(Erotische) Schriftstellerei

  • Interessant, wie manche Autoren Ihre Werke mühsam gebären. So geht es womöglich vielen!
    Ist es bei erotischen Werken anders? Muß der Autor nicht eigene Lust empfinden, die ihn zum Weiterschreiben drängt?
    Vielleicht outet sich im SB ja auch jemand zu den angesprochenen Punkten?


    "Mein Tempo ist langsam": Schriftsteller S.
    erklärt, warum er lediglich eine Seite am Tag schreibt, warum er keinen
    normalen Brotberuf mehr ausüben könnte und sich davor hütet, zu viel
    Geld zu verdienen.


    Die Presse: Sie haben erst vor Kurzem Ihren Roman „Polivka
    hat einen Traum“ fertiggestellt. Wie lange haben Sie an dem Buch
    gearbeitet?


    S.: Ein Jahr. Mein Tempo ist langsam,
    das Plansoll ist eine Seite am Tag. Da bin ich dann schon froh, wenn ich
    das schaffe, weil ich wahnsinnig lange an einem Satz feile.
    Erstellen Sie ein Konzept, bevor Sie ein Buch schreiben?
    Nein. Das unterscheidet mich auch von anderen Kollegen. Ich weiß nie, wie es weitergeht. Es ist immer ein Sprung ins Nichts.
    Sie wissen auch nicht, wie Ihre Bücher ausgehen?
    Ich vergleiche das immer mit Bergsteigen: Durch den Nebel sieht man den Gipfel, aber den Weg dorthin kennt man nicht.
    Und kommt es vor, dass Sie etwas verwerfen oder umschreiben?
    Davor
    habe ich immer Angst. Es kommt schon vor, dass ich mich in eine
    Sackgasse schreibe und tagelang nicht mehr weiterweiß. Irgendwann kommt
    dann die Erleuchtung.
    ...
    Haben Sie manchmal Angst davor, dass eines Ihrer Bücher zum Ladenhüter werden könnte?
    Immer. Wobei die Angst beim zweiten und dritten Buch am größten war.
    Sind Sie auf andere Autoren neidisch, wenn sich deren Bücher besser verkaufen?
    Neidisch bin ich nur dann, wenn das Buch schlecht ist, aber trotzdem besser verkauft wird.



    baer

    Lector, intende,
    laetaberis!
    (Lieber Leser, paß auf, Du wirst Deinen Spaß haben! – Apuleus)

  • "Natürlich positiv, wie sich das für Literaturnobelpreisträgerin Jelinek
    gehört. Ihr gebührt die Ehre, Pornos gesellschaftsfähig gemacht zu haben
    – Zitat aus der Rezension der FAZ über Elfriede Jelineks 1989
    erschienenes Buch Lust."
    (Zitat Erpan)


    Jeder Porno ermüdet. Und wenn Elfriede Jelinek einen schreibt, sich an
    die Regeln eines Porno hält: Dann kann man ihr genau das Ermüdende der
    Wiederholung nicht vorwerfen, den Überdruß und am Ende die Langeweile,
    wie es viele, man ahnt es: männliche Kritiker bei Erscheinen des Buches
    getan haben. Im Gegenteil, es ist ein Beweis für das Gelingen des
    Romans, auch wenn Jelinek behauptet hat, daß ihr Projekt gescheitert
    sei, weil es keine weibliche Pornosprache gebe; eine Behauptung, die
    genauso zum Programm des Romans gehört wie Jelineks bewußt mißlungene
    Metaphern. Sie sollen Gewalt antun.



    Dem Link zur überaus gelungenen FAZ-Rezension, den Erpan zum Gedicht Postkoitales von LaVie gepostet hat, verdanke ich den o.a. Absatz.


