, Handschuhe, die bis über die Ellbogen reichen. Andere sind legerer gekleidet, in Jeans und Blusen, in Kleidern, in Röcken. Aber alle – alle – tragen sie Absätze. Das Klacken, das ich beim Eintreten gehört habe, ist nicht zufällig. Es ist die Sprache dieses Raumes.

    Ich grinese. Nicht breit, nicht auffällig, nur ein leichtes Heben der Mundwinkel, das ich im polierten Holz der Bartheke gespiegelt sehe. Nicht schlecht, denke ich. Gar nicht schlecht.

    Ich nehme einen weiteren Schluck Wein und beobachte den Raum. In einer der Nischen, zwei Sitze von meiner Position entfernt, sitzen zwei Frauen einander gegenüber. Eine von ihnen, jünger, vielleicht Anfang dreißig, mit kurzem blonden Haar und einer Brille, die meiner nicht unähnlich ist, beugt sich vor. Sie trägt ein schwarzes Kleid, hochgeschlossen, und darunter – ich sehe es, als sie die Beine übereinanderschlägt – Lackstiefel, die bis ans Oberschenkel reichen. Die Frau ihr gegenüber, älter, mit silbernen Haaren und einem tiefroten Lippenstift, lehnt zurück und raucht. Sie hält die Zigarette zwischen Zeige- und Mittelfinger, und der Rauch steigt in einer langsamen, dichten Säule auf, der sich im Licht der Tischlampe wie ein Gespinst ausbreitet. Die jüngere Frau sagt etwas, das ich nicht höre. Die ältere lächelt, nimmt einen Zug, und bläst den Rauch nicht nach oben, sondern direkt in Richtung der jüngeren, langsam, zielgerichtet, so als würde sie ihr etwas übergeben. Die jüngere schließt für einen Moment die Augen. Ihre Lippen öffnen sich, nur minimal, und sie atmet ein.

    Ich wende den Blick ab. Nicht, weil mich das stört. Sondern weil es mich an etwas erinnert, das ich lange nicht mehr gespürt habe, und ich bin nicht sicher, ob ich bereit bin, das jetzt zuzulassen.

    Das Glas Wasser steht neben dem Wein, unangetastet. Ich greife danach, trinke einen Schluck, stelle es ab. Die Kondensation perlt an der Außenseite des Glases und sammelt sich auf dem Kristalluntersetzer. Ich fahre mit dem Finger durch die Feuchtigkeit und ziehe eine Linie, die sofort verdunstet.

    Die Musik hat gewechselt. Ein langsameres Stück, tiefer Bass, eine Frauenstimme, die singt, ohne dass ich die Worte verstehe. Es ist nicht wichtig. Die Stimmung ist da, sie liegt über dem Raum wie ein zweiter Tabakrauch, dicht und warm und ein wenig betäubend. Ich atme ein, und der Geruch ist überall – Tabak, Alkohol, Latexgummi, Parfüm, etwas, das nach Leder schmeckt, etwas, das nach Haut schmeckt.

    Ich streiche mir über den Kopf, die kurzen Haare, die wie Samt unter meinen Fingern liegen. Die Lesebrille drückt leicht in meiner Jackentasche. Ich hole sie nicht heraus. Es gibt hier nichts zu lesen. Nichts, das man mit den Augen erfasst. Was hier zu lesen ist, liegt zwischen den Blicken und den Gesten, in der Art, wie eine Frau ihr Glas hält, in der Art, wie eine andere den Kopf neigt, in der Art, wie der Rauch sich zwischen ihnen ausbreitet wie ein Gespräch, das keine Worte braucht.

    Die Barkeeperin – ich suche nach einem besseren Wort, aber es fällt mir nicht ein – steht weiter hinten an der Bar und spricht leise mit einer Frau, die auf einem der Hocker am anderen Ende sitzt. Die Frau am Hocker trägt ein Latexgummi-Kleid, das so eng ist, dass es jede Bewegung ihres Körpers wie ein Echo wiedergibt. Das Material quietscht leise, wenn sie sich umdreht. Sie hat die Beine übereinandergeschlagen, und ihr Fuß – in einem schwarzen Pump mit spitzer Spitze und einem Absatz, der so dünn ist, dass er wie eine Nadel aussieht – wippt im Takt der Musik auf und ab. Das Klacken auf dem Holzboden ist wie ein Metronom, das den Raum im Takt hält.

    Ich trinke meinen Wein. Langsam, Schluck für Schluck, und lasse den Raum auf mir wirken. Ich bin nicht hierhergekommen, um etwas zu finden. Ich bin hierhergekommen, um dem zu entkommen, was ich kenne. Und das hier – dieser Raum, dieser Geruch, diese Frauen, dieses leise Klacken und der dichte Rauch – das kenne ich nicht. Und das ist gut.

    Ich stelle das leere Weinglas ab und nehme einen weiteren Schluck Wasser. Die Barkeeperin erscheint vor mir, ohne dass ich sie gerufen habe. Sie stellt eine Schale mit Nüssen neben den Aschenbecher – Mandeln, geröstet, salzig – und sieht mich an.