    Elfriede Jelinek behauptet also, daß es keine weibliche Pornosprache gebe. Stimmt das?
    Wieso gibt es dann bei uns ständig Diskussionen, daß sich ein Mann nicht in die weibliche Erotik einfühlen kann und an den inneren Monologen seiner Protagonistin scheitern muß?


    baer

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  • Da gibts bei mir ja nun nicht mehr viel zu outen.


    Empfinde ich eigene Lust beim Schreiben?
    Nur noch ganz selten. Ich schreibe alles in allem jetzt etwa 8-9 Jahre lange Erotica, und das Sich-am-eigenen-Werk-Aufgeilen hat für mich (fast) nie eine Rolle gespielt und sich inzwischen ziemlich verlaufen. Im übrigen will ich die Menschen unterhalten, und dazu gehört auch, dass ich oft über Themen und Praktiken schreibe, die einfach gewisse Interessen abdecken, die mich persönlich aber unberührt lassen. Eine Grenze sind für mich aber Praktiken, die ich persönlich wirklich abstoßend finde.


    Wie lange arbeite ich im Durchschnitt an einem Text?
    Grundsätzlich kommt es natürlich darauf an, ob ich überhaupt Zeit zum Schreiben habe. Ich habe einen Brotberuf, der mich oft wochenlang ziemlich auf Trab und vom Schreiben abhält. Falls ich aber "freie Bahn" habe, sind 3 DIN A Seiten pro Tag so meine Faustformel (1 Manuskriptseite entspricht ca. 1,5 Seiten in normalem Papierdruck), und davon gehen schon mal 6 Tage auf die Woche. Ich habe an bestimmten Texten schon wiederholt und deutlich länger gesessen. Bei meinem nächsten Roman, der wohl zu Weihnachten erscheint, war der Stoff dagegen so "griffig", dass ich oft 5-6 Seiten Manuskript an einem Tag geschafft hab.


    Erstelle ich ein Konzept, bevor ich ein Buch schreiben?
    Auch das ist unterschiedlich. Bei den Kurzgeschichten meistens nicht, bei den längeren Sachen so ab 40 Manuskriptseiten aufwärts mach ich mir schon Notizen, skizziere den Gesamtverlauf etc. Das ist aber bisher nie so weit gegangen, dass ich wirklich vor der ersten Textseite ein Treatment erstellt habe. Meistens kommt das dann erst nach den ersten beiden Kapiteln dran.


    Weiß ich, wie meine Bücher ausgehen?
    Im Groben meistens schon, vor allem die längeren Erzählungen und Romane.


    Und kommt es vor, dass ich etwas verwerfe oder umschreibe?
    Gelegentlich schon. Ich erlebe es manchmal, dass eine Geschichte sich zuerst gut und flüssig in eine bestimmte Richtung zu entwickeln scheint, aber irgendwann entpuppt sich der Weg als Sackgasse. Ich hab es allerdings als gute Übung erfahren, solche Passagen aufzuheben. Gelegentlich passen sie dann in eine andere Story sehr gut rein, oder zumindest die Bilder aus meinem Kopfkino helfen mir an einer anderen Stelle weiter.

    Habe ich manchmal Angst davor, dass eines meiner Bücher zum Ladenhüter werden könnte?

    Angst habe ich überhaupt keine. Ich kenne ja die Verkaufszahlen und weiß, dass ich nicht Stephen King heiße oder so. Ich habe eine Verlegerin, die mich absolut unterstützt, und bekomme auch sonst einigen Zuspruch - was will ich mehr. Ich habe irgendwann im Sommer bei insgesamt jetzt 25 Titeln über 1.000 Bücher insgesamt verkauft; das ist für mich schon eine beeindruckende Zahl. Schade finde ich es, dass einige wirklich sehr interessante Storys keine Abnehmer finden. Daher werden wir jetzt zu Weihnachten auch das 2. Lustlesebuch herausbringen - mit einer guten Mischung aus einer sehr beliebten Story, einer ganz neuen und zweien, von denen ich hoffe, dass die Leser sie bei der Gelegenheit für sich entdecken, da das gesamte Buch im Vergleich zu den Einzelpreisen extrem günstig sein wird.


    Bin ich auf andere Autoren neidisch, wenn sich deren Bücher besser verkaufen?
    Überhaupt nicht. Ich wundere mich zwar manchmal über den Geschmack der Leser, aber ich schreib meine Sachen, und die Kollegen schreiben ihre, und ich mache mir auch keine Illusionen, in welcher Zielgruppengröße ich mich bewege.


    Alles klar soweit? ;)


    Nico S.

    Wenn wir es recht überdenken, so stecken wir doch alle nackt in unseren Kleidern. 
    Heinrich Heine


    Alle meine Bücher: nur 1 Klick entfernt 

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  • Elfriede Jelinek behauptet also, daß es keine weibliche Pornosprache gebe. Stimmt das?
    Wieso gibt es dann bei uns ständig Diskussionen, daß sich ein Mann nicht in die weibliche Erotik einfühlen kann und an den inneren Monologen seiner Protagonistin scheitern muß?

    Bei uns gibt es ständig Diskussionen, auch über nichtige Themen. Das ist also kein Kriterium. Ich finde, dass man sich auch als Mann in eine weibliche Rolle versetzen kann, wie eine Frau in eine männliche. Natürlich braucht man/frau dazu Lebenserfahrung, sprich das Zusammensein oder -leben mit mehreren Partnern, um aus nächster Nähe das Verhalten der anderen beobachten zu können. Auch das Lesen von Büchern hilft, ebenso das Kino und überhaupt Beobachtung der Welt, die einen umgibt.


    Wer nichts oder nur wenig erlebt, dem gehen früher oder später die Themen aus – sagte Jelinek mal in einem Interview.

    In Kleinigkeiten wundern wir uns nicht über die Geschmacksunterschiede. Aber sobald es sich um die Wollust handelt, geht der Lärm los. - Marquis de Sade in Justine oder die Leiden der Tugend

  • Elfriede ist nicht das Maß aller Dinge. Natürlich drücken sich Frauen und Männer teilweise unterschiedlich aus.


    Dass sich die meisten Autoren hier allerdings nicht in weibliche Erotik einfühlen können, liegt allerdings weniger an der Sprache als an den Gefühlen sowie am mangelnden anatomischen Kenntnisstand.


    Das A&O ist das Einfühlungsvermögen, die Fähigkeit, sich in das andere Geschlecht insbesondere gefühlsmäßig hineinversetzen zu können. ;)

  • Gewiß, in der Weltliteratur gibt es bei den großen Werken kaum Zweifel, ob sie aus weiblicher oder männlicher Perspektive geschrieben sind.
    Wer würde Pride and Prejudice von Jane Austen einem Mann zuschreiben?
    Hingegen sind etwa Shakespeares Othello oder Goethes Faust eindeutig männlich.
    Richard Wagners Werke stellen die Frauen auf ein Podest, ob sie der Autor jedoch versteht?
    Dennoch hat der Meister als letztes Schriftstück "Über das Weibliche im Menschlichen"verfaßt.


    Bei (erotischen) Szenen zwischen Mann und Frau geht es aber vor allem darum, ob der Leser die Gefühlswelt der Frau als authentisch empfindet.
    Das hängt natürlich wiederum stark davon ab, ob er selbst männlich oder weiblich ist.
    Die Marschallin aus dem Rosenkavalier (Hofmannsthal), Elisabeth in Don Carlo (Schiller), Violetta Valéry (Dumas)
    sind farbige Figuren voller weiblicher Erotik, denke ich. Ob das Frauen auch so empfinden?


    Und gerade bei erotischen Geschichten soll das anders sein?
    Sind deshalb Werke von Pauline Réage oder Anais Nin zu Klassikern geworden?


    baer

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  • @ mausbacher


    Das ist gar nicht so einfach!
    Meist behaupten im SB ja Männer, daß andere Männer sich nicht glaubhaft in Frauen hineinversetzen können.
    Ich hoffe, daß eine weibliche Userin hier Stellung nimmt.