    „Noch ein Glas?", fragt sie.

    Ich zögere. Der Abend ist noch jung, und die Wände meiner Wohnung sind noch immer eng. Aber hier ist es warm, und der Wein war gut, und der Raum hat etwas, das mich festhält, ohne dass ich sagen könnte, was es ist.

    „Ja", sage ich. „Diesmal Weiß. Und das Wasser kann bleiben."

    Sie nickt und dreht sich um. Ich beobachte, wie das Latexgummi über ihren Körper gleitet, wie das Licht sich bricht, wie die Stiefel auf dem Holz klacken, als sie nach der Flasche greift. Sie gießt ein, stellt das Glas vor mich, und ich danke ihr mit einem Nicken.

    In der Nische neben mir hat sich etwas verändert. Die jüngere Frau mit den Lackstiefeln ist aufgestanden – oder vielmehr, sie hat sich auf die Knie sinken lassen, vor dem Sessel der älteren Frau, die noch immer raucht. Ihr Kopf ist gesenkt, die Hände liegen auf den Oberschenkeln, und die ältere Frau legt ihr eine Hand auf den Hinterkopf, langsam, fast liebevoll, und streicht ihr über das blonde Haar. Dann nimmt sie einen Zug von der Zigarette, zieht den Rauch tief ein, und beugt sich vor. Sie haucht den Rauch über den Kopf der jüngeren, und der Rauch sinkt herab wie ein Schleier, der sich über die gekniete Frau legt.

    Ich wende den Blick nicht ab. Ich kann nicht. Meine Finger liegen auf der Bartheke, still, und ich spüre, wie mein Puls sich etwas beschleunigt. Nur ein wenig. Nur genug, um es zu bemerken.

    Die ältere Frau blickt auf. Ihre Augen finden meine. Für einen Moment – einen kurzen, schmalen Moment – halten sich unsere Blicke. Dann lächelt sie, langsam, und wendet sich wieder der Frau zu ihren Füßen.

    Ich nehme einen Schluck Wein. Weiß, diesmal, kühl und frisch, mit einer Säure, die den Gaumen putzt. Ich stelle das Glas ab und atme aus. Der Rauch der Zigarette der älteren Frau hat mich erreicht, schwer und warm, und ich atme ihn ein, ohne es zu wollen, ohne mich zu wehren.

    Die Musik spielt. Die Frauen reden, leise, in Stimmen, die wie Rauch klingen. Die Barkeeperin poliert ein Glas. Die Absätze klacken. Das Latexgummi quietscht. Und ich sitze an der Bar, in meiner grauen Jacke, mit meinen flachen Schuhen und meiner Lesebrille in der Tasche, und ich trinke meinen Wein, und ich denke: Nicht schlecht. Gar nicht schlecht.

    Ich greife nach dem Wasserglas und trinke. Der Abend ist noch lang. Und ich muss nicht mehr fahren.

    😄 Ich finde PNs ab und zu auch durchaus reizvoll. Aber lebt ein Forum nicht gerade davon, dass man sich öffentlich austauscht, diskutiert und gemeinsam Geschichten entdeckt? Oder habe ich das als Neuling völlig falsch verstanden? …ich frage natürlich nur für einen Freund. 😉

    Hi, Misttück.

    Willkommen hier.

    Ich bin gespannt auf deine Geschichten.

    Aber fehlt da nicht ein s in deinem Namen?

    Oder ist das Absicht?

    Hallo SeineSchlampe,


    vielen Dank für die nette Begrüßung!


    Ja, das fehlende s ist tatsächlich Absicht – beziehungsweise aus einem kleinen Schreibfehler entstanden. Vor rund 27 Jahren hat sich Misttueck so eingeschlichen, und irgendwann wurde daraus mein unverwechselbarer Autorenname. Heute würde ich ihn gar nicht mehr anders schreiben. 😉

    Wenn du neugierig bist: Meine ersten Geschichten sind bereits auf der Hauptseite von Schambereich veröffentlicht. Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen und bin natürlich gespannt, wie sie dir gefallen.

    Liebe Grüße

    Misttueck

    Hallo zusammen,


    ich bin 57 Jahre jung und schreibe unter dem Namen Misttueck. Mich faszinieren Menschen, Begegnungen und die Geschichten, die oft dort beginnen, wo Worte allein nicht mehr ausreichen.

    Meine Geschichten sind eine Mischung aus Realität, Gedanken und Fantasie. Irgendein Stück davon hat fast immer einen realen Ursprung – manchmal eine Begegnung, manchmal ein Gefühl oder ein Erlebnis. Was wirklich passiert ist und was meiner Fantasie entspringt, bleibt mein kleines Geheimnis. 😉

    Ich mag ehrliche Gespräche, Menschen mit Humor und diejenigen, die auch zwischen den Zeilen lesen können. Ich freue mich auf einen respektvollen Austausch und bin gespannt auf die Geschichten, die ich hier entdecken darf.

    Liebe Grüße

    Misttueck