    Ich fühle mich da befangen. Entweder ist eine Story mE hier überhaupt unerotisch, was Frauen und Männer betrifft, oder es knistert einfach.


    baer

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  • Männer legen keinen Wert auf Schnickschnack ( Sinnlichkeit,Gefühl).
    Darum schreiben sie auch unverschnörkelt, mit Schlagworten, platten erregenden „Geil- Männerfantasien/-wünschen/- übertreibungen“,
    egal ob realistisch oder nicht.
    Männlich eben.



    Frauen mögen es sinnlich, mit Vorspiel, mit Liebe zum Detail.
    Sie benutzen mehr Worte für einen Zustand, beschreiben Gefühle, emphatisch, realistisch, romantisch.
    Entsprechend ist die Wortwahl zärtlich und bedacht, liebevoll weich.
    Weiblich eben.


    Alles Quatsch?


    Aber was, wenn es stimmt?


    Hat dann der Autorin vielleicht jemand verraten, wie man Umsatz macht?
    Ist sie möglicherweise intellektuell in der Lage sich vorzustellen, was Männer und was Frauen lesen mögen und ihre Worte dann anzupassen?
    Ist das Marketing? Oder Überzeugung?


    Wer weiß das schon.
    Manchmal wird uns ja schlicht ein Bär aufgebunden. :D




    Jeder Autor wird anders an eine Story herangehen und unter anderem ein Ziel haben, welches die Richtung bestimmt.
    Ich traue jedem, der sich mit Sprache und Details befasst, zu geschlechtsneutral zu schreiben, wenn er/sie es denn will.


    Ich würde eher behaupten, dass manche sich nicht die Mühe machen wollen, über eine bildhafte Darstellung einer Szene oder Formulierungen nachzudenken. Dann misslingt so eine Story schnell zum "Hingeklatscht".


    Das passiert Frauen natürlich nur während der Faschingszeit. :P

  • Ich traue jedem, der sich mit Sprache und Details befasst zu, geschlechtsneutral zu schreiben, wenn er/sie es denn will.


    Ich würde eher behaupten, dass manche sich nicht die Mühe machen wollen, über eine bildhafte Darstellung einer Szene oder Formulierungen nachzudenken. Dann misslingt so eine Story schnell zum "Hingeklatscht".


    Ich traue es einigen zu, den meisten aber nicht. Ob Frau, ob Mann, das Einfühlen, Eintauchen ins jeweils andere Geschlecht ist und bleibt das größte Problem beim Schreiben erotischer Geschichten, so detailverliebt oder wortgewandt eine Autorin/ein Autor auch sein mag.

  • DIE Männer und DIE Frauen, sowas gibt es nicht, auch nicht in der schreibenden Zunft. Klar, man kann gewisse Tendenzen ausmachen, doch es lassen sich jeweils auch Gegenbeispiele finden. Übrigens ist es dann auch eine Frage des Alters bzw. der Generation. Ich habe den Eindruck, dass in den nachwachsenden Generationen unter 30 die Anteile der unytpisch wirkenden AutorInnen langsam, aber spürbar zunehmen. So habe ich erotische Texte von 2 jungen Autorinnen gelesen (von denen ich das Geschlecht jeweils definitiv kenne), die mindestens genauso schnörkellos zur Sache kommen (können) wie jeder Mann.


    Zweitens ist es Übungssache. Man(n) kann sich an einen weiblichen Stil herantasten. Ich habe das schon dann und wann getestet, und - wie Frauen mir bestätigt haben - mit Erfolg. Natürlich muss ich mir das bewusst machen, mich sehr konzentriert in die weibliche Figur hineinversetzen. Und ich behaupte nicht, dass das immer klappt. Manchmal aber eben doch.


    Nico S.

  • Bleibt aber immer noch, daß der Leser ja nicht geschlechtsneutral ist.
    Geschichten werden eben von Männern anders rezipiert als von Frauen.


    Und in der Diskussion geht es wohl darum, daß eine Frau einem Mann abnimmt,
    sich in die weibliche Gefühlswelt hineinversetzt zu haben und umgekehrt.


    Und stellt sich der Erfolg bei einer bestimmten Lesergruppe (z.B. amerikanische Hausfrauen um die 40 bei E.L.James)
    nicht manchmal erst im Nachhinein heraus?


    Und bei Weltliteratur ändert sich das natürlich im Lauf der Jahrhunderte.
    Können wir den moralischen Aufschrei im 18.Jahrhundert über Werther oder
    im 19.Jahrhundert über die Kameliendame heute noch nachvollziehen?


    baer

    Lector, intende,
    laetaberis!
    (Lieber Leser, paß auf, Du wirst Deinen Spaß haben! – Apuleus)

  • Ich habe das schon dann und wann getestet, und - wie Frauen mir bestätigt haben - mit Erfolg. Natürlich muss ich mir das bewusst machen, mich sehr konzentriert in die weibliche Figur hineinversetzen. Und ich behaupte nicht, dass das immer klappt. Manchmal aber eben doch.

    Bei mir war es ähnlich: Als ich an meinen Büchern schrieb, kam meine damalige Freundin aus reiner Neugierde bzw. freudiger Erwartung schon feucht (nicht tropfend, gell, mausbacher!) zu mir und fragte immer als erstes: Hast du was Neues geschrieben? Und wenn ich ja sagte, musste ich es ihr das auch sofort zeigen. Und wenn sie dann über eine Szene oder eine Praktik las, die sie nicht kannte, sagte sie zu mir: Du bist total verdorben!


    Beim Lesen hatte sie meist rote Bäckchen bekommen und wollte manchmal, dass wir das Geschriebene bzw. Gelesene auch gleich ausprobierten. Ich muss aber dazu sagen, dass sie sexuell ziemlich unerfahren war und daher leicht zu beeindrucken. :D



    Und bei Weltliteratur ändert sich das natürlich im Lauf der Jahrhunderte.
    Können wir den moralischen Aufschrei im 18.Jahrhundert über Werther oder
    im 19.Jahrhundert über die Kameliendame heute noch nachvollziehen?

    Also zumindest das mit Marguerite und ihren roten und weißen Kamelien, um offen (den Eingeweihten) anzuzeigen, wann sie ihre Tage hatte bzw. nicht hatte, also sexuell verfügbar war, wäre im realen Leben auch heute nicht spurlos vorbei gegangen.

    In Kleinigkeiten wundern wir uns nicht über die Geschmacksunterschiede. Aber sobald es sich um die Wollust handelt, geht der Lärm los. - Marquis de Sade in Justine oder die Leiden der Tugend

  • Es gibt sicher männliches und weibliches Verhalten im Konsum.
    Entsprechendes spiegelt sich auch in der Produktion etc. wider.
    Dass das ausgerechnet in der Schreiberzunft anders ist, kann ich nicht so ganz glauben.


    DIE Männer und DIE Frauen, sowas gibt es nicht, auch nicht in der schreibenden Zunft. Klar, man kann gewisse Tendenzen ausmachen, doch es lassen sich jeweils auch Gegenbeispiele finden. Übrigens ist es dann auch eine Frage des Alters bzw. der Generation.

    Gibts nicht? Oder doch Tendenzen?



    Zweitens ist es Übungssache. Man(n) kann sich an einen weiblichen Stil herantasten. Ich habe das schon dann und wann getestet, und - wie Frauen mir bestätigt haben - mit Erfolg. Natürlich muss ich mir das bewusst machen, mich sehr konzentriert in die weibliche Figur hineinversetzen. Und ich behaupte nicht, dass das immer klappt. Manchmal aber eben doch.

    Also doch? :)




    mausbacher
    Genau!


    Kunst kommt von Können, und nicht von wollen, sonst hieße es Wunst!

  • Danke, Beware, ich wusste, dass wir uns nach wie vor verstehen, obgleich wir schon so vieles gemeinsam erleben durften/mussten! :)


    Na klar können weibliche Autoren (Autorinnen) auch die verbale Sau rauslassen. Bestritt das denn einer? Aber "DIE Männer und DIE Frauen, sowas gibt es nicht, auch nicht in der schreibenden Zunft." ist, sorry, blanker Unsinn. Und wenn es das aber schon nicht geben sollte, wieso kann man es dann doch erlernen, sich an einen weiblichen Stil - den es ja eigentlich gar nicht gibt - heranzutasten und dies sogar hin und wieder gelingen lassen?


    Ich behaupte, dass ich am Schreibstil das Geschlecht des Autors einer erotischen Story erkenne - und zwar mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. Man kann dies übrigens auch erlernen. ;)

    Die begehrenswerteste aller Frauen ist die, mit der ich weinen kann.



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  • Zweitens ist es Übungssache. Man(n) kann sich an einen weiblichen Stil herantasten. Ich habe das schon dann und wann getestet, und - wie Frauen mir bestätigt haben - mit Erfolg. Natürlich muss ich mir das bewusst machen, mich sehr konzentriert in die weibliche Figur hineinversetzen. Und ich behaupte nicht, dass das immer klappt. Manchmal aber eben doch.


    Also doch? :) 


    Ja, doch. Frauen haben mir jedenfalls bestätigt, dass es hinhaut. Am besten ist mir das wohl in "Julia im Spiegel" gelungen, aber das ist bei weitem nicht der einzige Fall. Zum besseren Verständnis hier eine kleine Passage aus dem Buch. Julia ist eine Frau um die 40. Als sie an einem Freitag im August nach der Arbeit nach Hause kommt, zieht sie sich plötzlich ohne besonderen Anlass vollständig aus:


    (Zitat)
    Sie stand nun gewiss schon fünf Minuten vor dem Spiegel. Jedenfalls kam es ihr so vor. Fasziniert beobachtete sie, wie ihre Hand über ihren leichten Bauchansatz strich. Kreiste. Sie spürte die Berührung und spürte sie nicht. Es war etwas Fremdartiges und doch nicht Fremdes da in dem Spiegel ... ein bisschen so, wie sie nach Jahren des Grüßens dem afrikanischen Nachbarn begegnete, der in einem der zehn Appartements hier auf dem Flur lebte. Sie wusste nicht mal, in welchem.


    Die Hand war nicht mehr so jung. Hände zeigen das Alter am deutlichsten. Doch es war keine hässliche Hand ... schmal, gepflegt, mit runden, glatten Nägeln in dezentem Silbergrau ... ihr Chef mochte "diese roten Krallen" bei Frauen nicht, aber da sie Rot ebenfalls nicht mochte, war das kein Problem für sie.


    Nun war diese Hand einmal in Bewegung gekommen, und statt die unordentlich zu Boden gefallene Wäsche aufzulesen oder aus dem Kühlschrank den für heute Mittag vorgesehenen Rest Gemüseeintopf zu holen oder wenigstens den Fernseher schon mal einzuschalten ... statt all solcher tausendfach geübter und harmloser Beschäftigungen begann diese Hand, immer größere Kreise auf ihrem Oberkörper zu ziehen. Kreise, die schnell ihre Brüste und den Venushügel erreichten und dann rasch und unaufhaltsam in sensible Zonen vordrangen.


    Wie lange war das her? Vier Wochen? Sechs Wochen? Sie erinnerte sich, dass sie an jenem Abend in der Bahn einen jungen Mann gesehen hatte. Sehr groß, dunkelhaarig, mit dem leichten Schatten eines Abendbarts nach einem langen Arbeitstag. Eigentlich war er zu jung gewesen, sicher fünfzehn Jahre jünger als sie ... aber irgendwie sympathisch. Er hatte sie weder beachtet noch sonst etwas getan, außer mit müdem Gesicht in die Abenddämmerung zu starren. Danach hatte sie es sich gemacht. Später am Abend, als sie schon im Bett lag. Im Dunkeln.


    Jetzt war alles zu sehen. Die hart werdenden Brustwarzen. Die leicht erregten, inneren Schamlippen. Wurde sie jetzt narzisstisch, gar lesbisch? Wurde sie geil, wenn sie eine nackte Frau sah, die sich ihren Mittelfinger in die Spalte schob? Der Gedanke lag nahe ... denn sie stand hier und beobachtete eine nackte Frau, die sich ihren Mittelfinger in die Spalte schob. Einen inzwischen feuchten Mittelfinger.


    Natürlich sah man ständig irgendwo nackte Frauen, auch solche, die an sich selbst herumspielten, oder es zu zweit trieben, es zumindest andeuteten. Es gab Werbemotive mitten in der Stadt, die das in x Metern Größe zeigten. Es gab ganz normale Zeitschriften und Fernsehsendungen, in denen man das alles gezeigt bekam. Daran war nichts Geheimnisvolles mehr. Lesben wurden heutzutage Ministerin oder moderierten Fernsehsendungen. Und dann waren da noch Hermanns Pornos gewesen.


    Hermann war acht Jahre her und hatte auch nur zwei gedauert. Er hatte ... nach ihrer persönlichen Einschätzung ... keinen übermäßig exotischen Geschmack. Nur wollte er eben keine Männer beim Sex beobachten. Daher waren seine Filme allesamt sogenannte Lesbenpornos. Also Filme, in denen ausschließlich Frauen miteinander Sex hatten, selbst wenn sie per Umschnalldildo für eine kurze Travestie ins
    andere Lager wechselten.


    Es hatte sie nie angemacht. Nicht abgestoßen, aber auch nicht erregt. Diese Frau im Spiegel vor ihr war die erste, die sie wirklich geil fand.


    Nico S.

  • Danke, Beware, ich wusste, dass wir uns nach wie vor verstehen, obgleich wir schon so vieles gemeinsam erleben durften/mussten! :)


    Na klar können weibliche Autoren (Autorinnen) auch die verbale Sau rauslassen. Bestritt das denn einer? Aber "DIE Männer und DIE Frauen, sowas gibt es nicht, auch nicht in der schreibenden Zunft." ist, sorry, blanker Unsinn. Und wenn es das aber schon nicht geben sollte, wieso kann man es dann doch erlernen, sich an einen weiblichen Stil - den es ja eigentlich gar nicht gibt - heranzutasten und dies sogar hin und wieder gelingen lassen?


    Ich behaupte, dass ich am Schreibstil das Geschlecht des Autors einer erotischen Story erkenne - und zwar mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. Man kann dies übrigens auch erlernen. ;)

    Ich sehe schon, hier ist einer nicht zu überzeugen von einer Welt, die mehr enthält als einfache Einteilungen in Schwarz und Weiß, Männer und Frauen. Mausbacher, wenn du mich schon der Verbreitung von Unsinn bezichtigst und dir aus der willkürlichen Verkürzung des Gesagten deine Argumente zwirbelst ... erwarte nicht, dass ich auf die Frage langatmig Antwort gebe. Beware hat die Merkmale eines "weiblichen Stils" (man wird bemerken, dass ich nicht von denen "weiblicher Autoren" spreche) gut beschrieben. Der feine Unterschied zwischen literarischer Kategorie und psychologischem Laientum ist das, n'est ce pas? Es gelingt mir jedenfalls. Das genügt meinen Lesern. Meiner Verlegerin. Und mir selbst.


    Nico S.